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Sa., 30.03.2019

Die Baumgarts wohnen einen Kilometer vom Union-Stadion entfernt – mit Video Auswärtsspiel in der Heimat

Steffen Baumgart (rechts) spielt noch immer für Union Berlins Traditionself, wie hier im Januar gegen Dariuz Wosz (Hertha BSC).

Steffen Baumgart (rechts) spielt noch immer für Union Berlins Traditionself, wie hier im Januar gegen Dariuz Wosz (Hertha BSC). Foto: imago

Von Elmar Neumann

Paderborn (WB). Zwei Jahre, 68 Einsätze und 22 Tore haben genügt, um aus der Beziehung zwischen dem damaligen Stürmer Steffen Baumgart und dem 1. FC Union Berlin etwas ganz Besonderes werden zu lassen.

Er kam als Spieler, er ging als Fan und »Fußballgott«. Am Samstag (13 Uhr) kehrt der 47-Jährige als Trainer des SC Paderborn in das Stadion »An der Alten Försterei« zurück. Im Sommer 2002 verpflichteten die Berliner den 30-jährigen Angreifer vom FC Hansa Rostock. Es folgten zwei Zweitligaspielzeiten, die Baumgart im Rückblick als »die schönste und intensivste Zeit meiner Spielerkarriere« bezeichnet. Das erscheint umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass diese phänomenale Phase mit Unions Abstieg aus der 2. Liga ein enttäuschendes Ende nahm. Anschließend ging der geknickte Kapitän Baumgart von Bord und verließ den Kultklub aus Köpenick jedoch niemals so ganz: »Wie die Leute dort mit dem Verein umgehen, wie sie mit dem Fußball umgehen – das hat mich geprägt. Ich bin ein großer Fan des Vereins.«

Auswärtsspiel in der Heimat

Die Verbindungen sind vielsagend vielschichtig. Eine Auswahl: Mit seiner Familie wohnt der SCP-Coach nur einen Kilometer vom Stadion entfernt. Sobald Baumgart in Paderborn mal für ein paar Tage entbehrlich ist, geht’s in den Südosten der Hauptstadt. Der Ex, der auch für die Traditionself am Ball ist, hat bei Union nicht irgendeine Mitgliedsnummer, sondern die 72 – in Anlehnung an sein Geburtsjahr. »Ich kann garantieren, dass die nicht jeder bekommen hätte«, stellt der Fußballlehrer mit einem breiten Grinsen fest. Bereits seit 2005 bringt er seine Loyalität im »Tunnel of Fame« zum Ausdruck. Dort, im geschichtsträchtigen Zuschauertunnel unter der legendären manuellen Anzeigetafel, trägt einer der mittlerweile etwa 1800 Gründersteine seinen Namen. Ergänzt mit dem Hinweis: »Wir sehen uns.«

Der Trainer-Rückhalt: Steffen Baumgarts Frau Katja (Zweite von links) mit den Kindern Fiona (links), Emilia und Nick. Foto: imago

Am Samstag ist es wieder so weit. Auswärtsspiel in der Heimat. Schon beim Hinrundenduell in Paderborn vom Union-Anhang als »Fußballgott« gefeiert, darf sich Baumgart auch beim Wiedersehen auf einen ausgesprochen herzlichen Empfang freuen. Die Antwort auf die Frage, wie er es in einem doch relativ kurzen Zeitraum zu einem derartigen Status bringen konnte, beantwortet der 224-malige Erstligaspieler (Hansa Rostock, Energie Cottbus, VfL Wolfsburg) wie folgt: »Vor kurzem hat mir noch jemand ganz treffend gesagt, dass ich nicht der Typ mit den besten Tricks war, sondern einer, der über das Mentale und Kämpferische gekommen ist – und das hat man dort geliebt.«

Die Zuneigung hat Grenzen

Bei aller Liebe: Die Zuneigung hat Grenzen. Einerseits verbietet sich aus Baumgart Blickwinkel die Frage, ob er nicht mal Lust hätte, den Klub, den er als Herzensangelegenheit beschreibt, zu trainieren: »Die Frage höre ich oft, aber ich finde sie nicht gut. Ob ich irgendwann mal bei Union arbeite, kann nicht das Thema sein. Ich bin froh, in Paderborn zu sein, habe hier geile Bedingungen, eine geile Truppe und bin stolz auf das, was wir hier schon alles erreicht haben.« Er wird alles daran setzen, um der Entwicklung der Eisernen kurz Einhalt zu gebieten: »Wir fahren da hin, um zu gewinnen. Ich werde keine Geschenke mitbringen. Wir wollen zeigen, dass unsere 41 Punkte und 58 Tore nichts mit Zufall zu tun haben.«

Ein Vorhaben, bei dem Baumgart auch seine Frau auf seiner Seite wähnen darf. Das sollte klar sein? Nicht unbedingt. Denn: Katja Baumgart ist beim Tabellendritten angestellt, führt die Fanshops, die bei diesem Verein Zeughäuser heißen. Der Familienfrieden ist allerdings nicht in Gefahr. »Meine Frau arbeitet sehr, sehr gerne für Union. Sie ist dort – wie ich damals – super aufgenommen worden. Am Samstag hat sie aber frei und drückt mir die Daumen«, sagt Steffen Baumgart, Trainer des SCP, Fan von Union und »Fußballgott« für die Union-Fans.

So könnte der SCP spielen

Zingerle – Dräger, Schonlau, Strohdiek, Collins – Vasiliadis – Pröger, Klement, Antwi-Adjei – Zolinski, Michel

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