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Mo., 12.11.2018

Paderborns Offensivfußball ist eine Mischung aus attraktiv und naiv Viel Lust, viel Frust

Fassungslos, ratlos, trostlos: Paderborns Babacar Guèye.

Fassungslos, ratlos, trostlos: Paderborns Babacar Guèye. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Steffen Baumgart ist eigentlich ein positiv denkender Mensch. Das war er schon bei seinem Amtsantritt im April 2017, daran hat sich bis heute nichts Grundlegendes geändert. Auch wenn Paderborns Trainer am Freitag nach den denkwürdigen Spiel gegen Holstein Kiel zum ersten Mal sehr frustriert wirkte.

Das 4:4 nach 3:1-Führung und 3:4-Rückstand tat ihm weh. Weniger, weil es der dritte sieglose Auftritt in Folge vor heimischer Kulisse war. Auch nicht, weil seine Mannschaft seit dem 7. Oktober (2:1-Sieg in Ingolstadt) auf einen Dreier wartet. Was den 46-Jährigen maßlos ärgerte, war die Tatsache, wie leichtfertig seine Mannschaft mal wieder die Punkte herschenkte. Wie sie auch am Freitag mit falschen Entscheidungen in wichtigen Momenten des Spiels den Gegner zum Toreschießen einlud. »Wir legen uns die Dinger selbst rein, weil wir uns viel zu naiv anstellen. Wer über einen langen Zeitraum in der 2. Liga bestehen will, der darf nicht so Fußball spielen, wie wir das machen«, zog Baumgart dieses Fazit.

»Wir sind noch nicht abgezockt genug«

Es sind immer Fehler, die zu Toren führen. Nur so funktioniert der Fußball. Der SC Paderborn leistet sich davon allerdings zu viele und vor allem zu viele einfache. Extreme Beispiele für die Wiederholungstäter gibt es einige. Das 4:4 nach 3:1- und 4:2-Führung gegen den 1. FC Magdeburg ist eins. Das 1:2 nach 1:0-Führung beim FC St. Pauli ein anderes. Oder das 3:3 gegen den SV Sandhausen. Da drehte der SCP nach einem schnellen 0:2 das Spiel, führte zehn Minuten vor dem Ende 3:2 und verpasste es, sich für die Aufholjagd auch zu belohnen. »Uns fehlt schlicht und einfach die Reife. Wir sind noch nicht abgezockt genug«, kritisierte Manager Markus Krösche das Team schon vor vier Wochen. Geändert hat sich nichts.

Niemand will am Grundsätzlichen rütteln

Viel Lust mischt sich jetzt erstmals auch mit Frust. Wie gehen die Verantwortlichen damit um? Für Baumgart ist die Sache klar: »Ich muss meine Arbeit neu auf die Reihe bekommen. Es klappt nicht so, wie ich mir das vorstelle, also muss ich es jetzt das Tempo ein wenig rausnehmen und es in kleinen Schritten versuchen.« Am Grundsätzlichen will aber niemand rütteln. Die gemeinsam von Baumgart und Krösche entwickelte offensive Spielidee, die gegen jeden Gegner und bei jedem Spielstand auf hohes Verteidigen und Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte ausgerichtet ist, bleibt unangetastet.

Darin sind sich Manager, Trainer und Mannschaft einig. »Weil wir davon total überzeugt sind«, begründet Sebastian Schonlau. Der junge Mann spielt im Abwehrzentrum und gehört schon von der Position zu denen, die in der Defensive am meisten gefordert sind. 24 Gegentore in nur 13 Spielen stehen in der SCP-Bilanz. Das sind im Schnitt fast zwei Treffer pro Partie. »Zu viel«, findet auch der 24-Jährige und fügt hinzu: »Wir werden schließlich nicht in jedem Spiel vier Tore schießen und am Ende einen Punkt behalten.« Was also tun? Schonlaus Antwort ist einfach: »Die Fehler minimieren.«

Rückendeckung von Kiels Coach

Das gelang Baumgart schon einmal in relativ kurzer Zeit: Als er den SCP am Ostermontag 2017 als Chefcoach übernahm, holte er mit einer fast abgestiegenen Mannschaft noch elf Punkte in fünf Spielen. Das reichte am Ende und danach ging es ruckzuck wieder hoch in Liga zwei. Es geht also.

Zusätzliche Rückendeckung gab es am Freitag übrigens noch aus einer anderen Richtung. »Hochachtung vor Paderborn, vor Steffen Baumgart und Markus Krösche. Hier spielt eine richtig gute Mannschaft sehr attraktiven Fußball.« Das sagte Kiels Coach Tim Walter und ergänzte: »Wer immer nach vorne spielt und Freude am Fußball vermittelt, der riskiert es, dass Lücken entstehen. Das ist bei uns nicht anders.« Wie am vergangenen Freitag, am »Tag der offenen Tore« in Paderborn.

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