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Sa., 20.04.2019

SC Paderborn gewinnt nach 0:1-Rückstand 2:1 bei Holstein Kiel SCP stürmt auf Platz drei

Paderborns Kai Pröger bejubelt den Treffer zum 1:1 mit einem Handstand-Überschlag.

Paderborns Kai Pröger bejubelt den Treffer zum 1:1 mit einem Handstand-Überschlag. Foto: dpa

Von Peter Klute

Kiel (WB). Der SC Paderborn ist auf dem Weg in die 1. Bundesliga. Nach dem 4:4-Hinspiel gewann der SCP das Verfolgerduell in Liga zwei beim KSV Holstein Kiel mit 2:1 (0:0) und springt auf Platz drei. Für Paderborn war es das fünfte Spiel in Folge ohne Niederlage.

Paderborns Trainer Steffen Baumgart wechselte seine Anfangsformation gegenüber dem 4:0-Sieg gegen den MSV Duisburg lediglich auf einer Position. Für Bernard Tekpetey, der am Sonntag Vaterfreuden entgegen sieht, begann Kai Pröger auf der rechten Außenbahn. Gar nicht im Kader stand Kapitän Christian Strohdiek aufgrund von Rückenproblemen.

Duell der Offensiven

Das Duell der drittbesten gegen die zweitbeste Offensive der Liga wurde den Erwartungen sofort gerecht.Beide Teams spielten mit Risiko nach vorne, es gab zahlreiche Strafraumszenen und wenig Ruhephasen.

Die erste Chance hatte Seabstian Vasiliadis für den SCP, als er in der dritten Minute von der Strafraumgrenze abzog und Kiels Torwart Dominik Reimann zur Eck abwehrte. Doch im Gegenzug musste es eigentlich 1:0 für die Störche stehen.

Der starke Masaya Okugawa setzte sich auf der linken Seite durch, flankte nach innen und Mathias Honsak schoss Leopold Zingerle aus fünf Metern an. Da hatten die Gäste ebenso Glück wie eine Minute später, als der ehemalige Paderborner Hauke Wahl eine Ecke von Laszlo Benes nur knapp am rechten Pfosten vorbei köpfte.

In der Folge war der SCP mit viel Ballbesitz um mehr Sicherheit gegen schnell umschaltende Kieler bemüht und näherte sich mit Distanzschüssen (zweimal Vasiliadis, ein Mal Sven Michel sowie Philipp Klement) wieder an, Babacar Gueye verfehlte nach Vorarbeit von Pröger aus kurzer Distanz das Ziel. Die größte Gelegenheit zum 0:1 hatte Mohamed Dräger nach 37 Minuten, als er freistehend an Reimann scheiterte. So ging es torlos in die Pause.

Alles wieder offen

Wie in Hälfte eins, waren die Ostwestfalen auch nach Wiederanpfiff nicht sofort wach. Es war noch keine Minute gespielt, da lag der Ball schon im Tor von Zingerle, doch Schiedsrichter Bastian Dankert aus Rostock erkannte den Treffer von Okugawa wegen Abseits nicht an.

Sekunden später alles korrekt, wieder hieß der Schütze Okugawa und diesmal durfte er auch jubeln. Die Holstein-Fans samt derer auf der erstmals in Betrieb genommenen neuen Tribüne waren aus dem Häuschen. Doch der Kieler Vorsprung hielt nur zehn Minuten, dann versenkte Pröger die Kugel nach einer Klement-Ecke volley zum Ausgleich.

Es war das dritte Tor des Winter-Neuzugangs und alles wieder offen. In der 65. Minute hatte Michel sogar die Führung für die Gäste auf dem Fuß, bekam den Ball nach einem gehaltenen Klement-Schuss aber nicht unter Kontrolle.

In der 76. Minute setzte er einen Kopfball knapp daneben, bevor Sekunden danach auf der Gegenseite der eingewechselte Janni Luca Serra nach einem Versuch des ebenfalls neu gekommenen Kingsley Schindler einen Schritt zu spät kam. Besser machte es Christopher Antwi-Adjei, der mit einem wunderschönen Schlenzer in der 82. Minute das verdiente Siegtor erzielte.

Kiels Trainer Tim Walter: »Ich habe ein sehr gutes Spiel gesehen mit einem glücklichen Sieger. Wenn wir unsere Chancen genutzt hätten, wären wir als Sieger vom Platz  gegangen. Die Gegentore haben wir uns selbst eingeschenkt.«

Paderborns Trainer Steffen Baumgart war mit der Leistung seinens Teams zufrieden: »Das war ein sehr gutes Spiel von beiden Mannschaften. In der ersten Hälfte waren wir im Spiel nach vorne zu unruhig und hinten hatten wir das Quäntchen Glück. Nach dem Schlafwagenauftakt in Hälfte zwei haben es die Jungs dann aber sehr, sehr gut gemacht.«

Statistik

Holstein Kiel: Reimann - Dehm, Schmidt, Wahl, van den Bergh - Meffert (71. Karazor) - Mühling, Benes - Lee (74. Serra) - Okugawa, Honsak (66. Schindler)

SC Paderborn: Zingerle - Dräger, Schonlau, Hünemeier, Collins - Vasiliadis - Pröger (79. Tekpetey), Klement, Antwi-Adjei – Gueye (71. Zolinski), Michel (86. Gjasula)

Zuschauer: 13.929

Schiedsrichter: Dankert (Rostock)

Tore: 1:0 Okugawa (47.), 1:1 Pröger (57.), 1:2 Antwi-Adjei (82.)

Gelbe Karten: Karazor / Hünemeier

Kommentare

Erwartungshaltung

Große Vereine gehen seit Jahrzehnten den Bach runter. Sie scheitern an ihren Ansprüchen.

Wenn Vereine und Fans eine gesunde Selbsteinschätzung verlieren, wird es LEBENSBEDROHLICH für Vereine. Gesunde Ziele sind ok. In der Jugend sagt man oft, man will besser sein als im Vorjahr. Aber geht das immer für alle gleichzeitig?

Unzufriedenheit schafft schlechte Stimmung. Ob beim Publikum oder den Spielern. Und das führt zu fatalen Entscheidungen.

Ich habe gester eine interessante Statistik gelesen:

Schalke und Nürnberg haben seit 1963 die meisten Trainer.
Zwei Alt- bzw Serienmeister, deren Anspruchsdenken zu hoch wurde, Unzufriedenheit so zu Trainerwechseln führten und (quasi) keine Meisterschaft mehr errungen wurde.

Es folgen in der (Erfolgs-)Geschichte der meisten Trainerentlassungen der Bundesliga Hannover, Stuttgart und Düsseldorf.

Das Beispiel für Abwesenheit von Selbstüberschätzung,  ökonomische Vernunft und vergleichbar viel Erfolg ist der SC Freiburg, der mit Trainern tatsächlich sogar in den Abstieg geht und wieder kommt, ohne Geld für Aktionismus zu verschleudern.

Vorstände denken aber: "Wir wollen uns nicht nachsagen lassen, nichts getan zu haben." Viel öfter werden sie wohl später denken: "Hätten wir das mal besser gelassen."

Sportliche Erfolge dürfen nicht als "normal" angesehen werden. Es gibt eine Wellenbewegung. Und darum ist Mißerfolg manchmal einfach nur "normal" und keine Folge schlechter (Trainer-)Arbeit.

Unsere schlimmste Zeit als SCP war jedenfalls 2015-2017. Wie viele Trainer hatten wir da nochmal? Was hat es gebracht? Und wieviel hat es gekostet???

Wäre mit fünf Transfererlösen nicht aufzuwiegen

Eine Aufstieg ist möglich. Unser und der Trend der anderen sprechen für uns. Dazu wurde jeder direkte Konkurrent geschlagen - der HSV fehlt noch...

Wichtig wäre, die Fehler von vor 5 Jahren nicht zu wiederholen. Keine Rafas oder Ducksch' aus "anderen Regalen" holen und der Linie treu bleiben. Das Kollektiv muss funktionieren. Über Einzelspieler werden wir mit anderen Vereinen nie mithalten können.

Dazu Entschuldigung, Rücklage und Investition ins eine Handvoll Talente.

Und vielleicht in den Stafionausbau...

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