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Di., 23.04.2019

Nach dem 2:1 in Kiel kann der SC Paderborn ohne fremde Hilfe direkt aufsteigen Jetzt haben sie es selbst in der Hand

Sekunden nach dem Ausgleich: Kai Pröger bejubelt seinen Treffer mit einem Überschlag. Später gewann der SC Paderborn in Kiel sogar noch mit 2:1.

Sekunden nach dem Ausgleich: Kai Pröger bejubelt seinen Treffer mit einem Überschlag. Später gewann der SC Paderborn in Kiel sogar noch mit 2:1. Foto: dpa

Von Peter Klute

Kiel (WB). Normalerweise ist Steffen Baumgart nicht der Typ, der Trainerkollegen widerspricht. Am Samstag, nach dem 2:1 (0:0)-Sieg des SC Paderborn bei Holstein Kiel, war das aber ganz anders.

»Ich habe da eine völlig andere Wahrnehmung. Was haben wir denn alles verballert? Meine Jungs haben das heute sehr, sehr gut gemacht und dafür mehr Respekt verdient«, sagte Baumgart mit einem Seitenhieb in Richtung Tim Walter. Kiels Coach hatte in der Pressekonferenz zuvor erklärt: »Wir haben ein sehr gutes Spiel mit einem glücklichen Sieger gesehen. Hätten wir unsere Chancen genutzt, hätten wir den Platz als Sieger verlassen.«

Diese Ansicht hatte er exklusiv. Dass die knapp 14.000 Zuschauer aber bei der Premiere der neuen Osttribüne im Holsteinstadion ein hochklassiges Zweitligaspiel gesehen hatten, darin waren sich alle einig. »Beide Mannschaften haben ihre Ideen umgesetzt, ohne Rücksicht auf Verluste«, sagte Baumgart. Manager Markus Krösche sah gar »ein herausragendes Spiel beider Mannschaften«, vom SCP »eine nahezu perfekte Leistung und das Beste, was ich seit vielen Jahren von einer Paderborner Mannschaft gesehen habe. Für diese Leistung muss man ihr ein großes Lob zollen.«

Keine Kampfansage

Und der reife Auftritt an der Ostsee blieb nicht ohne Belohnung. Der Aufsteiger sprang auf Platz drei und hat den Durchmarsch jetzt in eigener Hand. Vier Siege in den verbleibenden vier Partien und Paderborn ist mindestens Zweiter – die Worte 1. Bundesliga und Aufstieg meiden die Offiziellen aber weiterhin. »Nächste Woche haben wir wieder ein Spiel, und das wird genauso intensiv. Mehr nicht. Wir sollten den Sieg hier und das, was die Mannschaft gezeigt hat, einfach mal ein bisschen genießen«,

sagte Baumgart. Auch von Krösche gibt es weiterhin keine Kampfansage: »Wir werden unsere Ziele nicht verändern. Wir haben das erste von fünf Endspielen gewonnen und jetzt kommt Heidenheim.« Auf die Frage, was passiert, wenn der SCP noch viermal so spielt wie in Kiel, sagte er: »Dann werden wir noch oft gewinnen.«

Nein, die SCP-Verantwortlichen lassen sich nicht locken und geben ihre Einstellung auch an das kickende Personal weiter. »Wir halten den Ball flach und schauen von Woche zu Woche. Wenn wir Heidenheim besiegt haben, sehen wir weiter. Bis dahin gibt es von mir dazu keinen Kommentar«, sagte Christopher Antwi-Adjei. Nur einer hielt sich diesmal nicht an die »Vorgaben«. »Jetzt sind wir ganz tief drin im Aufstiegskampf und wollen uns da oben festsetzen«, erklärte Kai Pröger. Wenn das mal keinen Ärger gibt.

Torlose erster Hälfte

Eben Pröger und Antwi-Adjei waren es, die die Paderborner Aufstiegsträume am Karsamstag mit ihren Toren massiv beschleunigten. Nach torloser erster Hälfte glich Pröger den Rückstand durch Masaya Okugawa (47.) zehn Minuten später per Volleyabnahme aus. Vorausgegangen war eine Ecke von Philipp Klement, der das dritte Saisontor des Winterzugangs vorher angekündigt hatte. »Philipp hat mir prophezeit, dass ich heute treffe und es mir unter den Schuh geschrieben«, verriet Pröger. Als Antwi-Adjei acht Minuten vor dem Ende mit dem Siegtreffer nachlegte, war die Partie endgültig gedreht. »Wir hatten auch das nötige Quäntchen Glück, als Okugawa gleich am Anfang Leo Zingerle aus kurzer Distanz anschießt. Wir haben beide Hälften im Schlafwagenmodus begonnen, doch dann waren wir richtig stark«, lautete Baumgarts Fazit.

Dass seine Mannschaft der verdiente Gewinner war, daran gab es eigentlich keinen Zweifel – außer bei Tim Walter. Wie tief Baumgart von der eingangs erwähnten Analyse seines Gegenüber getroffen war, zeigt dieser Satz: »Wir müssen uns immer fragen, wo wir herkommen, aber mit der Erfahrung von zwei weiteren Jahren geht dieses Spiel nicht nur 2:1 für uns aus.« Aber auch ohne diese Erfahrung ist Paderborn mehr denn je ein heißer Anwärter auf die 1. Liga.

SCP in neuen Kleidern

Schwarze Hose, schwarze Stutzen, rotes Trikot: So war der SC Paderborn noch nie aufgelaufen und diese Farbkombination wählten die Gäste auch nicht freiwillig. »Wir wollten in Schwarz spielen, doch das hat der DFB nicht erlaubt, weil Kiel blaue Trikots hat und in unseren Hemden ein kleiner Blauanteil enthalten ist. Rot ging auch nicht, weil Holstein rote Socken trägt«, klärte Paderborns Teammanager Ole Siegel nach Abpfiff auf. So kam es zu dieser ungewöhnlichen Kombination, die Glück brachte. »Vielleicht spielen wir den Rest der Saison jetzt so durch«, sagte Siegel mit einem Grinsen.

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