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Do., 22.08.2019

Das sagen ein Arzt, ein Funktionär, ein Spieler und der SCP-Trainer zum Vorschlag von Klaus Gjasula Helm-Pflicht im Profifußball? So fallen die Reaktionen aus

Klaus Gjasula hat mit einer Helm-Pflicht für alle Spieler im deutschen Profifußball zum Nachdenken anregen wollen.

Klaus Gjasula hat mit einer Helm-Pflicht für alle Spieler im deutschen Profifußball zum Nachdenken anregen wollen. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB/pk/MR). Der Paderborner Bundesliga-Profi Klaus Gjasula hat eine Helm-Pflicht für alle Spieler im deutschen Profifußball vorgeschlagen . Darauf hat es jetzt unterschiedliche Reaktionen gegeben.

Klaus Gjasula trägt seit 2013 ein und denselben Helm aus Carbon. Damals spielte er in der Regionalliga mit Kickers Offenbach gegen Hessen Kassel und erinnert sich noch ganz genau, wie die Verletzung passierte: »Es war ein Luftkampf, mein Gegenspieler Morike Sako kam einen Tick zu spät und hat mir unabsichtlich einen Kopfstoß versetzt.« Diagnose: Jochbogenbruch. Gjasula bekam einen Helm und stand wenig später schon wieder auf dem Platz. »Zu Beginn hatte ich ein paar Probleme mit der Sicht, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und schon nach kurzer Zeit sehr wohl gefühlt. In der Saison darauf habe ich den Helm am ersten Spieltag ein Mal weggelassen und direkt von unserem Torhüter einen abbekommen. Seitdem habe ich ihn immer getragen.

Und empfiehlt das nun auch anderen: »Ich fände es sinnvoll, wenn alle Spieler einen Helm tragen würden. Das würde vielleicht auf dem Platz komisch aussehen, aber es wäre definitiv für die Gesundheit aller das Beste«, sagte der 29-Jährige am Mittwoch in einem Interview des Portals t-online.de.

Dass er eine Helmpflicht gefordert habe, verneinte der Mittelfeldspieler des Aufsteigers aber gegenüber dem WESTFALEN-BLATT: »Davon kann keine Rede sein, das habe ich so nicht gemeint. Es geht ganz einfach darum, dass sich immer mehr Spieler in der Kopfregion verletzen, und ich möchte, dass wir Fußballer von Spätfolgen verschont bleiben, die uns nach der Karriere beeinträchtigen könnten. Ich möchte, dass wir uns schützen.« Der DFB-Spielausschussvorsitzende

Manfred Schnieders ist gegen eine Anordnung, hält aber Gjasulas Ansatz für richtig: »Kopfverletzungen im Fußball nehmen zu, das ist eindeutig. Aber niemand weiß, warum.« Der 65-Jährige will aber einen Helm nicht zur Pflicht machen: »Viele Spieler fühlen sich stark beeinträchtigt und können so ein Ding über 90 Minuten nicht ertragen. Ich halte es deshalb für besser, eine Empfehlung auszusprechen.«

Reaktionen überraschen

Gjasulas Teamkollege Uwe Hünemeier haben vor allem die Reaktionen auf den Vorschlag von Gjasula überrascht: »Das hat ja richtige Wellen geschlagen«, meinte der Innenverteidiger, in der Sache steht er auch dazu: »Ich verstehe seine Intention. Klaus hat damit gute Erfahrungen gemacht, fühlt sich sicherer, und nur weil das 99 Prozent aller Fußballer anders machen, ist sein Weg nicht falsch. Unser Kopf ist zweifellos das wichtigste Körperteil und das Gehirn braucht den größtmöglichen Schutz.« Doch eine generelle Helmpflicht kann sich der 33-Jährige nicht vorstellen: »Fußball wird seit mehr als 100 Jahren so gespielt, wie er gespielt wird.« Außerdem sieht er auch praktische Nachteile: »Mit einem kompletten Kopfschutz, der auch die Nase schützt, schränkt man nicht nur das Sichtfeld ein, dann könnte man auch nicht mehr so gezielt einen Kopfball setzen. Das wiederum würde am Ende das Spiel komplett verändern.«

Problem für die Frisur

Für Trainer Steffen Baumgart ist Gjasulas Ansatz nachvollziehbar: »Von einer Pflicht zu sprechen, halte ich für schwierig. Vor allem, wenn ich sehe, welche Frisuren die Profis heutzutage tragen. Aber von einer Pflicht hat Klaus meines Wissens nach auch nicht gesprochen. Wenn ihm der Helm hilft und er ihn nicht behindert, finde ich es völlig in Ordnung, wenn er ihn trägt. Wenn ich in meiner Karriere schon zwei, drei Kopf- oder Gesichtsverletzungen hatte, ist es völlig normal, dass ich mich schütze, und ich hätte kein Problem damit, wenn fünf Spieler einen Helm aufhätten«, sagte Baumgart und verriet, sich früher auch präpariert zu haben. »Ich habe als Profi Schienbeinschoner oder Tapeverbände getragen.«

Total daneben

Prof. Dr. Dr. Claus Reinsberger , Leiter des Sportmedizinischen Instituts an der Universität Paderborn, kennt Gjasula persönlich und sich bestens mit der Materie aus. »Ich habe mich mit Klaus schon einmal darüber unterhalten. Der Helm, den er trägt, ist sehr spezifisch und vergleichbar mit einer Maske nach einem Nasenbeinbruch. Das ist in einem Kollisionssport durchaus üblich, aber wenn ich darüber nachdenke, mein Gehirn zu schützen, dann hilft so ein Helm, wie Klaus ihn trägt, überhaupt nicht. Da müsste er schon ein Modell wie im American Football tragen, aber ein kompletter Schutz für das Gehirn wäre auch dann nicht gegeben. Das Risiko eines Kopfschutzes besteht darin, dass der Spieler risikoloser zu Werke geht. Der psychologische Faktor, dass er sich mit einem Schutz sicherer fühlt, ist nicht zu vernachlässigen, aber alles in allem halte ich eine Helmpflicht im Fußball für total daneben und würde sie nicht befürworten.«

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