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Fr., 01.02.2019

Bruderduell: Paderborns Trainer Nico trifft Fürths Torwart Sascha Burchert gegen Burchert

Familientreffen in Bad Kissingen: Beim Testspiel im Sommer 2016 zwischen dem SC Paderborn und der SpVgg Greuther Fürth freuten sich Nico und Sascha Burchert (von links) über ein Wiedersehen und begrüßten sich herzlich.

Familientreffen in Bad Kissingen: Beim Testspiel im Sommer 2016 zwischen dem SC Paderborn und der SpVgg Greuther Fürth freuten sich Nico und Sascha Burchert (von links) über ein Wiedersehen und begrüßten sich herzlich.

Von Peter Klute

Paderborn (WB). Von Fritz und Ottmar Walter bis zu den Bender-Zwillingen Lars und Sven: Brüderpaare hat es in der Geschichte der Bundesliga schon viele gegeben. Geschwister in einem Team oder im Duell sind aber immer noch etwas Besonderes. So auch am Samstag, wenn der SC Paderborn und die Spvgg Greuther Fürth (13 Uhr, Benteler-Arena) in Liga zwei aufeinandertreffen.

Sascha (29 Jahre), Schlussmann bei Greuther Fürth, kontra Nico (31), Torwarttrainer beim SCP . Für Sascha Burchert ist es das dritte Pflichtduell mit Paderborn: 2012 mit Hertha, in der Hinrunde mit Fürth. Beide Partien endeten 2:2.

Dass die beiden Burcherts eine sportliche Laufbahn einschlagen, war relativ schnell klar. Vater Bernd war Handballtorwart, Mutter Martina Basketballerin und der ältere Bruder Lars Radfahrer. »Aufgrund unseres Vaters habe ich von Anfang an im Tor gestanden«, erinnert sich Nico und Sascha sagt: »Nico war mein Fixpunkt. Als ich klein war, wollte ich das machen, was er tut.«

»Als ich nach Elsen gezogen bin, war das für mich ein Kulturschock«

Aufgewachsen im Berliner Plattenbaubezirk Hohenschönhausen und nach der ersten fußballerischen Station beim Wartenberger SV verbrachten die Burcherts fast ihre komplette Jugend gemeinsam bei Hertha BSC. Vom tiefsten Osten bis in den äußersten Westen nach Charlottenburg, das war eine echte Herausforderung. »Wir hatten bis 16 Uhr Schule und um 17.30 Uhr begann das Training. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir mal nicht hinter der Straßenbahn hergerannt sind«, blickt Nico zurück. Zum Abitur an der Sportschule reichte es für den »faulen Schüler« (Nico) und seinen jüngerer Bruder nicht, der Sprung zum Fußball-Profi gelang beiden.

Nico Burchert wechselte 2008, nach dem Zweitliga-Abstieg, nach Paderborn. »Das war hart für mich. Denn vorher haben wir praktisch den ganzen Tag mitein­ander verbracht. Aber aus Sicht von Nico war das im Nachhinein eine super Entscheidung«, urteilt sein Bruder heute. Nico empfand das erst mal anders: »Als ich nach Elsen gezogen bin, war das für mich ein Kulturschock.« Inzwischen weiß er: »Es ist Wahnsinn, was ich in den mehr als zehn Jahren hier erlebt habe. Es war die spannendste Zeit der Vereinsgeschichte, ich fühle mich wohl.«

»So wie es sich entwickelt hat, war das für mich nicht vorstellbar«

Auf dem Feld kam er beim SCP nie über die Rolle des Reservisten hinaus und brachte es lediglich auf ein Drittligaspiel. In der Saison 2013/2014 begann Nico Burchert eher zufällig, sich um den Torwartnachwuchs zu kümmern, seit Sommer 2015 ist er eine feste Größe bei den Profis. »Ich habe mich immer schon dafür interessiert, was ein Torwarttrainer macht, aber ich bin da mehr reingeschlittert. So wie es sich entwickelt hat, war das für mich nicht vorstellbar.«

Erinnerungen an die Jugendzeit im Hause Burchert: Sascha und Nico (von links) üben in kompletter Torwartkluft. Das Talent war damals schon unverkennbar. Foto: privat

Mittlerweile ist Nico Burchert für Markus Krösche »ein herausragender Torwarttrainer und einer der besten, die es in Deutschland gibt«. Paderborns Manager ist begeistert: »Nico ist für uns extrem wichtig und lebt den Verein zu 100 Prozent. Er kennt unser Spiel aus der Torwartperspektive, deshalb hat er großen Einfluss auf Transfers. Nico ist meinungsstark, wir tauschen uns oft aus. Er hat großen Anteil an unserem Erfolg.«

Aktuell profitiert SCP-Stammkeeper Leopold Zingerle von Fachmann Burchert, der einst auch die neue Schalker Nummer eins Alexander Nübel förderte: »Dass Alex ein sehr großes Talent ist, wussten wir. Aber wie er sich entwickelt hat, ist großartig.«

»Torwarttrottel« titelte die »Bild«

Apropos Talent. Da war Sascha seinem älteren Bruder voraus, er galt als aussichtsreicher Kandidat auf den Pfostenposten beim Hauptstadtklub Nummer eins. 15 Spiele in der 1. und 2. Liga stehen von 2008 bis 2015 in seiner Vita. Nationale Berühmtheit erlangte der kleinste Burchert unfreiwillig in 2009, als er gegen den Hamburger SV außerhalb des Strafraums zwei Bälle mit dem Kopf klärte, die beim Gegner landeten und zu Toren führten. »Torwarttrottel« titelte die »Bild«.

Nico Burchert erinnert sich: »Wir haben ihm alle geholfen, aber im Endeffekt musste Sascha da selbst durch und schmerzhaft erfahren, dass das zu diesem Geschäft dazugehört. Er ist sehr ehrgeizig und kann selbst bei Gesellschaftsspielen im privaten Bereich nicht verlieren. Daher hat er eine Zeit gebraucht. Umso schöner ist es für mich, ihn jetzt spielen zu sehen. Früher war er oft überdreht, aber er hat die richtige Balance gefunden.« Für Sascha war es eine Erfahrung, »von der ich brutal profitiert habe«.

»Wir haben Paderborn schon im Hinspiel einen Punkt geschenkt«

Über den Umweg Oslo landete er 2016 in Franken, ist dort Kapitän und brachte wie sein Bruder seine Liebe (Ehefrau Lina) aus Berlin mit. Nico wohnt nach einigen Umzügen mit Harriet sowie den Kindern Kim (6) und Yannick (3) in der Paderborner Innenstadt. Auch seine Eltern und Lars haben die Hauptstadt verlassen, am Samstag werden sie alle zum Bruderduell nach OWL schauen.

Und wie geht es aus? Nico wünscht sich »zwei gute Torwartleistungen und einen Heimsieg. Sascha kann Niederlagen verkraften.« Der sieht das anders und sagt: »Wir haben Paderborn schon im Hinspiel einen Punkt geschenkt.« Ende August hatte das Kleeblatt am heimischen Ronhof bis zur 90. Minute mit 2:0 geführt.

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