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Fr., 26.07.2019

Paderborns Neuzugang Johannes Dörfler will und muss aber noch viel lernen – mit Video Ein Mann fürs Spektakuläre

Mit vollem Einsatz – wie hier im Test beim SC Verl – möchte sich Johannes Dörfler für viele Bundesligaminuten empfehlen. Verletzt wurde bei dieser Aktion niemand.

Mit vollem Einsatz – wie hier im Test beim SC Verl – möchte sich Johannes Dörfler für viele Bundesligaminuten empfehlen. Verletzt wurde bei dieser Aktion niemand. Foto: imago

Von Elmar Neumann

Paderborn (WB). Johannes Dörflers erster spektakulärer Auftritt vor größerer Kulisse ist etwas mehr als ein Jahr alt.

Im Relegationshinspiel des KFC Uerdingen gegen Waldhof Mannheim zeigt »Jojo« in komprimierter Form all die Vorzüge, mit denen er die Aufmerksamkeit des SC Paderborn 07 auf sich gezogen hat. Kurz zuvor eingewechselt, kommt der Rechtsaußen 60 Meter vor des Gegners Tor an den Ball und gibt ihn erst wieder ab, nachdem er vier Waldhof-Buben alt aussehen lassen hat.

Das super Solo finalisiert er per präzisem Pass auf »Maxi« Beister, der mit dem 1:0 die Basis für den späteren Drittligaaufstieg legt. »Keine Frage, wenn ich eine Aktion in meiner bisherigen Laufbahn herausheben müsste, dann wäre das diese. In einem so wichtigen Spiel so durchzustarten, das war einfach ein tolles Gefühl«, sagt Dörfler.

Krämer: »Johannes weiß noch gar nicht, was er alles kann.«

Erst 22 Jahre alt, nicht nur für die meisten Mannheimer erheblich zu schnell und so entwicklungsfähig, dass sein ehemaliger KFC-Trainer Stefan Krämer sagt: »Johannes weiß noch gar nicht, was er alles kann.« Dieser Neuzugang erfüllt das Anforderungsprofil der SCP-Scouts zu 100 Prozent – mindestens – und so scheint es nicht mehr als eine logische Konsequenz, dass der Weg des gebürtigen Düsseldorfers zum Bundesligarückkehrer geführt hat. Der FSV Mainz 05, Fortuna Düsseldorf und der FC St. Pauli sollen das Nachsehen gehabt haben. »Das ganze Projekt in Paderborn hat mich überzeugt. Dieser Offensivfußball passt zu mir«, sagt der in Mönchengladbach aufgewachsene und dort beim VfL Borussia und dem 1. FC ausgebildete Dörfler.

Vom chaotischen Krefeld, wo unter russischer Regie des umstrittenen Investors und Präsidenten Mikhail Ponomarev Trainer um Trainer verschlissen wird, ging es für ihn in die derzeit doch geordnet-gemütlichen Gefilde an der Lise-Meitner-Straße 12. Über die äußeren Umstände der vergangenen zwei Jahre möchte der junge Mann ghanaischer Abstammung nicht viel reden. Weder auf Deutsch, noch auf Twi, der Landessprache, die er fließend beherrscht. »Ich habe mich ganz auf Fußball konzentriert«, sagt er nur. Umso lieber fasst er die frischen ersten Eindrücke von seinem neuen Arbeitgeber in Worte: »Hier ist alles viel, viel professioneller und die Aussicht, bald vielleicht in der Bundesliga auflaufen zu können, motiviert auch mich ungemein.«

Jetzt warten die großen Namen

Vor etwas mehr als zwei Jahren hießen die Gegner in der Oberliga Niederrhein Fischeln oder Meerbusch, jetzt warten die großen Namen – aber auch wesentlich höhere Ansprüche und ein forderndes System. Als Dörfler am Mittwoch in einer Trainingsform nicht ganz auf Ballhöhe ist, nimmt ihn sich Coach Steffen Baumgart zur Seite. »Jedes Mal, wenn ich jetzt ›Jojo‹ rufe, heißt das, dass ich nicht mit dir zufrieden bin«, gibt Baumgart ihm für die folgenden Minuten mit. Dörflers Name fällt dann aber nur noch, wenn Lob zu verteilen ist. »Ich höre gerne zu und lerne gerne«, sagt der 1,86-Meter-Mann. Diese Einstellung weiß Baumgart zu schätzen, der Trainer sagt aber auch: »Man sieht an vielen Kleinigkeiten, was er kann. Doch es gibt mehr Situationen, die zeigen, dass er noch nicht da ist, wo wir ihn haben wollen. Wir können von jemandem, der das System nicht kennt, aber auch nicht erwarten, dass er heute kommt und es morgen begriffen hat.« Dreieinhalb Wochen ist Dörfler jetzt in Paderborn. Mit Problemen, sich auf das Umschaltspiel des SCP einzustellen, war und ist er allerdings nicht alleine. Steffen Baumgart fallen gleich mehrere Namen ein. Einer ist Bernard Tekpetey: »Bei Bernie hat mancher am Anfang sogar die Hände vorm Gesicht zusammengeschlagen und am Ende war er einer unserer besten Verkäufe.«

Baumgart gibt Dörfler Zeit. Dörfler weiß, dass er Zeit braucht. Auch am Samstag (17 Uhr, Gütersloh) im Testspiel gegen Athletic Bilbao wird nicht alles funktionieren. Doch spätestens bis zum 16. Spieltag will er dafür gesorgt haben, dass sein Chef ihm einige Minuten gönnen muss. Dann wartet der Auftritt im Borussia-Park zu Mönchengladbach: »Und wenn ich in meiner Heimatstadt vor meiner Familie und meinen Freunden ein Bundesligaspiel machen könnte, wäre das spektakulärer als alles, was ich bisher erlebt habe.«

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