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Do., 20.06.2019

SC Paderborn und RB Leipzig nehmen Abstand von einer Kooperation – mit Kommentar Rolle rückwärts

Zumindest einige Fans des SC Paderborn haben ihr Ziel erreicht. Die Kooperation mit RB Leipzig gibt es nun doch nicht.

Zumindest einige Fans des SC Paderborn haben ihr Ziel erreicht. Die Kooperation mit RB Leipzig gibt es nun doch nicht. Foto: Jörn Hannemann

Von Peter Klute

Paderborn (WB). Das ist ein Paukenschlag. Die zwei Fußball-Bundesligisten SC Paderborn und RB Leipzig haben Abstand von der geschlossenen Kooperation genommen. Das teilte der SCP, wie berichtet , am Mittwochabend mit. Damit reagierten beide Vereine auf die massive Kritik an der vereinbarten Zusammenarbeit.

Zunächst berichtete der »Kicker« am frühen Abend davon, dass die brisante Kooperation vor dem Aus stehe, bevor sie überhaupt begonnen habe. Nach kon­troversen Abwägungen, so das Fachmagazin in seiner Onlineausgabe, soll sich die Führung des Aufsteigers gegen den beabsichtigten Deal mit dem Ligakonkurrenten ausgesprochen haben. In Paderborn stünden intern Befürworter des Deals , die sich nicht von der aufgebrachten Fanszene erpresst sehen wollen, jenen gegenüber, die die geplante Zusammenarbeit ohnehin für unnötig erachteten.

Von Hämmerling angekündigte Stellungnahme kommt früher

Der SCP kündigte in Person des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Ralf Hämmerling auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES zunächst eine Stellungnahme für Donnerstag an, doch dann ging alles ganz schnell. »Ein zielgerichteter fachlicher Austausch im Rahmen der geplanten sportlichen Kooperation« sei »unter den gegebenen inhaltlichen Rahmenbedingungen aufgrund unterschiedlicher Ansichten nicht wie geplant umsetzbar«, heißt es in der Presseerklärung der Paderborner. Darüber hinaus wurde zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart. Der SCP wies darauf hin, es gebe keine weiteren Beweggründe und Details würden nicht kommentiert.

Konsequenz der Unruhen der vergangenen Wochen

Das abrupte Ende der Kooperation ist eine Konsequenz der Unruhen in den vergangenen Wochen . Die Euphorie über den zweiten Aufstieg in die 1. Liga nach 2014 war mit einem Schlag verflogen, die Fans fühlten sich übergangen, befürchteten eine wirtschaftliche Abhängigkeit von Red Bull und probten den Aufstand. Nach Boykott-Aufruf und Protest-Plakat sowie der Formierung einer Gegenbewegung starteten einige Anhänger eine Online-Petition. In zwei Tagen gingen mehr als 2000 Unterschriften ein. Doch die Kooperation wurde zunächst von beiden Klubs verteidigt. Jetzt die Rolle rückwärts.

Geplantes nicht-öffentliches Treffen mit Ultras soll stattfinden

Beschlossen wurde die Zusammenarbeit Anfang Juni im Rahmen des Wechsel von Paderborns Manager Markus Krösche nach Leipzig. »Die ursprünglichen Ansätze basierten auf dem ausdrücklichen Wunsch des SCP und resultierten aus den guten Gesprächen im Rahmen des Wechsels von Markus Krösche«, heißt es in der Mitteilung weiter. Danach sei die bisher nicht mit Leben erfüllte Kooperation mit Gesprächen vertieft worden. Beide Klubs hielten ausdrücklich an der gegenseitigen Wertschätzung fest. Dennoch wird es die Kooperation jetzt nicht geben, das geplante nicht-öffentliche Treffen mit den Ultras in der kommenden Woche soll aber stattfinden, um die Wogen weiter zu glätten. Danach wird der Verein auch über die Kartenpreise für die neue Saison informieren.

Ein Kommentar von Oliver Kreth

Kooperation stand von Anfang an unter keinen guten Vorzeichen. Viele Paderborn-Fans waren stocksauer, bundesweit wurde über das neue Farmteam der Leipziger gelästert. Dann gab es verbale Disharmonien zwischen den Kooperationspartnern, wer, wann, was, wie, zu wem und warum gesagt hat. Detailscharf waren die Gespräche vor der Verkündung offensichtlich nicht. Jetzt hat man sich in gegenseitigem Einvernehmen getrennt – bevor die Kooperation mit Leben erfüllt wurde.

Der SC Paderborn wird sich davon Ruhe erhoffen, Ruhe, die keine Kraft und Konzen­tration kostet in dem sowieso schon schwierigen Bemühen, in der 1. Liga zu bestehen. Andererseits: Natürlich hätte der Aufsteiger von dem Netzwerk des Red-Bull-Klubs profitieren können – nicht nur auf dem Platz.

Es wird spannend zu beobachten sein, wenn der SCP wieder absteigt, wie sich dann seine Fans äußern werden.

Kommentare

Ein unsinniger und unnötiger Scherbenhaufen

Der Verein hat bundesweit Sympathie erworben. Anstatt Euphorie und Schwung mitzunehmen, sind die Fans nun in zwei Lager gespalten, Hannover 96 lässt grüßen. Die rein technokratische Ausrichtung des RB Leipzip wird in Deutschland als rotes Tuch gesehen, die Konsequenzen einer geplanten Zusammenheit mit einem Konstrukt, das für Unterwanderug von Statuten steht, und die Dynamik wurden unterschätzt. Der Geschäftsführer des potenziellen Kooperationspartners rät seinen Fans, wegzubleiben anstatt zu kritisieren.

Offensichtlich hat der SC Paderborn aus seinen Fehlern nichts gelernt, die Fans erwarten Empathie und wollen mitgenommen werden. Mit welchen wenig durchdachten Ideen ein Club sein gerade als Traditionsverein erworbenes Ansehen wieder zerstört, ist nicht meine Angelegeheit. Viel wichtiger erscheint mir die Frage, ob Kooperationen von Vereinen, die sich in einer Konkurrenzsituation befinden, den Sport nicht grundsätzlich konterkarieren. Fußball ist, dem Gegner 90 Minuten keinen Zentimeter Boden zu gönnen und sich NACH dem Spiel die Hand zu reichen. Vor dem Spiel kooperiert zu haben, widerspricht dem Grundgedanken des Fußballs, insbesondere wenn man die Geschichte zu Ende denkt. Man stelle sich vor, alle Vereine der Liga suchten sich einen oder mehrere Partner in der ihrer Liga. Dann gäbe es fast beliebig viele mögliche Konstellationen von Spielen, gerade zum Ende der Saison, wo Vereine in den Verdacht von Absprachen kommen könnten. Eine solche Art von Kooperation ist genauso wenig beliebig oft wiederholbar wie das Modell "Leipzig", also kein Zukunftsmodell für alle. Was die Zukunft des SCP betrifft, wird es schwierig sein, Vertrauen zurückzugewinnen. Im Grunde genommen, kann der Verein nicht einmal einen Spieler aus Liefering oder Leipzig ausleihen, ohne sich dem Verdacht einer inoffiziellen Kooperation auszusetzen.

SCP hat sich unnötig unter Druck gesetzt. Steigt man ab, wird ein Teil der Fans der "vergebenen Chance" nachtrauern. So entstehen Mythen: "Wenn wir vor 20 Jahren mit RB kooperiert hätten, würden wir heute wahrscheinlich Championsleague spielen".

Die "aktiven Fans" sind in so fern zu verstehen, als dass eine andere Reaktion für unangenehme Auswärtsfahrten gesorgt hätte.

Dennoch ist diese ewige Boykott-Keule vor jedem Gespräch oder jedem Abwarten auf etwas mehr Hintergründe kein vernünftiges Mittel, da man den Verein quasi in Geiselhaft nimmt.

Und damit sind wir bei Punkt der Machtverteilung. Die darf nur in der Vereinssatzung geregelt sein! Wenn erpressungsähnliche Situationen auftreten, muss man stehen bleiben können.

Daher war wegen der Vorhersehbarkeit des Protests mit bundesweiter Auswirkung und Beschädigung des Vereins genauso ein Fehler der Entscheider so wie die eklatante Kommunikationsschwäche, die seit Jahren herrscht.

Ich denke, der Verein lässt sich jenseits des Sports sehr schlecht beraten.

wahnsinn! das ist besser als weihnachten das dieser unsinnige mist beendet wurde

Der Fussball lebt noch

Die aktive Fanszene vom SCP ist zu loben. Die angestrebte unsinnige wie schwachsinnige Koop mit dem Brauseprodukt wurde abgewendet. Jetzt hat der SCP wieder Respekt verdient, nach wie vor aber nicht die Leitung des Clubs. Die Personen sollten über ihren Rücktritt nachdenken.

4 Kommentare

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