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Do., 15.08.2019

SCP-Trainer Baumgart hat den Durchmarsch geschafft – mit Video »Erfolg ist kein Glück, Erfolg ist harte Arbeit«

Riesenjubel in Rödinghausen: Der SC Paderborn zitterte sich nach einem Elfmeterschießen in die zweite Pokalrunde.

Riesenjubel in Rödinghausen: Der SC Paderborn zitterte sich nach einem Elfmeterschießen in die zweite Pokalrunde. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). »Gekommen um zu bleiben« – dieses Lied machte »Wir sind Helden« noch bekannter. »Gekommen um zu bleiben« – diesen Satz würde jeder Profi des SC Paderborn sofort unterschreiben, wenn er das Saisonziel beschreiben dürfte. Die Chance ist da. Eine Bestandsaufnahme.

Die Abgänge

Mit Philipp Klement (VfB Stuttgart) und Bernard Tekpetey (jetzt Fortuna Düsseldorf) verlor der SCP nicht nur zwei Aufstiegshelden, sondern auch 26 Ligatore. Klement war außerdem der Takt- und Ideengeber. Für das Duo kassierte der SCP insgesamt fünf Millionen Euro Ablöse, beide kann der SCP allerdings nicht ersetzen. Trainer Steffen Baumgart muss andere Lösungen finden. Außerdem gingen noch Felix Herzenbruch (RW Essen), Luca Pfeiffer (Würzburger Kickers), Julius Düker (SV Meppen), Philip Tietz (Karlsruher SC), Mohammed Kamara (Ziel unbekannt), Sergio Gucciardo (ausgeliehen an Alemannia Aachen), Leon Fesser (Ziel unbekannt), Sascha Heil (FC Gießen), Olivér Schindler (SV Lippstadt), Lukas Boeder (MSV Duisburg) und Philippos Selkos (Panionios Athen).

Die Zugänge

Eine Antwort auf Klement könnte Rifet Kapic heißen. Der Bosnier deutete mit zwei Zauberpässen gegen Lazio Rom (zum 1:3 und 2:3, Endstand 2:4) seine Klasse an. Torhüter Jannik Huth (Mainz 05) wird zunächst den verletzten Stammkeeper Leopold Zingerle ersetzten, die Außenverteidiger Gerrit Holtmann (Mainz 05) und Laurent Jans (Metz) machen den Aufstiegs-Außenverteidigern Jamilu Collins und »Mo« Dräger Druck. Chancen auf einen Platz in der Startelf hat auch der Duisburger Cauly Souza im Mittelfeld sowie im Angriff Streli Mamba von Energie Cottbus. Marcel Hilßner (Hansa Rostock) und Johannes Dörfler (KFC Uerdingen) im Sturm sind Kandidaten für den 18er-Spieltagskader, die Innenverteidiger Luca Kilian (BVB II) und Jan-Luca Rumpf (Sportfreunde Siegen) hoffnungsvolle Talente. Für die insgesamt zehn externen Neuzugänge zahlte der SCP nicht einmal 250.000 Euro Ablöse.

Das System

Das 4-4-2 bleibt, da hatte sich Trainer Steffen Baumgart schon früh festgelegt: »Das System kennen meine Jungs, damit können wir auf jede andere Formation schnell reagieren. Deshalb wird es dabei auch in der neuen Saison überwiegend bleiben.« Diese Grundordnung hatte Baumgart bereits bei seiner Amtsübernahme im April 2017 eingeführt.

Der Trainer

Grundehrlich, klare (An)Sprache, kantig – Steffen Baumgart redet nicht drumherum, sondern Klartext. »Erfolg ist kein Glück. Erfolg ist harte Arbeit.« Das ist eine Leitlinie von Baumgart. Taktieren ist auch nicht seins, schon gar nicht auf dem Feld. Eine knappe Führung verwalten, nicht mit Baumgart. Immer offenes Visier und mit ganz viel Leidenschaft Vollgas-Fußball – dafür steht der Coach, damit hat er den SCP zu einer Marke gemacht.

Die Leader

Christian Strohdiek ist weiter Kapitän, der 31-Jährige führte den SCP in den vergangenen zwei Spielzeiten zu zwei Aufstiegen und bleibt Spielführer. Das entschied Trainer Steffen Baumgart so. Der Innenverteidiger verlor zwar in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit seinen Stammplatz, für den Trainer war ein anderer Punkt entscheidend: »Ein Kapitän ist auch außerhalb des Spiels, wie zum Beispiel beim Training oder in der Kabine, wichtig.« Strohdieks Stellvertreter heißt Uwe Hünemeier, auch hier gab es keine Veränderung. Zum einflussreichen Spielerrat gehören noch Leopold Zingerle, Sebastian Schonlau und Klaus Gjasula.

Die Schlüsselspieler

Der erst 21-jährige Sebastian Vasiliadis ist von Manager Martin Przondziono für unverkäuflich erklärt worden. Das sagt schon alles über die hohe Wertschätzung für den Allrounder aus. Zweikampfstark im defensiven Mittelfeld, zehn Tor-Vorbereitungen in der Zentrale und weitere sechs Treffer als Spitze – das V für Vasiliadis könnte auch für Vielseitigkeit stehen. Ihn kann der SCP aktuell nicht einmal im Ansatz ersetzen.

Der Aufsteiger

Aufgestiegen sind alle SCPer, die schon im vergangenen Jahr dabei waren, wer seit 2017 dazugehört, sogar doppelt. Christopher Antwi-Adjei hat aber den größten Sprung gemacht. Der 25-Jährige kam vom Regionalligaabsteiger TSG Sprockhövel und hat sich als Linksaußen längst in die Herzen der Fans gedribbelt. Schnell, mutig und ein guter Abschluss – »Jimmy« ist auch wieder ein großer Gewinner der Vorbereitung.

Die Überraschung

Das ist zweifellos Klaus Gjasula. Der 29-Jährige war in der vergangenen Saison nach dem Abgang von Robin Krauße (FC Ingolstadt) zunächst im defensiven Mittelfeld gesetzt, verlor dann aber seinen Platz an Sebastian Vasiliadis. In der Vorbereitung auf die kommende Spielzeit kämpfte sich der Deutsch-Albaner aber wieder ins Team und verdrängte im zentralen Mittelfeld die hoch gehandelten Marlon Ritter oder Rifet Kapic.

Die Schwächen

Keine Erfahrung, kein Geld, keinen herausragenden Spieler, große Lücken in der Defensivarbeit – der SCP dürfte am kommenden Samstag eigentlich erst gar nicht in Leverkusen antreten. Wer auf die Paderborner wettet, bekommt bei Ligaerhalt das meiste Geld. Oder anders ausgedrückt: Bei den Quoten der Buchmacher ist der SCP der Topfavorit auf den Abstieg.

Die Stärken

Das ist und bleibt die Offensive. Der SC Paderborn erspielte sich in der vergangenen Saison die meisten Torchancen aller Zweitligisten. In 34 Spielen haben die Ostwestfalen 412-mal aufs Tor geschossen. An dem 4-4-2-System will Baumgart auch in der 1. Liga festhalten. Der SCP ist außerdem ein Sprungbrett für unentdeckte Talente aus der dritten oder vierten Liga. Christopher Antwi-Adjei (TSG Sprockhövel/4. Liga), Kay Pröger (Rot Weiss Essen/4. Liga) oder Sebastian Vasiliadis (VfR Aalen/3. Liga) sind herausragende Beispiele.

Das ist anders

Im Vergleich zum ersten Bundesliga-Aufstieg vor fünf Jahren hat sich personell fast alles verändert. Mit Uwe Hünemeier und Christian Strohdiek stehen nur noch zwei Spieler im Kader, die schon 2014 dabei waren. Der gravierendste Unterschied sind aber die Trainingsbedingungen. Auch wenn die Hausmeisterwohnung, in der sich Trainer André Breitenreiter umziehen musste, noch immer eine gern geschriebene Geschichte ist, die es in der Form tatsächlich aber nie gab, sind die Voraussetzungen ganz andere: Die Paderkampfbahn ohne Rasenheizung als einziger Trainingsplatz ist Vergangenheit, unweit der Arena ist für mehr als sechs Millionen Euro ein modernes Trainingszentrum entstanden, das Erstligaansprüchen genügt.

Das Saisonziel

Der Klassenerhalt. Oder wie es Trainer Steffen Baumgart ausdrückt: »Drinbleiben ist unser Ziel, dafür werden wir kämpfen.« Langfristig will der SCP zu den Top 30 in Deutschland zählen.

Kommentare

Natürlich gehört auch Glück dazu

Erfolg im Sport ist harte Arbeit. Das ist unbestritten.

Aber nur harte Arbeit alleine reicht nicht für einen Verein wie den SCP. Während andere den Erfolgt vermeintlich mit viel Geld und Qualität wahrscheinlicher machen, muss ein Verein mit weniger Geld als mindestens drei Liga-Konkurrenten andere Wege finden.

Dazu muss alles zu einem bestimmten Zeitpunkt passen, was schon ein Jahr später bei einem anderen Verein mit anderen Spielern nicht funktionieren könnte.

Der SCP kann sich nicht 30 gleichwertige Spieler leisten - was im übrigen auch das Prinzip der Geschlossenheit und Zufriedenheit im Kader aushebeln würde. Denn der SCP kann nur durch ein funktionierendes Kollektiv in bestimmten Jahren maximalen Erfolg haben:

- Sind die anderen nicht in der Lage ihre "Qualität!" abzurufen?
- Sind wir frei von Verletzungssorgen?
- Werden knappe Spiele gewonnen?
- ...

Nur so ist Erfolg möglich. Das lässt sich aber nicht jedes Jahr wiedderholen. Daher muss der ANspruch realistisch bleiben.

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