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Sa., 30.03.2019

SCP gewinnt in der Hauptstadt bei Baumgarts Ex-Verein – am Dienstag kommt der HSV zum Pokalviertelfinale 3:1 bei Union Berlin: Paderborn zurück im Aufstiegsrennen

Paderborns Christopher Antwi-Adjei (2. von rechts) jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit Kai Pröger (von links), Ben Zolinski und Sven Michel.

Paderborns Christopher Antwi-Adjei (2. von rechts) jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit Kai Pröger (von links), Ben Zolinski und Sven Michel. Foto: Lisa Ducret/dpa

Von Elmar Neumann

Berlin (WB). Der HSV kann kommen. Drei Tage vor der  DFB-Pokal-Viertelfinalpartie gegen den Hamburger SV (Dienstag, 18.30 Uhr, Benteler-Arena) hat der SC Paderborn 07 in der 2. Liga ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt. Der SCP gewann beim zuvor auf eigenem Platz 20 Mal in Serie ungeschlagenen 1. FC Union Berlin mit 3:1 (1:0), kletterte auf den vierten Platz und hat nur noch drei Punkte Rückstand auf den dritten Platz, den weiterhin die bezwungenen Berliner belegen.

Paderborns Trainer Steffen Baumgart überraschte bei seinem  »Auswärtsspiel in der Heimat«, zu dem er vom Anhang der Eisernen als »Fußballgott« begrüßt wurde, mit einer noch nie zuvor in Pflichtspielen getesteten Besetzung der Außenverteidigerpositionen.  Wie beim 5:3 im Länderspielpausen-Testkick gegen den 1. FC Köln probiert , stellte der ehemalige Kapitän der Unioner Tobias Schwede hinten links und Lukas Boeder, der den SCP nach der Saison verlässt, hinten rechts auf. Die drei Nationalspieler Jamilu Collins, Mohamed Dräger und Bernard Tekpetey,  erst am Donnerstag von ihren weiten Reisen zurückgekehrt, nahmen allesamt auf der Bank Platz. Da wollte der Coach wohl nicht zuletzt im Hinblick auf das Millionen-Spiel gegen den HSV keinerlei Risiko eingehen.

Union mit den ersten Chancen

Für den Aufsteiger war es das erste Gastspiel an der Alten Försterei seit dem 24. Oktober 2015, als nach einem Doppelpack von Mahir Saglik schon nach sechs Minuten der Weg zum zweiten und letzten Sieg unter Stefan Effenberg geebnet worden war. Damals endete die Ihresgleichen suchende Talfahrt in Liga drei. Diesmal sollte sich der SCP mit einem Erfolgserlebnis beim Tabellendritten im Kampf um den Erstligaaufstieg noch einmal vorteilhaft positionieren.

Das Spiel aber machten zunächst erwartungsgemäß die Hausherren, die ihr Selbstbewusstsein aus den 31 Punkten und 26:6 Toren in den vorangegangenen 13 Heimspielen dieser Saison generierten. Schon nach 53 Sekunden verbuchte Carlos Mané die erste Gelegenheit, traf aber aus spitzem Winkel nur das Außennetz. Union hatte in der einseitigen Startphase noch zwei, drei weitere solcher Chancen, ehe die Gäste mit zunehmender Spieldauer besser ins Spiel fanden.

Antwi-Adjei mit einem starken Solo

Kai Pröger (15.) sowie Sven Michel (25.) scheiterten am Ende zweier Konter an Keeper Rafal Gikiewicz und ein Mal hatten die Eisernen sogar großes Glück. Michel hatte den Ball kurz vor der Strafraumgrenze bereits an Marvin Friedrich vorbeigelegt und wäre wieder auf Gikiewicz zugelaufen (37.), hätte der Berliner Verteidiger ihn nicht völlig offensichtlich auflaufen lassen. Ein Freistoß und zumindest Gelb? Von wegen. Nicht mal ein Pfiff. Die Aufregung auf der Paderborner Bank hatte sich gerade gelegt, da sorgte Christopher Antwi-Adjei nach einem starken Solo mit einem Flachschuss zum 0:1 (41.) für die nachträgliche Bestrafung und den Pausenstand.

Kurz nach Wiederbeginn bot sich Ben Zolinski bei einem weiteren Paderborner Schnellangriff sogleich die Möglichkeit, auf 0:2 zu stellen, doch sein Lupfer über Gikiewicz landete lediglich auf dem Tornetz (48.). Sechs Minuten später, in einer vergleichbaren Situation, traf Zolinski den Ball noch deutlich weniger richtig. Auf den starken Eindruck, den der SCP jetzt hinterließ, reagierte Unions Trainer Urs Fischer mit einem Doppewechsel (59.), der so wenig Wirkung zeigte, dass er mit dem genesenen Stürmer Sebastian Polter auch noch seinen letzten Hoffnungsträger aufs Feld schickte (73.).

Aufsteiger als Aufstiegskandidat

Gefahr aus dem Spiel heraus entwickelte Berlin trotzdem nicht. Eng wurde es aber noch einmal bei einem Freistoß von Robert Zulj, der nur knapp am SCP-Tor vorbeiflog (85.). Da lief es beim Gegner viel gefälliger. Sven Michel (87.) und Philipp Klement (90.+2) machten aus der 1:0-Führung ein 3:0 und  aus dem Aufsteiger einen Aufstiegskandidaten. Daran änderte auch ein ganz spätes Polter-Tor nichts. Der HSV (0:0 in Bochum) kann kommen!

»Wir haben hier in einem offenen Spiel noch einige Möglichkeiten liegen gelassen, aber ich fand es sehr stark, wie gerade meine jungen Spieler in der zweiten Hälfte dagegengehalten und dem Druck in dieser Atmosphäre Stand gehalten haben«, sagte Baumgart. Der 47-Jährige gönnte sich nach diesem »besonderen Erlebnis« noch einen Abend in Währ Köpenick. Während die Mannschaft direkt im Bus die Heimreise antrat, ging es für den  Coach noch mit der kompletten Familie zum Italiener: »Ich freue mich vor allem für meine Eltern, die erstmals bei einem Zweitliga-Spiel live im Stadion waren und auch noch einen Sieg zu sehen bekommen haben.«

Statistik

Berlin: Gikiewicz – Trimmel (73. Polter), Friedrich, Hübner, Lenz – Schmiedebach (59. Gogia) – Prömel, Zulj – Abdullahi, Andersson, Mané (59. Hartel)

Paderborn: Zingerle – Boeder, Schonlau, Strohdiek, Schwede (79. Collins) – Vasiliadis (74. Shelton) – Pröger, Klement, Antwi-Adjei – Zolinski (69. Gjasula), Michel

Schiedsrichter: Michael Bacher (Amerang-Kirchensur)

Zuschauer: 20.789

Tore: 0:1 Antwi-Adjei (41.), 0:2 Michel (87.), 0:3 Klement (90.+2), 1:3 Polter (90.+4)

Gelbe Karten: Trimmel / Gjasula, Schonlau

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