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Sa., 18.05.2019

SCP oder Union – wer feiert den Aufstieg? Alle Fakten zum Showdown                         Vor dem großen Wurf

SCP-Trainer Steffen Baumgart.

SCP-Trainer Steffen Baumgart. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein und Elmar Neumann

Paderborn/Berlin (WB). Es ist angerichtet: Feiert der SC Paderborn 07 nach dem 11. Mai 2014 am Sonntag zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte den Erstligaaufstieg? Die Vorzeichen, den sensationellen Durchmarsch von Liga drei in Liga eins perfekt zu machen, stehen gut. Vor dem finalen Fernduell mit Union Berlin hat das WESTFALEN-BLATT die Fakten zusammengefasst.

Die Ausgangslage

Es spricht sehr viel für einen erneuten Aufstieg des Aufsteigers: Wenn der SCP in Dresden gewinnt, ist das Erstliga-Comeback nach vierjähriger Ab­stinenz perfekt. Sollte Union in Bochum nicht siegen, dürfte sich der SCP wegen der um sieben Treffer besseren Tordifferenz sogar eine 0:6-Niederlage erlauben.

Rein theoretisch könnten die Eisernen Rang drei noch an den HSV verlieren, aber bei der um drei Punkte und 21 Tore besseren Bilanz würden wohl selbst die Sturmlegenden Uwe Seeler und Horst Hrubesch die Hamburger nicht mehr in Reichweite schießen.

Die Vorbereitung

Nach einem trainingsfreien Tag für den SCP (Dienstag) und zwei trainingsfreien Tagen für die Eisernen (Montag, Dienstag) schnuppern die beiden potenziellen Erstligisten schon in der Vorbereitung Höhenluft. Wie die Berliner ihre Anreise nach Bochum legen auch die Paderborner den Weg nach Dresden im Charterflieger zurück. Während der Tabellendritte bereits am Freitagnachmittag abgehoben ist, hebt der Pilot des SCP-Fliegers erst am Samstag um 15 Uhr ab.

Der Rückflug erfolgt am Sonntagabend um 20 Uhr. Die Planung ist aber nicht auf eine möglichst lange Aufstiegsfeier, sondern auf eine eventuelle Teilnahme an der Relegation ausgerichtet. Sollte der Zweite noch Dritter werden, stünde Donnerstag das Hinspiel an und Steffen Baumgart würde die Seinen am Montagnachmittag wieder zum Training bitten.

Das sagen die Trainer

Nach den Siegen in den Topspielen beim 1. FC Köln, beim 1. FC Union und in Kiel sieht SCP-Coach Steffen Baumgart sein Team auch für die gefürchtete Atmosphäre in der fast ausverkauften Dresdner Arena gewappnet: »Das ist eine geile Herausforderung, aber die Jungs werden bereit sein, um 90 Minuten durchs Feuer zu gehen.«

Sein Berliner Pendant Urs Fischer blickt mit reichlich Respekt auf die Aufgabe in Bochum: »Auch wenn es für den VfL nicht mehr um viel geht, bin ich sicher, dass sich die Bochumer mit einem positiven Resultat von ihren Fans verabschieden wollen. Wir werden eine Topleistung benötigen.«

Die Stimmung

Die SCP-Anhänger sind in Feierlaune. Bis Freitag hatten bereits etwas mehr als 2100 Fans Karten gekauft, aber damit das Paderborner Kontingent von 2900 Tickets noch nicht ganz ausgeschöpft. Für Kurzentschlossne öffnet in Dresden noch die Tageskasse. In Berlin ist die Vorfreude auf das Saisonfinale riesig.

5100 (!) Union-Treue werden nach Bochum reisen und füllen damit die gesamte Westtribüne. Die Tageskassen bleiben dort aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Bochumer wollen verhindern, dass die Berliner auch Bochumer Blöcke belegen. In Berlin wird es an der »Alten Försterei« ein Public-Viewing geben, zu dem ebenfalls mehrere tausend Unioner erwartet werden.

Die Schlüsselspieler

Sebastian Schonlau im Abwehrzentrum, Spielmacher Philipp Klement und Allrounder Sebastian Vasiliadis – dieses Trio bestimmt das SCP-Spiel. Schonlau besticht durch Zweikampfstärke und Spielaufbau, Klement ist der Ideengeber und Spezialist für den ruhenden Ball und Vasiliadis ist der perfekte Teamspieler, ob als zweikampfstarker Abräumer oder torgefährliche zweite Spitze.

Die Berliner bauen derweil vor allem auf den doppelten Sebastian. Der Schwede Sebastian Andersson (12 Treffer) und Sturmkollege Sebastian Polter (9) sind zwei Schlüssel im Union-Spiel.

Die Formkurve

Sechs Siege und ein Remis bei 20:8 Toren in den vergangenen acht Spielen: Die Bilanz der Paderborner ist beeindruckend. Was noch ein wenig schmerzt, ist die 0:2-Niederlage im vergangenen Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld. Wobei die Schmerzen nur noch minimal sind. Schließlich folgte auf das Derby die 4:1-Gala gegen den Hamburger SV.

Bei den Berlinern hatte die 1:3-Heimpleite gegen den SC Paderborn deutliche Spuren hinterlassen. In den folgen sechs Spielen siegte Union nur noch zweimal, spielte dreimal Remis und verlor am drittletzten Spieltag mit 1:2 beim SV Darmstadt 98. Das jüngste 3:0 gegen Magdeburg hat aber wieder für beste Laune gesorgt.

Der Marktwert

Laut »transfermarkt.de« ist der Kader der Eisernen gut 35 Prozent wertvoller als der des SCP. Mit 23,25 zu 17,0 Millionen Euro entscheiden die Berliner dieses Duell für sich. Zum Vergleich: Der auf den Relegationsgegner wartende VfB Stuttgart liegt bei 160 Millionen Euro Marktwert.

Die beiden teuersten Akteure der Fernduellanten nehmen sich auf den ersten Blick nichts: Sowohl Paderborns Stratege Philipp Klement (26) als auch Unions Rechtsaußen Carlos Mané (25) werden auf 2,5 Millionen Euro taxiert – und doch gibt es einen großen Unterschied: Während der Portugiese, für den vor vier Jahren noch 8,0 Millionen aufgerufen wurden – stetig im Wert fällt, zeigt Klements Kurve steil nach oben. Er wurde vor vier Jahren auf 100.000 Euro geschätzt.

Die Finanzverhältnisse

Auf wirtschaftlicher Ebene ist es ein ungleiches Duell. Nach dem Aufstieg in die 2. Liga ist der SCP mit einem Gesamtbudget von 17 Millionen Euro in diese Saison gegangen. Für die Lizenzspielerabteilung durfte Manager Markus Krösche davon aber nur knapp sieben Millionen Euro ausgeben.

Die Köpenicker hatten 16,325 Millionen Euro zur Verfügung und damit 130 Prozent mehr als der SCP. Für die laufende Saison 2018/2019 rechnet Union mit Einnahmen von 47 Millionen Euro. Das wiederum sind schon etwa sieben Millionen Euro mehr, als die Paderborner in der ersten Liga erwarten würden.

Das sagen die Gegner

Dresdens Kapitän Marco Hartmann sieht nach der jüngsten 0:3-Pleite in Kiel das letzte Saisonspiel als echten Charaktertest und große Herausforderung: »Paderborn wird genauso gut sein wie Kiel, die werden nach vorne richtig Ballett machen.« Um da zu bestehen, müsse Dynamo noch einmal an die Schmerzgrenze gehen, »um den Leuten – und uns vor allem – einen schönen Abschluss zu geben«. Patrick Möschl ergänzt: »Wir spielen zu Hause vor ausverkauftem Haus. Da kommen 30.000 zum letzten Spiel, bevor es in die Sommerpause geht. Wenn man sich da motivieren muss, hat man wohl den falschen Beruf.«

Die Ankündigungen aus Bochum klingen aus Paderborner Sicht sehr vielversprechend: »Gegen Union Berlin werden wir alles raushauen. Wir wollen nicht, dass ein Gast im Ruhrstadion den Aufstieg feiert«, sagt VfL-Mittelfeldspieler Thomas Eisfeld.

Die Partypläne

Der SCP plant offiziell nichts, die Stadt Paderborn schon. Am Montag um 17 Uhr soll die große Aufstiegssause beginnen, die Mannschaft würde gegen 18 Uhr erwartet und zunächst von Bürgermeister Michael Dreier empfangen. Nach dem obligatorischen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt soll Stadionsprecher Jürgen Lutter den Kader von 19 Uhr an auf einer großen Bühne vor dem Rathaus präsentieren. Dazu werden bis zu 15.000 Fans erwartet.

Der Blick nach Berlin: Für das Public-Viewing am Sonntag wird auf dem Parkplatz vor dem Stadion ein Biergarten aufgebaut, der die Hauptstädter schon mal in Stimmung bringen soll. Geschaut werden kann die Partie gegen Bochum dort auf zwei Großbildleinwänden. Der Eintritt ist frei.

Die Geschichte

Paderborn spielte bereits einmal 1. Liga (Saison 2014/2015) und kann auf insgesamt elf Zweitligajahre blicken. Dem Vorgängerverein TuS Schloß Neuhaus (1982/83) folgte der SCP von 2005 bis 2008, von 2009 bis 2014 sowie 2015/2016 und in der laufenden Saison. Außerdem zog der Verein zuletzt zweimal ins DFB-Pokal-Viertelfinale ein (2018, 2019).

Die Unioner spielten noch nie in der 1. Bundesliga, sind aber im 13. Jahr ein Zweitligist, die aktuelle Saison ist schon die zehnte in Folge. Die größten Erfolge der Eisernen: der Gewinn des nationalen Pokals der DDR 1968 und das Erreichen des DFB-Pokalfinales 2001.

Kommentare

Der letzte Schritt

Die Entwicklung ab Ostern 2017 bis heute ist sensationell.Was akribisches Managen und Couchen ausmacht .
Die Mannschaft ist auch willig .
Ihr habt die Hand an der Tür zur 1. Liga ,ihr müsst sie nur Aufstoßen. Ruhe bewahren und dem Gegner euer Spiel aufzwingen.

Viel Glück und Können dabei aus Bielefeld .

1 Kommentare

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