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Mo., 19.08.2019

Selbstkritik beim Sieger Leverkusen, Komplimente für Verlierer Paderborn Verkehrte Welt

Rassiger Zweikampf: Paderborns Kai Pröger (links) behält gegen den Leverkusener Charles Aranguiz die Oberhand.

Rassiger Zweikampf: Paderborns Kai Pröger (links) behält gegen den Leverkusener Charles Aranguiz die Oberhand. Foto: imago

Von Peter Klute

Leverkusen (WB). Wenn der Trainer des Siegers von einem schlechten Spiel seiner Mannschaft spricht und nur mit dem Ergebnis zufrieden ist, beim Verlierer die Leistung passt und lediglich das Resultat nicht, dann muss es sich um ein außergewöhnliches Duell gehandelt haben. Beim Bundesligaauftakt zwischen Bayer Leverkusen und dem SC Paderborn war das definitiv so.

Wer nach dem Abpfiff in die Gesichter der Protagonisten blickte, tat sich schwer, etwas über den Ausgang herauszufinden. Der krasse Außenseiter hatte nicht den geringsten Anlass, sich einzubuddeln. Verkehrte Welt in Leverkusen. »Für uns ist die Bundesliga kein Erlebnis, sondern eine Aufgabe. Die haben wir gelöst und nehmen viel Gutes mit«, sagte SCP-Trainer Steffen Baumgart. Verteidiger Uwe Hünemeier, vor dem 1:0 mit dem Knie im Rasen hängen geblieben, stellte fest: »Wir haben es den Leverkusenern brutal schwer gemacht. Sie werden heilfroh sein, dass sie dieses Spiel hinter sich haben.«

Erleichterung statt große Freude. Der Champions-League-Teilnehmer und große Favorit sah in der Tat wenig Anlass, durch den 3:2 (2:2)-Heimsieg gegen den Aufsteiger große Glücksgefühle zu entwickeln. Die drei Punkte wurden zur Kenntnis genommen. Mehr nicht. Auch deshalb, weil vieles noch nicht passte. So brauchte Leverkusen eine dritte Führung durch Kevin Volland (69.) zum Sieg, nachdem die Treffer zum 1:0 von Leon Bailey (zehnte Minute) und Kai Havertz (19.) jeweils eine treffliche Paderborner Antwort in Form des zweifachen Ausgleichs – Sven Michel (15.), Streli Mamba (25.) – gefunden hatten. »Vor allem in der ersten Halbzeit gab es einen offenen Schlagabtausch und genau das wollten wir nicht. Wir wollten Kontrolle, aber die hatten wir nicht«, ärgerte sich Bayer-Coach Peter Bosz.

Individuelle Klasse entscheidet Partie

Stattdessen konnte sich der Niederländer auf die individuelle Klasse seiner Stars verlassen, die das Spiel letztlich entschied. »Wir haben den Gegner provoziert, dass er so offen gespielt hat und viel von dem umgesetzt, was wir wollten. Aber die Gegentore waren exzellent herausgespielt, Riesenkompliment an Leverkusen für diese Qualität«, sagte Baumgart.

Selbiges hatte sich aber auch sein Team verdient, dem man auf diesem Niveau so einen mutigen Auftritt nicht zugetraut hatte. Doch der SCP belehrte die Experten erneut eines Besseren. »Paderborn war sehr gut, ich hoffe, die Punkte kommen bald«, lobte Bosz und Hünemeier erklärte: »Wir haben wieder einmal unser wahres Gesicht gezeigt.« Und das soll es noch nicht gewesen sein, wie diese Kampfansage von Mamba belegt: »Erster Absteiger? Schwachsinn. Jeder kann sich warm anziehen, dass es gegen uns ekelig wird. Macht euch auf etwas Größeres gefasst.« Für den anderen Torschützen Sven Michel ging »ein Kindheitstraum in Erfüllung«. Er widmete das 1:1 seinem Vater, der aus gesundheitlichen Gründen nicht im Stadion sein konnte, und sagte: »Noch schöner wäre gewesen, wenn wir mit einem Punkt belohnt worden wären«.

Antwi-Adjei verpasst das 3:2 knapp

Dafür wird sich Paderborn weiter steigern müssen. Mithalten reicht nicht, es ist noch Luft nach oben. »Das war gut, aber nicht gut genug«, meinte Hünemeier und Baumgart fand: »Wir hatten viele gute Ballgewinne, haben sie aber nicht mit der nötigen Ruhe zu Ende gespielt.« Er trauerte besonders einer Szene hinterher, als Christopher Antwi-Adjei kurz vor der Pause eine Hereingabe von Mohamed Dräger um Zentimeter verpasste. Das wäre das 3:2 für den SCP gewesen. »Da wäre ich gespannt gewesen, was passiert wäre«, sagte Baumgart.

Doch dann fiel das Tor auf der anderen Seite und Manager Martin Przondziono blieb nur der Stolz darauf, »ein klasse Spiel« gemacht zu haben.

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