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Mi., 12.06.2019

Petitions-Verfasser Dr. Jan Fischer fürchtet aber, dass es für eine Abwendung zu spät ist »Wer mit RB kooperiert, verliert«

Petitions-Verfasser Dr. Jan Fischer besucht jedes Heimspiel des SC Paderborn. Im Foto gezeigt werden möchte er nicht.

Petitions-Verfasser Dr. Jan Fischer besucht jedes Heimspiel des SC Paderborn. Im Foto gezeigt werden möchte er nicht. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB). Mit der Online-Petition einiger Anhänger an Pfingsten haben die Diskussionen über die Kooperation des SC Paderborn mit RB Leipzig ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Verfasser ist Dr. Jan Fischer, ein Zahnarzt aus Arnsberg. Der gebürtige Mindener war früher in Paderborn tätig. Im Interview mit Peter Klute nimmt der 53-Jährige, der mit etwa 15 Freunden jedes SCP-Heimspiel in Block P verfolgt, Stellung zu seiner Aktion.

Herr Dr. Fischer, das Sammelziel ihrer Petition mit 2000 Unterschriften wurde bereits am Dienstagmorgen erreicht und auf 2500 erhöht. Wie sehr überrascht Sie die große Unterstützung und warum haben Sie die Zahl 2000 gewählt?

Dr. Jan Fischer: Ich war und bin sehr überrascht. Auch darüber, welche Dynamik unsere Aktion in den Medien bekommen hat. Ich wäre schon über 500 Unterschriften froh gewesen. Ich wollte etwas Messbares, damit der Verein ins Nachdenken kommt.

Wie gehen Sie weiter vor?

Fischer: Noch bevor es das Treffen von Wirtschaftsrat und Fans Ende Juni gibt, werde ich ein Fazit ziehen und mich dann direkt an die Vereinsführung wenden. Ich hoffe, dass die Kooperation noch abwendbar ist, fürchte aber, dass es zu spät ist.

Auch weil Präsident Elmar Volkmann dieser Zeitung gegenüber betont hat, der Vertrag sei unterschrieben und dabei bliebe es, wenn es keine ganz neuen Erkenntnisse gebe?

Fischer: Ja. Wobei ich denke, dass es möglich wäre, den einen oder anderen Punkt neu zu formulieren oder nachzuverhandeln. Am liebsten aber würde ich die Kooperation ganz stoppen und setze darauf, dass der Verein vielleicht doch noch kalte Füße bekommt, eine Erstligasaison in einem toten und seelenleeren Stadion spielen zu müssen.

Sie gehen also davon aus, dass viele Anhänger austreten und die Spiele boykottieren, falls die Kooperation bestehen bleibt? Welche Konsequenzen werden Sie selbst ziehen?

Fischer: Das weiß ich noch nicht. Ich habe ja damit gedroht, dass wir den Verein nicht mehr unterstützen werden und unsere Mitgliedschaft sowie Dauerkarten kündigen, aber es könnte sein, dass wir in der kommenden Saison unseren Protest erst einmal noch ins Stadion tragen. Irgendwann werden wir das dann aber nicht mehr machen. Wie angekündigt, wird es sicher einen großen Fanschwund geben, aber da der SCP in der 1. Liga spielt, wird die Arena auch so voll sein.

Warum haben Sie sich mit ihren Freunden überhaupt zu dieser Unterschriftenaktion entschlossen?

Fischer: Rein sachlich muss man feststellen, dass wir Fans vor einer Woche quasi über Nacht vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Bei mir herrschte bis dahin eine totale Euphorie darüber, dass mein Verein sich durch den Aufstieg aus eigenem Antrieb sportlich wieder für eine der besten Ligen der Welt qualifiziert hat. Das war für mich märchenhaft und ich war glücklich. Das hat sich durch die Nachricht der Kooperation mit RB Leipzig schlagartig geändert. Ich sehe das Konstrukt RB ausgesprochen kritisch und bin unglücklich darüber, dass der SC Paderborn ein Teil davon wird. Ohne Kommunikation mit den Fans und ohne, mit dieser Absicht vorher an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Aber ich kann auch das Verhalten einiger Anhänger nicht verstehen, die mich beispielsweise als Selbstdarsteller anfeinden.

Was sagen Sie denen?

Fischer: Dass es nicht um mich oder eine Verunglimpfung geht, sondern um den SC Paderborn. Ich möchte nicht im Vordergrund stehen und als Kopf unserer Gruppe auftreten, sondern nur meine Meinung und die meiner Freunde in Block P vertreten. Wir sind normale Fans, nicht mehr und nicht weniger. Es geht hier nicht um Gruppierungen, Gegnerschaften oder eine Anti-Red-Bull-Kampagne. Es handelt es sich um eine rein private Initiative. Das ist mir wichtig, weil durch die bewusste Aussage von Herrn Hornberger (Martin Hornberger ist der Geschäftsführer des SC Paderborn, Anmerkung der Redaktion), dass er mich nicht kenne, der Eindruck entsteht, es handele sich um eine von außen gesteuerte Aktion und bis auf wenige gingen nur Unterschriften von weit her ein. Das ist nicht der Fall, fast 50 Prozent der Stimmen entfallen auf Paderborn und Umgebung, bei einem Radius von 80 Kilometern.

Was ist Ihre größte Sorge bei dieser Kooperation?

Fischer: Der SC Paderborn wird seine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit abgeben und nicht mehr Herr der Lage sein. Wer mit RB kooperiert, verliert. Das war immer so. Ich finde die Entscheidung des SCP naiv und fahrlässig, da bin ich ein Stück weit Idealist. Die Gremien machen sich meiner Meinung nach keinen Begriff davon, was so eine Kooperation wirklich bedeutet und welche Auswirkungen sie hat. Im Tennis würde man von einem unforced error sprechen. Eine Fehler ohne Not, nur um vielleicht etwas länger in der 1. Liga zu bleiben.

Laut Aussage der SCP-Verantwortlichen geht es aber lediglich um einen Austausch im sportlichen Bereich?

Fischer: Das Fatale ist ja, dass die Öffentlichkeit nicht wirklich erfährt, was die Kooperation beinhaltet. Ich bin mir aber sicher, dass es nicht nur ums Sportliche geht. Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hat in einer Pressekonferenz selbst gesagt, dass es auch eine Zusammenarbeit im kommerziellen Bereich geben wird. Das bedeutet für mich, dass sich der SCP wirtschaftlich von RB abhängig macht. Außerdem möchten Sponsoren ein sauberes Image. Sie haben bisher einen kleinen, sympathischen Regionalverein unterstützt. Und jetzt? Aber auch auf sportlicher Ebene bin ich skeptisch. Wenn Red Bull Talente aus Brasilien oder den USA nach Paderborn ausleiht, kann der SCP diese Spieler dann auf die Bank setzen?

Kommentare

@SCPler

Es wurden damals viele Fehler gemacht, sowohl sportliche als auch kaufmännische Fehler. Angefangen bei den Verträgen für die Spieler, welche Ausstiegsklauseln für niedrigere Ligen enthielten, als auch bei zu teuer gekauften Altstars wie Lakic und Kirch. Zudem gab es masslose Übertreibungen bei Ticketpreisen, etc. Wir hat Hornberger damals noch so schön gesagt? "Der SCP ist nach dem Aufstieg nicht mehr der gleiche wie vorher". Aus diesem Missmanagement folgert sich der Schuldenberg.
Welche Gegenvorschläge? Der SCP wird jetzt diese Saison über 27 Millionen Euro allein vom DFB bekommen. Warum können wir den jetzigen Weg nicht weitergehen, der uns immerhin 2 Jahre nach vorne gebracht hat. Junge Talente finden und binden und als Ausbildungsverein fungieren. Muss man deswegen gleich Ausbildungsverein von RB werden?
Hauptproblem beim SCP ist die Unprofessionalität auf verschiedenen Ebenen, was man ja jetzt erst wieder deutlich sehen konnte. Daher unterstütze ich den Know-How-Transfer, aber das hab ich ja bereits geschrieben.

Pro Kopp

@ Siegfried Du bist ein schönes Beispiel, dafür dass beim Meinungsaustausch immer wieder Menschen persönlich angegangen werden. Zu meiner Person über 10 Jahre Mitglied, schon im HLS gestanden und etliche Auswärtsspiele auch gegen Leverkusen 2, RWO usw.
@ Klaus Müller Welchen Fehler meinst du?
Zur Sache: Fankultur die ist natürlich wichtig. Frage mich nur wie viele Fans man in der 3. Liga gewinnt?
Die Vergangenheit hat gezeigt es müssen Lösungen her, wenn man dauerhaft ProfiFussball in PB sehen und diese Koop ist ein Lösungsschritt, der sich natürlich beweisen muss, aber es ist erst mal ein Ansatz, ansonsten gibt es ja auch keine Vorschlägen von den derzeitigen Nörglern, wie alles finanziert werden soll. Nicht vergessen vor 2 Jahren drohte die Insolvenz.
Was sagt eins ein sehr erfolgreicher Bundesligamansger, von den 9 Euro für einen Stehplatz in der Südkurve kann keine Verein überleben

Warum?

Die Kooperation mit RB Leipzig wäre ein großer Schritt für den SC Paderborn, sofern bestimmte Standards, z.B. weitere Förderung des eigenen Nachwuchses, gewährleistet werden. Da seien ein paar kritische Bemerkungen gestattet: der Abgang von Spielern wie Herzenbruch oder Boeder ist kontraproduktiv und sportlich unbegreifbar. Auch sollte der deutsche und regionale Charakter nicht weiter verwässert werden. Aaaaber: Leipzig ist ein starker Partner und ein ehrgeiziger, der ebenso auf der “Vorwärts”-Idee des SCP beruht und zudem auf dem Engagement eines bekannten Investors, der den Fremdeinflüssen von irgendwelchen Scheichs deutlich vorzuziehen ist.

@SCPler

Man Merkt das "SCPler" den Sport nur vom Fernseher oder aus der Zeitung kennt. Einen Gästblock von Sandhausen, Gütersloh oder Regensburg hat er bestimmt noch nie von innen gesehen.

Ein Verein besteht aus Vereinskultur, aus einem sozialen Umfeld, mit dem man eben diesen begleitet.
Er besteht auf einem Mehrwert für die Stadt und die Generation die sie bevölkern. Je höher die soziale Verpflechtung und aktiver das Vereinsleben ist, desto relevanter wird man für echte Sponsoren. So einfach ist das.

Bleibt der Erfolg bei Paderborn aus, springen 80% der aktuellen Wanderzirkussponsoren wieder ab.


So etwas brauch aber Zeit und muss sich entwickeln. Die Zukunft sieht mitlerweile Schwarz aus. Eventfans und Ja-Sager werden fortan das Stadion bevölkern, solange die erste Liga in der Stadt gastiert. Ist das Spektakel vorbei und Heidenheim steht vor der Tür, wer kommt dann noch bei den Eintrittspreisen?

Den Fokus auf die reine opportunistische und Gewinnorientierung des Fussballs ist unerträglich.

@SCPler

Dein Vergleich hinkt. Der SCP hat schon einmal ohne Rücksprache mit den Fans entschieden und das Resultat sind die aktuellen Schulden und der vorherige beispiellose Abstieg. Offensichtlich haben einige in der Aufstiegseuphorie schon vergessen, warum der der SCP abgestiegen ist. Es lag nicht an den Fans, sondern an falschen Entscheidungen.
Krösche war nie Traditionalist, deswegen gehört er ja auch zur RB-Schule des Roger Schmidt, der jetzt in China trainiert. Man muss seine Leistung hier anerkennen, aber darf ihn nicht "vergöttern".
Die Kooperation wird ja nicht nur von unserer aktiven Fanscene kritisch gesehen, sondern bundesweit sogar von anderen Leitungen von Bundesligisten.
Ich bin gar nicht gegen einen Austausch und Schulungen mit RB, das gibt es in anderen Vereinen auch (Beispiel Dynamo Dresden und FC Bayern). Wenn der SCP an teuren Schulungen teilnehmen darf, die er sich sonst nicht leisten könnte, kein Problem. In meinen Augen ist das auch keine Kooperation sondern ein Austausch.
Entscheidend ist hier die schlechte Öffentlichkeitsarbeit ohne Nennung von Details, was sämtliche Spekulationen zulässt. Nur eine Offenlegung der Vereinbarung kann die Gemüter beruhigen.

Naja

"Wer mit RB kooperiert verliert. Das war schon immer so" Schon eine sehr negative Pauschalaussage. Aber es geht ja nicht um eine Anti-RB-Kampagne. Hat der Zahnarzt aus Arnsberg Insider Informationen oder wie kommt so eine Aussage zustande? Wenn ich mir Leipzig, CL Teilnehmer, Salzburg, 1. in Österreich usw. anschaue, frage ich mich, ob die Vereine sich als Verlierer fühlen? Da ich ich lange in Leipzig gearbeitet habe, weiss ich, dass sich die Fans dort nicht als Verlierer fühlen.
Fragwürdig ist auch, ob 15 Leute, die sich bei ihren doch sehr lukrativen Berufen selber als Querschnitt der Gesellschaft sehen, so repräsentativ sind, wie sie sich darstellen.
Steht man voll hinter seinen Aussagen und Taten, wenn man aber ein Foto von sich verweigert?
Wo sind die Gegenvorschläge, wie man ProfiFussball in PB sichern will? Ich sage nur 2 Jahre sportlich super und doch 7,5 Millionen Schulden. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass man jedes Jahr Spieler für 5 Millionen verkauft und immer alle jungen Spieler einschlagen.
Ich sage gebt der Koop eine Chance oder zeigt andere Möglichkeiten auf! Einfach immer nur dagegen zu sein ist einfach

Ich bekomme immer mehr Zweifel an der Verfassung des Vorstandes.

Ob man jetzt jeden Fan persönlich kennt oder nicht, als Präsident o.ä. handelt man im Sinne der Fans & Mitglieder. Der aktuelle Umgang mit eben diesen, offenbahrt aber ein Bild von Volkmann und Hornberger der seines gleichen Sucht im deutschen Profifussball.

Mir ist kein Verein der 1-3 Liga bekannt, der über so einen desaströßen Vorstand verfügt. Es bleibt der Eindruck das die Herren, lediglich Gier im Kopf haben. Respekt und Kontakt auf Augenhöhe bleiben leider Fehlanzeige.

Auch ist ein Protest im Stadion wahrscheinlich aussichtlos, da der Vereub wieder jegliche Kritik gegen den Ordnungsdienst verbieten wird. Dies ist schon beim Ligaspiel gegen Leipzig aufgefallen als die Ordner aggressiv auf Fans & Kritiker losgingen. Ist das "Mein SCP"?

15 Kommentare

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