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So., 20.01.2019

Mitgliederversammlung beim SC Paderborn: Zweitligist hat jetzt 7,6 Millionen Euro Schulden – mit Videos Wieder ein dickes Minus

Die Mitgliederversammlung gedachte auch des verstorbenen Wilfried Finke.

Die Mitgliederversammlung gedachte auch des verstorbenen Wilfried Finke. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB/MR). Kalkuliert hatte Fußball-Zweitligist SC Paderborn die abgelaufene Aufstiegssaison 2017/2018 mit einem Minus in Höhe von knapp drei Millionen Euro. Tatsächlich schloss der SCP die Spielzeit mit einem Fehlbetrag von knapp 4,4 Millionen Euro ab. Der Gesamtschuldenstand erhöhte sich damit auf 7,6 Millionen Euro.

Einnahmen in Höhe von 12,7 Millionen Euro standen Ausgaben in Höhe von 17 Millionen Euro gegenüber. »Wir haben vergangenen Winter noch einige Spieler nachverpflichtet, die Mannschaft verstärkt und damit versucht, den angestrebten Aufstieg dingfest zu machen«, begründete Präsident Elmar Volkmann am Sonntag gegenüber den Mitgliedern die tiefroten Zahlen. Der zum 30. Juni 2016 noch schuldenfreie Club (216.663 Euro im Plus) hatte schon die vergangene Drittligasaison 2016/2017 mit einem Defizit in Höhe von 3,3 Millionen Euro abgeschlossen.

Volkmann will den finanziellen Absturz nun aber stoppen, in den nächsten fünf Jahren die Bankdarlehen in Höhe von 5,6 Millionen Euro möglichst auf Null zurückfahren und deshalb jährlich einen Gewinn von mindestens einer Million Euro erwirtschaften. »Bei unserer Infrastruktur ist der SCP in der 3. Liga nicht lebensfähig. Wenn wir also Schulden abbauen wollen, dann geht das nur in der 2. Liga und deshalb gilt: Wenn nicht jetzt, wann dann?«, sagte Volkmann im Rahmen der Mitgliederversammlung im Hansesaal des Paderborner Schützenhofes.

Etwa eine Million Euro kostet dem Club die Verwaltung

Für die angesprochene Infrastruktur mit Arena und Trainingszentrum wendet der SCP jährlich etwa knapp zwei Millionen Euro für Miete und Nebenkosten auf. Etwa eine Million Euro kostet dem Club die Verwaltung, etwas mehr als eine weitere Million lässt sich der SCP die Nachwuchdabteilung kosten. Mit Abstand größter Posten ist mit etwa sieben Millionen Euro der Profibereich. »Hier sind nicht nur alle Gehälter, sondern auch sämtliche Nebenkosten enthalten«, betont Volkmann. Praktisch die einzige Einnahmequelle ist ebenfalls die Mannschaft.

Beim TV-Geld musste sich der SCP in der Verteilungstabelle nach zwei Jahren in Liga drei erst wieder nach unten orientieren, hofft aber am Ende auf etwa 8,5 Millionen Euro. Dazu kommen weitere Erlöse durch Werbung oder Zuschauer, Volkmann nennt noch zwei Unbekannte: »Wir haben noch gute Chancen im DFB-Pokal und bei der Zertifizierung unserer Nachwuchsleistungszentrums.« Von der DFL könnte es für die Trainingsstätte im Jugendbereich einen Zuschuss in Höhe von 600.000 Euro (das wären drei Sterne) geben, sollte der SCP mit einem Sieg beim MSV Duisburg wieder ins Pokal-Viertelfinale einziehen, würden die Ostwestfalen noch einmal 1,3 Millionen Euro als garantierte Prämie vom DFB kassieren. Dazu kämen weitere Zuschauereinahmen.

Spieler und die Marke SCP sind zehn Millionen Euro wert

Dennoch will Volkmann dem Verein einen strikten Sparkurs verpassen, die Kostenkontrolle steht bei dem Steuerberater deshalb ganz oben. »Alle zusätzlichen Ausgaben müssen künftig durch Kürzungen an anderer Stelle oder durch zusätzliche Einnahmen abgedeckt werden. Wenn wir dauerhaft unsere Ziele erreichen wollen, werden wir auch jedes Jahr einen Spieler verkaufen müssen«, machte Volkmann deutlich.

Am Schluss der Versammlung gab es aber doch noch eine schwarze Zahl: Die neue Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA), bei der Gründung eine 100-prozentige Tochter des Vereins, hat zwar alle Verbindlichkeiten übernommen, in der Eröffnungsbilanz steht trotzdem ein positives Kapital in Höhe von 2,9 Millionen Euro. Der Grund ist einfach: Im Rahmen der Ausgliederung wurden auch die stillen Reserve des Vereins aufgedeckt. Die Spieler und die Marke SCP sind aktuell zehn Millionen Euro wert. Da man aber weder alle Spieler verkaufen kann und es es auch keinen Interessenten für die Marke SCP gibt, ist dies aber nur eine reine Buchgeschichte, das reale Leben ist anders. Da stehen zum 30. Juni 2018 7,662 Millionen Euro negatives Eigenkapital.

 

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