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Fr., 07.06.2019

»Identitätsverlust« sagen die einen, willkommene »Hilfe« die anderen SCP-Anhänger Kooperation mit RB spaltet Fanlager

Einig auf der Tribüne, uneinig beim Thema Zusammenarbeit mit RB Leipzig: Die Paderborner Fans geben im Moment kein »erstklassiges Bild« ab.

Einig auf der Tribüne, uneinig beim Thema Zusammenarbeit mit RB Leipzig: Die Paderborner Fans geben im Moment kein »erstklassiges Bild« ab. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Die Kooperation mit RB Leipzig spaltet beim SC Paderborn offensichtlich die Fanlager. Nach Boykottaufruf und Protest-Plakat formiert sich nun eine Gegenbewegung. Ihre Kernaussage ist eine ganz andere: »Wir freuen uns über die Hilfe eines erfolgreichen Vereins.«

Einer, der den Andersdenkenden ein Gesicht gibt, ist Jürgen Patzer. Der 51-Jährige ist Vorsitzender des Fanklubs »Blau Schwarzer Sektor«, den er 2012 auch mitgegründet hat. Er sagt: »Zum Boykott rufen nur die Ultras auf. Das ist einer kleiner Haufen mit höchstens 500 Mitgliedern. Die überwiegende Zahl unserer Fanklubs des SCP vertritt eine völlig andere Meinung.«

Patzer machte im Aufstiegskampf des SCP als wohl größter Fan der Ostwestfalen Schlagzeilen. Jeder Raum in seiner Wohnung erstrahlt in Blau und Schwarz und mit mehr als 3000 Klub-Logos oder Schriftzügen. Ihn ärgert besonders, dass deutschlandweit der Eindruck entstanden ist, dass sich die komplette Anhängerschaft der Paderborner gegen eine Zusammenarbeit mit den Sachsen wehrt: »Wir stehen dem aufgeschlossen gegenüber. Wir leihen uns auch Spieler wie zum Beispiel Mo Dräger vom SC Freiburg aus – warum nicht auch aus Leipzig? Für mich macht das keinen Unterschied.«

»Katastrophalen PR-Arbeit«

In einer öffentlichen Erklärung hatten am Mittwoch wie berichtet sechs Fanklubs zum Boykott der SCP-Spiele in der neuen Saison aufgerufen. Etwaige Vorteile würden »durch den Verlust der Seele und Identität des bodenständigen Fußballvereins teuer erkauft«, schrieben die Unterzeichner in einem offenen Brief. »Mit einem Konstrukt, in dem diese Werte mit Füßen getreten werden, kann keine Partnerschaft eingegangen werden. Dass ist eine Entscheidung, die das Wesen und das Erscheinungsbild des Vereins für immer verändern wird. (...) In den Medien werden wir als ›Leipzig-Filiale‹ oder ›Farmteam‹ zu Recht verschmäht«, heißt es in der Stellungnahme.

Am Donnerstag legte die mittlerweile von sechs auf acht Fanklubs angewachsene Opposition nach. In einem Update der Erklärung vom Vortag heißt es unter anderem: »Mit einer katastrophalen PR-Arbeit hat man es in kürzester Zeit geschafft, sein Fanlager zu spalten und ganz Deutschland gegen unseren SCP aufzuhetzen. Im Fortlauf wird von Seiten des Vereins die Aktion zunehmend als gängige sportliche Praxis kleingeredet und beschwichtigt.« Und: »Wir sind uns einig: Eine Kooperation mit RB bedeutet auf kurz oder lang einen Verlust der eigenen Identität und der Reputation. Das ist für uns untragbar und dem stellen wir uns entschieden entgegen!«

»Wir wollen da auch mitreden«

Diese Fangruppierung versucht nun, sich auf eine breite Basis zu stellen und hat eine Petition verfasst. In diesem Ersuchen soll die SCP-Führung mit Nachdruck aufgefordert werden, auf eine Zusammenarbeit mit RB Leipzig in jeglicher Form zu verzichten. »Wir wurden auch aufgefordert, da zu unterschreiben. Wir lehnen das natürlich ab«, sagt Patzer.

Zwei konkrete Forderungen stellt allerdings auch er in Richtung Präsidium: »Wenn eines Tages unser Verein nicht mehr SC, sondern Red Bull Paderborn heißt, dann bin ich raus.« Da lässt Patzer nicht mit sich reden. Mitreden will er aber Ende Juni. Die von der SCP-Führung angekündigte Gesprächsrunde mit der Fanszene an einem geheimen Ort betrifft nur die Organisatoren des Boykott-Aufrufs. »Dieser sture Kindergarten wird eingeladen, wir nicht. Wir wollen da auch mitreden«, beklagt Patzer.

Der SC Paderborn hatte, wie berichtet, mit einer Stellungnahme auf der Vereinshomepage noch am Mittwochabend auf die Kritik der Anhänger reagiert und »von einem Know-how-Transfer in beide Richtungen« geschrieben, »der letztlich beiden Klubs hilft«. Dieser Austausch zwischen Bundesliga-Klubs sei »völlig üblich« und würde »in vielen Bereichen stattfinden«.

Abschließend folgt ein Versprechen seitens des SCP, das in Zukunft gewiss immer wieder ganz genau überprüft werden wird: »Die Integrität des Wettbewerbes und die Rivalität in der Liga«, heißt es in der Stellungnahme des Klubs, »werden davon in keinster Weise beeinträchtigt«.

Kommentare

Gut so Herr Patzer. Ich hoffe Sie schreiben auch alle Fanclubs an, wie es die sog. aktive Fanszene macht, und bitten um Unterschritfür ihre Gegenbewegung " Pro Koop", ich denke da kommen mehr als 8 Unterschriften zusammen, da die Masse der wahren SCP Fans die Koopidee erstmal positiv sieht. Leider waren die paar Dauernörgler der SCP Fans medial einfach schneller und nur deswegen kommt der Verdacht alle wären gegen die Koop

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