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Sa., 24.08.2019

Paderborns Mo Dräger wünscht Freiburg alles Gute »Die Punkte bleiben hier«

Beste Laune: Für Mo Dräger war der Wechsel zum SC Paderborn ein Glücksfall, jetzt trifft er auf seinen Heimatverein SC Freiburg.

Beste Laune: Für Mo Dräger war der Wechsel zum SC Paderborn ein Glücksfall, jetzt trifft er auf seinen Heimatverein SC Freiburg. Foto: Schwabe

Von Peter Klute

Paderborn (WB). Spiele gegen Ex-Vereine sind immer etwas Besonderes. Erst recht, wenn man an seinen aktuellen Arbeitgeber nur ausgeliehen ist. So steht Mohamed Dräger vom SC Paderborn in der Partie am Samstag gegen SC Freiburg (15.30 Uhr, Benteler-Arena) ganz klar im Mittelpunkt.

»Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es schon am zweiten Spieltag dazukommt, aber ich versuche das auszublenden. In der Bundesliga haben wir ja praktisch jedes Wochenende ein Spiel des Jahres«, redet Dräger die Bedeutung der 90 Minuten herunter.

Doch Freiburg ist für den 23-Jährigen nicht irgendeine Stadt und der Sport Club aus dem Breisgau nicht irgendein Verein. Dräger ist in Freiburg geboren, hat bis vor einem Jahr nie woanders gelebt, immer bei seinen Eltern gewohnt und neun Jahre für den SC gespielt.

Mit der S-Bahn zum Training

»Ich bin jahrelang mit der gleichen S-Bahn zur Schule und zum Training gefahren«, sagt er rückblickend. Er kannte nichts anderes, dann ging er nach Ostwestfalen, mehr als 500 Kilometer von der Heimat entfernt. Ganz allein.

»Es ist auch immer ein Risiko, wenn man sein persönliches Umfeld verlässt. Plötzlich bist du auf dich selbst angewiesen, aber du lernst ganz ungewohnte Seiten an dir kennen. Ich musste den Haushalt machen und habe sogar Spaß am Kochen gefunden«, sagt er verwundert, legt aber nach wie vor Wert darauf, dass seine Frau Ann Sophie (eine Halb-Venezolanerin) »das viel besser kann«.

Nicht nur deshalb ist der Deutsch-Tunesier froh, dass sie mittlerweile zu ihm nach Paderborn gezogen ist. Seine Eltern besucht er hin und wieder, doch Dräger ist längst in Paderborn angekommen. Und natürlich hat das Sportliche bei der Eingewöhnung einiges leichter gemacht. »Wenn du spielst und Erfolg hast, könntest du in dem kleinsten Loch wohnen und wärst glücklich«, sagt er.

Obwohl Dräger in Freiburg fast nur in der zweiten Mannschaft (Regionalliga) zum Einsatz gekommen war, verdrängte er Lukas Boeder rechts in der Viererkette und war von Beginn an gesetzt.

»Mo hat sich sehr gut entwickelt«

»Man redet immer von dem nächsten Schritt, ich habe hier in Paderborn gleich mehrere auf einmal gemacht«, sagt Dräger. Trainer Steffen Baumgart bestätigt das: »Mo hat sich sehr gut entwickelt und ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft geworden.« Stammspieler im Verein, Aufstieg in die 1. Liga und der Sprung in die Nationalmannschaft: Es läuft, mehr geht nicht.

»Ich bin hier sehr glücklich«

Um die beiden letzten Ereignisse zu verarbeiten, wird es wohl noch etwas dauern. Ersteres führte dazu, dass Dräger keinen Zweifel daran hegte, seine zweijährige Leihe (Rückholmöglichkeit nach einem Jahr) in Paderborn auf jeden Fall zu Ende zu bringen: »Die Freiburger haben nach der Saison angefragt, ob ich früher zurückkomme, aber ich hatte noch gar keine Möglichkeit, mit den Jungs richtig zu feiern. Außerdem habe ich meine Wohnung gerade erst komplett fertig. Ich bin hier sehr glücklich. Paderborn ist mit Freiburg auf Augenhöhe, und wir wollen mit dem Klassenerhalt ein weiteres Erfolgskapitel schreiben. Was im nächsten Sommer passiert, ist Sache der Vereine.«

Sein Vertrag im Breisgau läuft bis 2021. Stand jetzt geht es nach der Saison zurück. Der SCP besitzt keine Kaufoption, doch Manager Martin Przondziono sagt: »Ich würde mich freuen, wenn Mo bleibt. Ich werde in Kürze mit ihm reden, und wenn er uns das signalisiert, sehen wir weiter.«

Tor wäre das i-Tüpfelchen

Als Nationalspieler wird es viele Interessenten geben. Der Afrika-Cup in Ägypten, bei dem Dräger mit Tunesien Platz vier belegte, war ein besonderes Erlebnis. Der Profi spricht von einer Riesenerfahrung: »Die wichtigste Erkenntnis war, dass Fußball eine ganze Nation fesseln kann. Das bedeutet aber auch einen großen Druck, den wir nach drei Unentschieden in der Vorrunde gespürt haben. Was an Security und Journalisten beim Training zugesehen hat, war der Wahnsinn.«

Nicht ganz so wahnsinnig wäre ein Dreier des SCP am Samstag. »Ich wünsche Freiburg alles Gute, aber die drei Punkte bleiben hier«, kündigt Dräger forsch an. Ein Sieg ist das Ziel, sein erstes Tor für Paderborn wäre das i-Tüpfelchen.

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