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Mi., 21.08.2019

SC Paderborn: Zingerle braucht noch Zeit – Huth bleibt im Tor Der lange Weg zurück

Bitterer Moment: SCP-Torhüter Leopold Zingerle sitzt am 19. Mai 2019 im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden verletzt am Boden.

Bitterer Moment: SCP-Torhüter Leopold Zingerle sitzt am 19. Mai 2019 im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden verletzt am Boden. Foto: imago

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Die Augenzeugen sprachen von einem sehr emotionalen Moment: Drei Monate nach seiner schweren Schulterverletzung trug Leopold Zingerle am Sonntag wieder das Trikot des SC Paderborn. Zwar nur für eine Halbzeit und auch nur in einem Test – die 45 Minuten gegen Arminia Bielefeld waren aber ein wichtiger Neuanfang.

»Leo kann ohne Probleme seine Schulter benutzen. Jetzt muss er wieder die Abläufe reinbekommen«, sagt Torwarttrainer Nico Burchert. Wie verteidige ich das Tor, wie den Raum, und wie ist es, Entscheidungen unter Druck zu treffen? Diese und noch andere für einen Schlussmann eigentlich alltägliche Fragen muss Zingerle auf dem langen Weg zurück ins Tor für sich neu beantworten.

»Leo ist mit keinem Spiel zufrieden«

Beim 1:3 gegen den OWL-Rivalen stand Zingerle 45 Minuten auf dem Platz, trug sogar die Kapitänsbinde, richtig zufrieden klang der 25-Jährige hinterher aber nicht. »Es ging so«, war sein kurzer und sehr knapper Kommentar.

Eigentlich typisch für den Perfektionisten im Paderborner Kasten. »Leo ist mit keinem Spiel zufrieden. Aber das gefällt mir, denn erst diese Besessenheit hat ihn dahingebracht, wo er jetzt ist«, zeigt Burchert Verständnis.

Wobei es manchmal auch Momente gibt, in denen auch ein Bundesligatorwart dankbar sein muss, einfach nur dabei zu sein. Paderborns Aufstiegstorhüter der vergangenen beiden Jahre hatte sich am 19. Mai, im letzten Punktspiel bei Dynamo Dresden, schwer verletzt.

Nach einem Zusammenprall mit Moussa Koné zog sich Zingerle eine Schultereckgelenkssprengung zu und verpasste deshalb die komplette Vorbereitung und auch alle Testspiele.

Verhaltene Kritiken

Zingerles Vertretung heißt Jannik Huth. Der Neuzugang vom FSV Mainz absolvierte die ersten Pflichtspiele in Rödinghausen (Pokal) und Leverkusen (Meisterschaft) , die Kritiken fielen verhalten aus. Stark auf der Linie, Schwächen in der Strafraumbeherrschung – so lautet das Urteil.

Burchert ist dagegen mit seinem Keeper zufrieden und sieht die Leistungen differenzierter: »Ich will keinen Torhüter, der nur die einfachen Flanken abfängt. Ich möchte einen mutigen Mann, der uns aktiv im Raum hilft und dort effektiv verteidigt.«

13 Gegentore in den vergangenen vier Spielen

Mit der »Effektivität« ist das so eine Sache. In den vergangenen vier Spielen (Bilbao, Rom, Rödinghausen und Leverkusen) kassierte der SCP 13 Gegentore. Die nur Huth anzulasten, wäre grob unfair.

Aber auch der 25-Jährige ist ein wichtiger Bestandteil des Defensivverbundes. »Es mag Situationen geben, die von außen unglücklich wirken. Ich möchte aber einen Torhüter, der so erfolgreich wie möglich für uns spielt. Keinen, der so wenig Fehler wie möglich macht«, wird Burchert deutlich und nennt ein Beispiel: »Bei einem Rückpass soll Huth Lösungen am Fuß haben und nicht den Ball auf die Tribüne schlagen, um bloß keinen Fehler zu machen.«

Huth selbst hat die Erwartung, erstklassig zu spielen. Das hat er auch verbal deutlich gemacht. Zunächst wird der Hüter Huth genug Chancen bekommen, diesen Anspruch mit Taten zu untermauern.

Denn wann Zingerle so weit ist, wieder ein ernsthafter Konkurrent zu sein, ist ungewiss. Sicher ist nur: Am Samstag gegen den SC Freiburg feiert Jannik Huth seine Bundesliga-Heimpremiere im Trikot des SC Paderborn.

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