>

Do., 01.08.2019

SCP-Trainer möchte die Pessimisten erneut eines Besseren belehren Baumgart und die Zweifler

Steffen Baumgart gilt mit Aufsteiger SC Paderborn als erster Abstiegskandidat. Diese Prognosen will er widerlegen.

Steffen Baumgart gilt mit Aufsteiger SC Paderborn als erster Abstiegskandidat. Diese Prognosen will er widerlegen. Foto: Jörn Hannemann

Von Elmar Neumann

Paderborn (WB). Ein bisschen belustigt, aber auch ein bisschen trotzig – eineinhalb Wochen vor dem ersten Pflichtspiel in Rödinghausen (11. August, DFB-Pokal) und zweieinhalb vor dem ersten Bundesligaspiel in Leverkusen (17. August) ist Paderborns Trainer Steffen Baumgart in den Angriffsmodus übergegangen.

Sein Ziel sind die (vermeintlichen) Fachleute, die Zweifler, die den SCP nach dessen unvergleichlicher Tal- und Bergfahrt mit drei zweiten und drei 18. Plätzen in den vergangenen sechs Jahren jetzt garantiert wieder auf einem Abstiegsrang einlaufen sehen.

»Ich habe vor zwei Jahren gehört, dass wir unseren Spielstil in der dritten Liga nicht dauerhaft durchziehen können. Das Ergebnis ist bekannt. Dann wurde vor einem Jahr gesagt, dass das in der zweiten Liga aber ganz bestimmt nicht mehr funktioniert. Wieder haben wir es trotzdem geschafft. Und nun heißt es von den selben Experten: ›In der ersten Liga, da müsst ihr euch aber wirklich was anderes überlegen‹. Da muss ich schon ein bisschen schmunzeln«, sagt der 47-Jährige.

Breite Brust, intensive Selbstreflexion

Und damit nicht genug. Baumgart, dessen Vertragsverlängerung in Kürze perfekt gemacht werden soll, fällt noch etwas ein, das die in verlässlicher Regelmäßigkeit grüßenden Paderborn-Pessimisten mehrfach mit fester Überzeugung prognostiziert hatten, und doch noch nicht eingetreten ist: »Seit zwei Jahren höre ich, dass es irgendwann eine längere Niederlagenserie geben wird – aber: Auch die habe ich hier noch nicht erlebt.«

Der Erfolgscoach, der von 93 Pflichtspielen mit dem SCP 58 gewonnen und lediglich 16 verloren hat, amüsiert sich darüber, vor dem ersten Anpfiff abgeschrieben zu werden, kennt aber Fragen, die auch er noch keinesfalls beantworten kann. Dort die breite Brust, hier die intensive Selbstreflexion. »Wissen wir, ob unsere Jungs Erstligaspieler sind? Nein. Weiß ich, ob ich ein Erstligatrainer bin? Nein. Das kann und wird erst die Zeit zeigen. Bislang sind wir ein Verein, der in der Liste der 18 aktuellen Erstligisten steht, aber wir werden alles dafür tun, um zu beweisen, dass unser Name da auch zu Recht und bestenfalls etwas länger zu finden ist. Es werden viele schwierige Situationen auf uns zukommen, aber die hatten wir in der zweiten Liga auch.«

Zusammen 95 Auftritte im Oberhaus

Baumgart, von der »Süddeutschen Zeitung« erst kürzlich als »hemdsärmelig und ein rustikaler Rhetoriker« beschrieben, hat aus seiner Sturm- und Drangzeit 224 Einsätze in der Bundesliga vorzuweisen. Sein Kader bringt es zusammen auf die Erfahrung von gerade 95 Auftritten im Oberhaus, von denen Uwe Hünemeier (37 Spiele), Gerrit Holtmann (26) und Christian Strohdiek (22) den Löwenanteil für sich beanspruchen.

Christopher Antwi-Adjei ist einer der vielen Unbedarften und sagte nach dem Test gegen den spanischen Traditionsklub Athletic Bilbao: »Es ist schön, gegen so einen bekannten Klub gespielt zu haben.« Das klang nach einer Menge, eventuell sogar zu viel Ehrfurcht, um den charakteristischen Offensivfußball tatsächlich auch auf dem höchstmöglichen Liganiveau durchziehen zu können? »Nein«, da ist sich Baumgart sicher: »Es ist schön, dass Ehrfurcht da ist. Das hat mit Respekt zu tun, aber nichts mit Angst oder einem Wir-wissen-nicht-was-wir-tun-sollen. Die Jungs freuen sich extrem darauf, bald gegen Spieler antreten zu dürfen, die sie bislang nur aus dem Fernsehen oder von eigenen Stadionbesuchen kennen, und ich freue mich darauf, ihnen in diesen Duellen zuzusehen.« Und wohl auch darauf, besagte Fachleute erneut eines Besseren zu belehren.

Innenverteidiger Schonlau »fast beschwerdefrei«

Am Samstag (16 Uhr) geht in der Benteler-Arena mit der Partie gegen den Serie-A-Promi Lazio Rom (zwei Mal Meister) die Paderborner Generalprobe über die Bühne. Für den mittlerweile seit drei Wochen verletzt fehlenden Innenverteidiger Sebastian Schonlau kommt dieses letzte Vorbereitungsspiel bekanntlich zu früh. Aber es gibt positive Nachrichten vom eigentlich fest in der Viererkette eingeplanten 24-Jährigen. Nach dem Sehneneinriss unter der Fußsohle ist Schonlau nun fast beschwerdefrei, wie Sport-Geschäftsführer Martin Przondziono mitzuteilen weiß. Am heutigen Donnerstag soll eine MRT-Untersuchung klären, ob der vielversprechende Eindruck trügt oder die Bilder dieses gute Gefühl bestätigen können.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6819389?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F