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Sa., 26.01.2019

Thomas Bertels hat die Paderborner Bundesliga-Bühne verlassen Ein leiser Abschied

Dynamisch am Ball: Thomas Bertels Läufe auf der linken Außenbahn sind Geschichte.

Dynamisch am Ball: Thomas Bertels Läufe auf der linken Außenbahn sind Geschichte. Foto: Besim Mazhiqi

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Nach einem halben Jahr im Stand-by-Modus macht Thomas Bertels kurz vor Rückrundenbeginn endgültig Schluss: Der Profi vom Zweitligisten SC Paderborn ist jetzt Geschichte. Ein ganz leiser Abschied von der Fußball-Bühne, der so gar nicht zum eher lauten Thomas Bertels auf dem Platz passt.

Der Anfang vom Ende liegt lange zurück. Bereits vor sechs Jahren hatte sich Bertels am rechten Fuß verletzt. Die Behandlungen verliefen nicht optimal und am Ende war es ein Loch in der Achillessehne, das Bertels immer wieder Probleme bereitete. Schon in der Rückrunde der Spielzeit 2013/2014 musste sich Bertels durchbeißen, wurde am Ende aber mit dem Erstliga-Aufstieg belohnt. »Mein größter Erfolg«, blickt der Linksfuß zurück.

Sportlich nahezu perfekter Abschluss

Bereut hat der bekennende Schalke-Anhänger nichts, obwohl die folgende Saison zum sportlichen Tiefpunkt wurde: Nur einmal sechs Minuten gegen den 1. FC Köln – so liest sich Bertels Bundesliga-Bilanz. Wobei es den 32-Jährigen noch viel schlimmer hätte treffen können: »Die Ärzte teilten mir im Januar 2015 mit, dass meine Karriere beendet sei. Dafür habe ich dann doch noch etwas Schönes geschafft.« Wobei er zugibt: »Ich war nie mehr bei 100 Prozent. Drei, vier Punkte sind wegen der langen Verletzungspause liegen geblieben.«

Mit etwas »Schönes« meint der gelernte Installateur die vergangene Saison, die nach drei sportlichen Abstiegen in Folge mit der Rückkehr in die 2. Liga endete. Da spielte Bertels noch 22-mal (zwei Tore), doch auch ohne diesen sportlich nahezu perfekten Abschluss ist die Bilanz des gebürtigen Gesekers beeindruckend: Mit 18 Jahren trug er noch das Trikot seines Heimatvereins TuS Ehringhausen und spielte in der Kreisliga B Lippstadt. Mit 22 stand er für den Regionalligisten SC Verl auf dem Rasen und er war bereits 25, als der SC Paderborn anfragte. Am Ende standen 97 Zweitliga- und 51 Drittligaeinsätze, dazu neun Partien im DFB-Pokal.

Einen Namen gemacht

Schnell und zweikampfstark: Als Malocher auf dem linken Flügel hatte er sich offensiv wie defensiv schnell einen Namen gemacht. Die Fans mochten ihn aber auch wegen seiner direkten Art. Bertels reagierte auf dem Rasen oft emotional, eher selten rational und scheute keinen Konflikt. Er packte gerne die Grätsche aus, auch verbal. Ein Diplomat war er daher nie. Den Fans gefiel aber auch seine Art. Bertels behielt immer die Bodenhaftung und vergaß nie, wo er herkam.

Das alles möchte Bertels gerne weitergeben und künftig als Trainer arbeiten. Als Einstieg hat er den Job als Co-Coach der U19 des SCP gewählt. Die kämpft in der Bundesliga um den Klassenerhalt. Parallel dazu möchte Bertels, dessen Vertrag beim SCP bis 2021 läuft, die A-Lizenz machen. In weiter Ferne liegt die Prüfung zum Fußballlehrer: »Es gibt bundesweit jährlich nur 24 Plätze, da werde ich einen langen Atem brauchen.«

Kein Abschiedsspiel

Sehr viel schneller könnte es ein Abschiedsspiel geben. Doch das lehnt er ab: »Der SCP hat das nur einmal gemacht – für einen außergewöhnlichen Spieler namens Markus Krösche. Auf diese Stufe gehöre ich nicht.« Wobei Bertels einer der wenigen Aufstiegshelden von 2014 ist, die ihre Laufbahn auch in Paderborn beenden. Auf Krösche und eben Bertels könnten noch Uwe Hünemeier und Christian Strohdiek folgen – das war’s. Vielleicht macht Paderborns Cheftrainer Steffen Baumgart deshalb vor dem letzten Heimspiel gegen den Hamburger SV noch einmal die Tür für ein paar Minuten in der 2. Liga auf.

»Fußball war und bleibt mein Leben, da wäre ich sofort dabei«, sagt Bertels. Die Benteler-Arena wird dann garantiert ausverkauft sein – und das nicht nur, weil ein großer Traditionsverein kommt. Es gibt nicht wenige, die gerade dem vergleichsweise kleinen SCP ebenfalls etwas Großes zutrauen. »Hier wächst gerade eine Mannschaft zusammen, die schon jetzt eine großartige Unterhaltung bietet, über eine unglaubliche Power verfügt und noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung ist«, lobt Bertels. So oder so ist daher klar: Sein endgültiger Abschied wäre am 12. Mai nicht mehr leise.

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