>

Sa., 15.12.2018

Im Interview: Paderborns Ex-Manager arbeitet seit 2016 bei Dresden – Samstag in der Benteler-Arena Michael Born: »Dynamo ist kein einfacher Verein, aber einer mit sehr viel Potenzial«

Michael Born war von 1996 bis 2008 und von 2011 bis 2016 Manager beim SC Paderborn, danach ging er nach Dresden.

Michael Born war von 1996 bis 2008 und von 2011 bis 2016 Manager beim SC Paderborn, danach ging er nach Dresden. Foto: dpa

Paderborn (WB). Zweimal, von 1996 bis 2008 und von 2011 bis 2016, war Michael Born Manager beim SC Paderborn. Seit Juni 2016 arbeitet er als kaufmännischer Geschäftsführer bei Dynamo Dresden. Am Samstag (13 Uhr) ist Born mit den Sachsen zu Gast in der Benteler-Arena. Matthias Reichstein sprach mit dem 51-Jährigen über seine Zeit beim SCP, die aktuelle Entwicklung der beiden Clubs und die Pläne für die Zukunft.

Herr Born, Sie waren schon einige Male in der Benteler-Arena zu Gast, am Samstag kommen Sie aber zum ersten Mal mit der Dresdner Mannschaft und damit als Gegner nach Paderborn. Mit was für Gefühlen reisen Sie an?

Born: Es ist natürlich ein Unterschied für mich, ob ich zum Auswärtsspiel nach Heidenheim fahre oder zum SCP. Dafür war ich auch viel zu lange beim SC Paderborn. Die kommenden 90 Minuten sind für mich ein ganz besonderes Spiel. Da muss ich gar nicht lange drumrum reden und alles andere wäre auch gelogen.

 

Sie waren insgesamt 17 Jahre Manager beim SCP und galten in Paderborn immer als der Finanzfachmann schlechthin. Dennoch wurden Sie zweimal entlassen. Waren Sie im Rückblick ein Manager, der zu sehr die Nähe zu den Trainern gesucht hat?

Born: Um in einem vergleichsweise kleinen Verein erfolgreich arbeiten zu können, ist es für mich eine Grundvoraussetzung, dass Manager und Trainer eng zusammenarbeiten. Natürlich ist der Grat manchmal schmal. Mit den Entlassungen von Holger Fach und Stefan Effenberg endete auch meine Amtszeit. Andersherum war das enge Miteinander zwischen Management und Chefcoach ein Grundstein für die Erfolge von Roger Schmidt oder André Breitenreiter.

 

Sie würden also nichts ändern?

Born: Im Rückblick mag ich in der einen oder anderen Situation mal falsch gelegen haben, aber grundsätzlich halte ich es für sehr, sehr wichtig, dass ein Verein seinen Trainer stützt. Ich will da mal das Beispiel André Breitenreiter nennen: In unserer Aufstiegssaison, dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte, sind wir nicht nur schlecht gestartet (Anmerk. d. Red.: zwei Punkte aus vier Spielen), sondern auch noch in der zweiten Pokalrunde beim Drittligaletzten 1. FC Saarbrücken rausgeflogen. Aus allen Ecken kam danach die Forderung: Schmeißt den Blinden endlich raus. Damals war ich der Meinung, dass es nicht am Trainer lag. Ich habe an André festgehalten und wie die Saison endete, ist bekannt.

 

Besonders sauer waren Sie bei der zweiten Entlassung, da ließ der damalige Präsident Wilfried Finke Ihnen die Kündigung über Dritte mitteilen. Wie ist Ihr Verhältnis heute?

Born: Ich fand die Art und Weise, wie das damals abgelaufen ist, unangemessen. Dafür war ich viel zu lange beim SC Paderborn und deshalb hätte man das Ganze aus meiner Sicht anders regeln müssen. Seitdem habe ich mit Herrn Finke darüber nicht mehr gesprochen. Aber ich bin kein nachtragender Typ. Für mich ist das Schnee von gestern und dabei will ich es auch belassen.

2015: Präsident Wilfried Finke mit Trainer Stefan Effenberg und Manager Michael Born. Foto: Besim Mazhiqi

Wilfried Finke ist nicht mehr Präsident, hat sein Unternehmen verkauft und sich fast komplett zurückgezogen. Ein SC Paderborn ohne Finke wäre zu Ihrer Amtszeit undenkbar gewesen, oder?

Born: Das stimmt. Den SC Paderborn in seiner heutigen Form würde es ohne Wilfried Finke nicht geben. Er hatte sich nicht nur finanziell stark engagiert, sondern war auch ein Mann mit Visionen. Ohne ihn würden zum Beispiel weder Arena noch Trainingszentrum stehen.

Baumgarts Erinnerungen

Als Spieler von Energie Cottbus und Hansa Rostock sowie Trainer des 1. FC Magdeburg hat Paderborns Trainer Steffen Baumgart gegen Dynamo Dresden so manche Schlacht geschlagen. »Die Vereine mochten sich nicht, das waren heiße Duelle. Aber Dresden hat super Fans, ist einer der größten Ostklubs und wird auf lange Sicht wieder 1. Liga spielen«, sagt er und hebt die »außergewöhnliche Schnelligkeit« von Dynamo-Stürmer Moussa Koné hervor. Für den nach Sperre zurückgekehrten Bernard Tekpetey strich Baumgart zum ersten Mal in dieser Saison Tobias Schwede aus dem Kader.

So könnte der SCP spielen

Zingerle - Dräger, Schonlau, Hünemeier, Collins - Vasiliadis - Tekpetey, Klement, Antwi-Adjei - Gueye, Michel

 

Können Klubs mit einem vergleichsweise kleinen Etat wie der SCP dauerhaft in der 2. Liga überleben?

Born: Die Frage kann ich nicht beantworten, weil ich die aktuellen Zahlen des SC Paderborn nicht kenne. Aber Fakt ist, dass ein Verein wie der SC Paderborn sich nur ganz wenige Fehler erlauben darf und auf Transfererlöse angewiesen ist. Deshalb ist das, was Markus Krösche als Manager in Paderborn auf die Beine gestellt hat, aller Ehren wert. Das kann man ihm gar nicht hoch genug anrechnen.

 

Der Aufsteiger Paderborn liegt gleichauf mit Aufstiegskandidat Dynamo Dresden. Im Umkehrschluss ist damit in Dresden nicht alles rund gelaufen?

Born: Wir haben nach drei Pflichtspielen den Trainer gewechselt. Das zeigt natürlich, dass wir sportlich einen anderen Plan hatten. Aber es ist jetzt auch nicht alles miteinander vergleichbar. Jeder versucht, aus den vorhandenen Möglichkeiten das Optimale herauszuholen. Der SC Paderborn macht das im Moment richtig gut, keine Frage.

 

Mit Maik Walpurgis sitzt ein Ostwestfale bei Dynamo auf der Trainerbank. Gab es nie die Überlegung, den auch mal nach Paderborn zu holen?

Born: Maik war auf jeden Fall ein Trainer, bei dem ich immer etwas genauer hingeschaut habe. Ähnlich wie bei André Breitenreiter, der damals aus Havelse zu uns kam. Aber zu den Zeitpunkten, bei denen wir Bedarf hatten, hat es mit Maik nie gepasst.

 

Dynamos Sport-Geschäftsführer Ralf Minge beschreibt das Verhältnis zu Ihnen als »problembehaftet«. Sind die internen Machtkämpfe beendet?

Born: Ein Unterschied zwischen Paderborn und Dresden ist auch, dass es hier zwei Boulevardzeitungen gibt. Dazu haben wir innerhalb des Vereins eine große Gremienstruktur, wo schon mal eher etwas nach außen dringt. In dem Fall fand ich es wenig prickelnd, was da alles nach draußen getragen wurde. Andersherum wäre es auch unnormal, wenn nur Friede, Freude, Eierkuchen herrschen würde. Dann kämen wir als Verein auch nicht weiter. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Unser Verhältnis ist in Ordnung.

 

Wer an Dynamo denkt, der hat immer gleich Bilder von pöbelnden und randalierenden Fans im Kopf. Warum bekommt Dynamo seine Ultras nicht annähernd in den Griff?

Born: Eins vorweg: Ich wehre mich gegen Pauschalurteile. Es gibt auch Ultras, zu denen von Vereinsseite ein gutes Verhältnis besteht. Sie pflegen die Tradition, tun alles für Dynamo und sind deshalb für uns sehr wichtig. Aber es gibt auch Ausreißer und davon distanzieren wir uns auch ausdrücklich. Was zum Beispiel beim FC St. Pauli passiert ist (Anmerk. d. Red.: Körperverletzungen, zerstörte Sanitäranlagen, Hitlergruß, frauenverachtendes Spruchband), haben wir auf das Schärfste verurteilt. Das ist unakzeptabel und wird von uns auch entsprechend sanktioniert. Dennoch müssen wir immer wieder versuchen, auch mit diesen Problemfans im Dialog zu bleiben.

 

Sie planen in Dresden gerade den Bau eines Trainingszentrums. Das kostetet etwa 20 Millionen Euro und damit soviel wie in Paderborn Arena und Nachwuchsleistungszentrum zusammen. Ist Dynamo im Vergleich eine völlig andere Liga?

Born: Ja, das kann man so formulieren. Wir haben vergangene Saison einen Umsatz von mehr als 30 Millionen Euro gemacht und rechnen zum Abschluss der laufenden Spielzeit mit einem Umsatz von 33 Millionen Euro. Die Mitgliederzahlen, unser Zuschauerschnitt, das Merchandising – da erreichen wir überall Werte, die beim SCP undenkbar wären.

 

Haben Sie schon Bammel vor der Fertigstellung der neuen Trainingsstätte?

Born (lacht): Das Ende meiner Amtszeiten in Paderborn fiel tatsächlich mit den Bauarbeiten für die Arena und das Trainingszen­trum zusammen. Aber nein, Bammel habe ich deswegen nicht. Ich glaube auch nicht, dass es daran gelegen hat.

 

Ihr Lebensmittelpunkt ist jetzt schon mehr als zwei Jahre Dresden. Ist eine Rückkehr nach Ostwestfalen für Sie noch denkbar?

Born: Ich stehe bei Dynamo noch für drei Jahre unter Vertrag und fühle mich hier sehr wohl. Das ist kein einfacher Verein, aber einer mit sehr viel Potenzial und deshalb eine riesige Herausforderung für mich.

 

Mit der Vertragsauflösung von Uwe Neuhaus hat Dynamo größeren finanziellen Spielraum. Werden Sie im Winter noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv?

Born: Aus finanzieller Sicht wären wir absolut handlungsfähig, übrigens völlig unabhängig von der Vertragsauflösung. Unser sportlicher Bereich mit Ralf Minge und Maik Walpurgis hält da alle Augen und Ohren auf. Sollte sich hier etwas in einen normalen Rahmen ergeben, wird es nicht am Finanziellen scheitern.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6259018?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F