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Fr., 15.02.2019

Kölns Trainer Markus Anfang erwartet im Zweitliga-Gipfel einen mutigen SC Paderborn »Wir sind noch lange nicht am Ziel«

Mit Holstein Kiel scheiterte Trainer Markus Anfang in der Relegation, mit dem 1. FC Köln will er in die 1. Liga aufsteigen.

Mit Holstein Kiel scheiterte Trainer Markus Anfang in der Relegation, mit dem 1. FC Köln will er in die 1. Liga aufsteigen. Foto: dpa

Paderborn (WB). Das Hinspiel ist unvergessen. Am 16. September gewann Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn beim Absteiger und Tabellenführer 1. FC Köln mit 5:3. Mehr als 2000 SCP-Fans feierten in der närrischen Hochburg am Rhein vorgezogen Karneval. Vor dem Rückspiel am Freitag (18.30 Uhr, Benteler-Arena) sprach Peter Klute mit FC-Trainer Markus Anfang (44).

Herr Anfang, welche Erinnerungen haben Sie an die erste Kölner Saisonniederlage am fünften Spieltag?

Markus Anfang: Das Spiel war spektakulär. Es gab Phasen, in denen wir es klar für uns entscheiden konnten. Nach der Gelb-Roten Karte gegen Jonas Hector in der Schlussphase haben wir dann aber doch noch verloren.

 

Auch als Trainer der B-Junioren von Bayer Leverkusen und mit Holstein Kiel gab es Duelle gegen den SC Paderborn. Woran denken Sie da speziell?

Anfang: An mein erstes Spiel mit Holstein Kiel im September 2016 in der 3. Liga, als wir in Paderborn 3:1 gewonnen haben.

 

Sie sind in Köln geboren. Hilft es, wenn man weiß, wie Stadt und Verein ticken und geht für Sie mit dem Traineramt beim FC ein Traum in Erfüllung?

Anfang: Für jeden Trainer ist es etwas Besonderes, in seiner Heimatstadt einen Traditionsklub zu trainieren. Da ich hier groß geworden bin, weiß ich, wie die Kölner ticken. Die FC-Fans sind sehr leidenschaftlich, im Negativen und im Positiven. Der Kölner findet immer ein Haar in der Suppe und macht gerne einen Spaß daraus. Das kann ich gut einschätzen.

 

Nach zwei Niederlagen in Folge gegen Bochum und Berlin hat Ihre Mannschaft mit dem 4:1-Sieg gegen St. Pauli in die Erfolgsspur zurückgefunden. Wie wichtig war dieser Dreier?

Anfang: Wir haben von den vergangenen acht Spielen sechs gewonnen. Das ist nicht so verkehrt. Aber klar, wenn du zweimal in Folge nicht gewinnst, wird das nicht erwähnt. Wir haben vor Weihnachten gegen Bochum ein richtig gutes Spiel gemacht und hätten auch bei Union nicht verlieren müssen. In beiden Spielen lagen wir bereits in der ersten Minute 0:1 zurück. Dass wir vor Bochum fünfmal hintereinander gewonnen haben, hat keinen mehr interessiert. Wir sind jetzt aber wieder auf Kurs.

 

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf insgesamt?

Anfang: Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben wir immer auf einem Aufstiegsplatz gestanden. Wir haben unsere Rolle als Favorit von Beginn an angenommen, wohlwissend, dass es sehr schwer und kein Selbstläufer wird. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel.

 

Das Ziel lautet direkter Wiederaufstieg, Was passiert, wenn es nicht klappt?

Anfang: Daran denke ich nicht.

 

Der SCP hat nur ein Tor weniger geschossen als der FC. Was zeichnet die Mannschaft sonst aus und was erwarten Sie nach der Torgala im Hinspiel?

Anfang: Die Paderborner sind sehr mutig und leidenschaftlich. Ich erwarte ein ebenso intensives und schwieriges Spiel wie in der Hinrunde.

 

Wie beurteilen Sie das Niveau in der Liga im Vergleich zur Vorsaison?

Anfang: Es gibt in jeder Saison Mannschaften, die das Potenzial haben aufzusteigen. Die 2. Liga war auch ohne die beiden Absteiger Hamburger SV und 1. FC Köln stark und ist qualitativ besser, als sie oft dargestellt wird. Das zeigt auch die Tatsache, dass mit dem HSV, Paderborn und Heidenheim drei Zweitligisten im Viertelfinale des DFB-Pokals stehen. Auch wir haben in der zweiten Runde gegen Schalke ein sehr gutes Spiel gemacht, hätten ein Weiterkommen verdient gehabt, mussten uns aber letztendlich im Elfmeterschießen geschlagen geben.

 

Der SCP schlüpft in dieser Saison so ein bisschen in die Rolle von Holstein Kiel unter Trainer Markus Anfang im Vorjahr. Kann man das vergleichen?

Anfang: Ich denke, die Ausgangssituation ist verschieden. Paderborn war schon in der Bundesliga, hat viele Jahre in der 2. Liga auf dem Buckel und ein neues Stadion. Holstein Kiel war vor dem Aufstieg 2017 ewig nicht mehr in Liga zwei, hat ein altes Stadion und wurde dann direkt Herbstmeister.

 

Hat sich die Wahrnehmung des SC Paderborn im Laufe der Hinrunde geändert?

Anfang: Nein. Wir nehmen in der 2. Liga jede Mannschaft ernst, das gilt auch oder besonders für die Aufsteiger.

 

Vor der Saison haben Sie ihre ehemaligen Spieler Dominick Drexler und Rafael Czichos verpflichtet, im Sommer kommt auch noch Kingsley Schindler. Bei Holstein Kiel dürfte das für Unmut sorgen.

Anfang: Holstein Kiel hat von der Entwicklung in den vergangenen beiden Jahren enorm profitiert. Als ich kam, betrug der Profi-Etat 6,2 Millionen Euro. Jetzt liegt er aufgrund der TV-Gelder und Transfererlöse deutlich darüber. Meine Zeit in Kiel war für beide Seiten eine Win-win-Situation. Und zu den Transfers: Dominick Drexler war bereits in Dänemark, als sich die Möglichkeit ergab, ihn zu verpflichten. Kingsley Schindlers Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. Jeder Spieler kann für sich selbst entscheiden, was er dann macht. So gesehen geht es nur um Raphael Czichos und von diesem Wechsel hat auch Holstein Kiel entsprechend profitiert. Das lief alles ordnungsgemäß.

 

Wie sehr hat Sie das Thema Anthony Modeste in den vergangenen Monaten genervt und wie froh sind Sie, dass die Spielgenehmigung nun vorliegt?

Anfang: Tony ist ein Spieler, der mit seiner Qualität eine Verstärkung für uns ist. Natürlich ist es nervenaufreibend, wenn sich ein Thema so lange zieht. Aber in erster Linie für den Spieler, weil er nicht zum Einsatz kommen darf. Aber jetzt sind wir alle glücklich.

 

Wie wollen Sie das Luxusproblem mit Modeste, Top-Torjäger Simon Terodde und Jhon Cordoba, der gegen St. Pauli dreimal traf, lösen?

Anfang: Als ich im Sommer kam, hat man Jhon Cordoba im Umfeld nichts zugetraut. Viele haben sich gewundert, warum wir ihn aufstellen und nicht Simon Terodde. Dann hat Simon angefangen und jetzt spielen beide. Nach unserem torlosen Spiel in Berlin hieß es, wir haben keine Alternative für den Sturm. Nachdem beide gegen St. Pauli getroffen haben, wird im Zusammenhang mit Tony von einem Luxusproblem gesprochen. Ich sehe keins.

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