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Sa., 11.05.2019

Paderborn will in die Bundesliga Jetzt geht es nur noch um den letzten Schritt

Der SCP spielte im Viertelfinale gegen den HSV.

Der SCP spielte im Viertelfinale gegen den HSV. Foto: Jörn Hannemann

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Vor dem letzten Zweitliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV (Sonntag, 15.30 Uhr) ist für Steffen Baumgart plötzlich Schluss mit der »Rumeierei«. Der Trainer des SC Paderborn bläst zur Attacke und sagt: »Jetzt mal Butter bei die Fische: Wir wollen aufsteigen!«

Der Zweite gegen den Vierten – und das am vorletzten Spieltag: Paderborn fiebert dem Aufstiegs-Gipfel entgegen. Die Arena ist mit 15.000 Besuchern längst ausverkauft und auch den 47-Jährigen hat das Fieber gepackt. Baumgart, der das Wort »Aufstieg« monatelang aus seinem Sprachgebrauch gestrichen hatte, sendete in der Abschlusspressekonferenz zum ersten Mal in dieser Saison öffentlich sehr deutliche Signale: »So kurz vor Saisonende geht es nur noch darum, den letzten Schritt zu setzen. Das heißt für mich offenes Visier und voll nach vorne – ohne dabei den Spaß am Fußball zu verlieren.«

Erst der HSV und dann bei Dynamo Dresden – so sieht der (Aufstiegs-)Fahrplan bis zum 19. Mai aus. Aber schon die erste Etappe wird schwer. In zwei Pflichtspielen (Hinrunde und Pokal) unterlag der SCP bereits gegen das Team von der Elbe und schoss dabei kein Tor. Im dritten Anlauf soll es nun klappen. »Wir haben zweimal verloren, aber nur Kleinigkeiten falsch gemacht, die der HSV brutal ausgenutzt hat«, sagt Baumgart und nennt konkret, was falsch lief: »Bei Standards müssen wir besser aufpassen, unsere Chancen konsequent nutzen.«

Die Rollen sind klar verteilt

Wobei die Rollen am Sonntag eigentlich klar verteilt sind: Der SC Paderborn trifft als das heimstärkste Team der 2. Liga (neun Siege, sechs Remis, eine Niederlage) auf die mit 16 Punkten nach 15 Spieltagen drittschlechteste Rückrundenmannschaft. »Ich schaue nicht auf den Trend, nur auf die Fakten. Mit dem HSV kommt ein Branchenriese. Das dürfen wir nicht vergessen«, warnt Manager Markus Krösche.

Dennoch steht der Wintermeister aus Hamburg gewaltig unter Druck und muss in Paderborn dreifach punkten, wenn nach 34 Spieltagen wenigstens noch Relegationsrang drei erreicht werden soll. Gelingt das nicht, liegt beim ehemaligen Bundesliga-Dino die zweite Saison in Folge in Trümmern. HSV-Trainer Hannes Wolf versucht diesen (Aufstiegs-)Druck in neue Energie zu verwandeln, wenn er sagt: »Wir hatten gefühlt viel zu verlieren, jetzt nichts mehr. Keiner rechnet mehr mit uns. Also können wir jetzt viel gewinnen. Das kann eine Chance sein.«

Die zu nutzen ist das Ziel – und da sollen zwei Routiniers helfen: Pierre-Michel Lasogga und Aaron Hunt (seit Mittwoch wieder im Training) werden wohl in die Startelf zurückkehren. Mit den teuren Stars, die nach einem Bericht des »Hamburger Abendblattes« in den vergangenen fünf Jahren rund 28 Millionen Euro Gehalt kassiert haben sollen, verbindet der HSV seine Hoffnungen, ein anderer Strohhalm ist die Statistik. »Wir haben Paderborn in dieser Saison schon zweimal geschlagen«, betont Trainer Hannes Wolf bei jeder Gelegenheit.

Keine personellen Sorgen

Wenn es nach Krösche geht, muss dem HSV auch noch ein drittes Mal ein Sieg gelingen, wenn er noch aufsteigen will. Denn Paderborns Sportchef ist überzeugt: »Hamburg reicht ein Remis nicht. Je länger das Spiel dauert, desto besser für uns. Der HSV wird irgendwann zwangsläufig das Risiko erhöhen und spätestens dann kommt unsere Chance.«

Ob man nach der 0:3-Pleite gegen Ingolstadt die beiden Siege gegen Paderborn als gutes Omen heranziehen könne, wurde Wolf am Freitag gefragt: »Das sehen wir nach dem Spiel. Paderborn liegt nach 32 Spieltagen auch nur einen Punkt vor uns. Auch wenn sie eine tolle Saison spielen.«

Das kann man über den sechsmaligen Meister nicht sagen. Der HSV muss liefern, die Last liegt besonders auf den Gästen, auch wenn Baumgart da eine etwas andere Sichtweise hat: »Jeder Wettkampf ist Druck, weil man seine Ziele erreichen will. Wir wollen am Sonntag auch als Sieger den Platz verlassen. Deshalb ist die Situation für meine Jungs keine andere.«

Personell hat Baumgart keine Sorgen, auch Sven Michel (Platzwunde am Kopf) ist fit. Daher wird er im Vergleich zum 0:2 in Bielefeld wohl höchstens auf einer Position etwas ändern. Der zuletzt unglücklich agierende Babacar Gueye steht auf der Kippe. Für ihn könnte Ben Zolinski stürmen.

So steigt der SC Paderborn auf M

Die Rechnung ist ganz einfach: Nur wenn der SC Paderborn (54 Punkte) am Sonntag (15.30 Uhr) den Hamburger SV (53) schlägt und zeitgleich Union Berlin (53) das Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg verliert, ist das Team von Trainer Steffen Baumgart aufgestiegen. Holt der SCP einen Dreier und im Ostduell gibt es keinen Sieger, würde der SCP mit einem mindestens um acht Tore besseren Torverhältnis in den letzten Spieltag gehen. Das wäre ein deutlicher Vorteil, eine Entscheidung aber nicht.

Was im Fußball alles passieren kann, haben die Halbfinals der Champions League sehr eindrucksvoll belegt, und so sieht es auch Baumgart: »So lange rechnerisch noch irgendetwas in irgendeiner Richtung möglich wäre, würden wir nicht einmal eine Flasche öffnen.« Sollte Paderborn nicht punkten, könnte das Team zwar bis auf Rang vier zurückfallen, hätte aber immer noch Aufstiegschancen. Wenn auch deutlich schlechtere.

 

Kommentare

Keine Prognose

Am Ende werden Kleinigkeiten entscheiden. Geht ein Ball an den Pfosten oder rein? Nimmt der Linienrichter die Fahne hoch oder nicht? Und so weiter.

Klar, von der Ausgangslage könnte man viel FÜR de SCP ins Land führen: Heimspiel, Vorteil bei Punkten und Toren, Drucksituation, Angst des HSV vor der letzten Chance... Aber die Vergangenheit zeigt, dass solche Vorzeichen (auch gerne Verletzungen oder Sperren) nichts aussagen. Das haben wir im Derby erlebt. Der BVB übrigens auch...

Nur eins ist klar: wenn die Vereinsführung sich wieder für eine Feier in "Dreiers Wohnzimmer" entscheidet, ist denen nicht mehr zu helfen. Im letzten Jahr hab e ich deshalb meine Mitgliedschaft gekündigt. Und ich war lange dabei. Das selbe gilt für meine Heimspielbilanz: 15 Jahre kein verpasstes Heimspiel - bis vor einem Jahr!

Was wäre sonst zu sagen: Krösche wird wohl gehen - aber so, wie es jetzt ist, kann es auch nicht weiter gehen mit den wöchentlichen Gerüchten.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass für die Existenzsicherung die Schulden weg müssen. Sportlich darf man nie wieder die Fehler von 2015-2017 wiederholen: "andere Regale" und ständige Trainerwechsel. Das Vorbild kann nur "Freiburg" heißen!

Schönes Wochenende!

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