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Di., 23.10.2018

Defensiv stabile Paderborner erstmals ohne Durchschlagskraft SCP im Lernmodus

Baumeister Steffen Baumgart: Der Fußballlehrer hat den SC Paderborn geformt.

Baumeister Steffen Baumgart: Der Fußballlehrer hat den SC Paderborn geformt. Foto: imago

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Der Sport ist eine Quelle für Phrasen und Weisheiten. »Die Tabelle lügt nicht« ist so eine Floskel, die wohl schon jeder Trainer benutzt hat. Zweitliga-Neuling SC Paderborn zählt aktuell zu den Topteams. So steht’s zumindest in der Tabelle und die hat nach zehn Spieltagen eine gewisse Aussagekraft.

Dass der Erstligabsteiger 1. FC Köln vorne weg marschiert, wird niemanden überraschen. Dass der Drittligaaufsteiger aus Ostwestfalen im oberen Tabellendrittel steht, zuhause noch ungeschlagen ist und mit 16 Punkten eher drei Zähler zu wenig als zuviel auf dem Konto hat, dagegen schon. Paderborns Markenzeichen war bis zum neunten Spieltag die offensive Wucht nach vorne.

Bis auf dem ängstlichen Ligastart mit dem 0:1 beim SV Darmstadt 98 schoss der SCP in jedem Spiel mindestens ein Tor und zeigte die breite Palette von großartig (5:3 beim 1. FC Köln) bis großartig naiv wie beim 4:4 zuhause gegen Mitaufsteiger 1. FC Magdeburg oder beim 1:2 gegen den FC St. Pauli. Bis Union Berlin kam.

SCP – ein Spitzenklub?

Der einzige ungeschlagene Zweitligist (18 Punkte) zeigte dem SCP beim 0:0 am Sonntag die ersten Grenzen und nahm dem Offensivspiel viel Schärfe. »Wir konnten über 90 Minuten nicht ansatzweise das auf den Platz bringen, was uns stark gemacht hat«, zog Manager Markus Krösche richtigerweise dieses Fazit und lieferte die Begründung gleich nach: »Union Berlin steht in der Defensive richtig gut.«

Das belegen die nur sieben Gegentore nach zehn Spieltagen. Auch da haben die Hauptstädter viel Qualität. Ob sie damit aber auch ein Spitzenklub sind? Krösche sagt ja: »Union ist ein Schritt weiter als wir. Sie sind erfahrener, und in vielen Situationen ein Stück robuster und cleverer.« Philipp Klement, der im Paderborner Mittelfeld die Regie führt und mit sieben Saisontoren auch bester Schütze, hat da Zweifel: »Wenn Union cleverer wäre, hätten sie bei uns gewonnen.« Bei weiterem Nachdenken findet er sogar die eigene Selbsteinschätzung der Hauptstädter gewagt: »Dafür, dass sie sich als Aufstiegskandidaten bezeichnen, haben sie relativ wenig gezeigt. Ihre Spielanlage war einfach und mit dem 0:0 waren sie schnell zufrieden.«

Klement: »Grobe Fehler machen wir nicht zweimal«

Was auch festzuhalten bleibt: Gegen Union fehlte dem SCP die Durchschlagskraft. Die 100-prozentige Chance gab es nicht. Die Mannschaft, die zuvor mit 19 Treffern begeisterte, war in der ersten Hälfte allenfalls bedingt gefährlich, im zweiten Abschnitt gar nicht mehr. Was aber auch zur Geschichte des Spiel gehört, ist, dass der SCP gegen einen individuell besser besetzten Gegner mit mannschaftlicher Geschlossenheit dagegenhielt und augenscheinlich weiter dazugelernt hat. Anders als noch gegen Magdeburg oder St. Pauli kassierte der SCP in der Schlussphase keinen Gegentreffer. »Das ist auch ein Fortschritt und zeigt, dass wir grobe Fehler nicht zweimal machen«, sagt Klement.

Trainer Steffen Baumgart würde seine Elf trotzdem (noch) nicht zu den Topteams der Liga zählen. Eines kann aber auch der Fußballlehrer nicht wegdiskutieren: Sein junger Kader hat in allen Mannschaftsteilen hohes Entwicklungspotenzial. Das lässt auf noch mehr hoffen, denn Luft nach oben hat in dieser Klasse längst nicht jedes Team. Auch deshalb lügt die Tabelle nicht: Paderborn steht zurecht im oberen Drittel.

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