SCP-Kapitän Klaus Gjasula hofft weiterhin auf das Schlüsselerlebnis
»Uns fehlt der verflixte Sieg«

Paderborn (WB). »Furios sieglos« – im Geißbockecho wurde der SC Paderborn 07 noch so angekündigt, als dürften die 50.000 Fans im Kölner Stadion ein Spektakel erwarten wie in der Vorsaison, als die Duelle 5:3 und 3:2 für den SCP endeten. Doch weit gefehlt.

Dienstag, 22.10.2019, 04:59 Uhr
Nur nicht aufgeben: Paderborns Kapitän Klaus Gjasula ist kämpferisch ein Vorbild. Foto: imago
Nur nicht aufgeben: Paderborns Kapitän Klaus Gjasula ist kämpferisch ein Vorbild. Foto: imago

Sieglos ist das Team von Trainer Steffen Baumgart auch nach dem Aufsteigerduell noch, furios ist das Auftreten aber schon etwas länger nicht mehr. »Uns fehlt derzeit die absolute Zielstrebigkeit, um ein Tor zu schießen. Das ist das Problem«, trifft Manager Martin Przondziono eine Feststellung, die er nicht nur mit dem Kick in Köln verbindet: »Seit dem Schalke-Spiel haben wir nach vorne nicht mehr den Zug im Vorwärtsgang, der uns stark macht, zu wenige Aktionen in die Tiefe und so verpuffen unsere Konter regelmäßig.«

Zwar scheint das Torschussverhältnis von 16:9 für den FC gar nicht so verheerend gegen den SCP zu sprechen, doch zur Wahrheit gehört auch, dass die harmlosen Gäste nicht einen Versuch abgaben, der tatsächlich auf das von Timo Horn gehütete Gehäuse flog. Es waren die Gastgeber, die per furiosem Start mit 1:0 in Führung gingen und sich dann ganz bewusst zurückzogen, den Gegner das Spiel machen müssen ließen und ihn so seiner größten Stärke – des Umschaltspiels – beraubten.

Es fällt uns gegen die tiefer stehenden Mannschaften deutlich schwieriger so zu kombinieren, wie wir das noch in den ersten Spielen gemacht haben.

Trainer Steffen Baumgart

Was Leverkusen, Freiburg und Wolfsburg fast zum Verhängnis geworden wäre, hat den Rest der Liga die entsprechenden Lehren aus dem Paderborner Wirken ziehen lassen. »Die Gegner haben sich gut auf uns eingestellt, sie probieren, unsere Außenbahnspieler so wenig wie möglich zur Entfaltung kommen zu lassen und wir haben aktuell noch nicht die passenden Lösungen parat. Daran müssen wir arbeiten«, sagt Kapitän Klaus Gjasula.

»Es fällt uns gegen die tiefer stehenden Mannschaften deutlich schwieriger so zu kombinieren, wie wir das noch in den ersten Spielen gemacht haben«, sagt Trainer Steffen Baumgart und weiß natürlich zu genau, dass er es ist, von dem nun Lösungen verlangt werden: »Natürlich bin ich gefragt und ich derjenige, der in der Verantwortung steht.«

Geschichtsträchtige Fehlstarter

Nach acht Spieltagen steht der SCP – wie berichtet – auf einer Höhe mit den geschichtsträchtigen Fehlstartern vom 1. FC Saarbrücken (1963/64) und 1. FC Köln (2017/2018) und noch hinter der Mutter aller misslungenen Erstligaintermezzi, dem SC Tasmania 1900 Berlin. Das Synonym für sportliche Überforderung verbuchte in der Saison 1965/66 in 34 Spielen zwei Siege und vier Unentschieden (umgerechnet zehn Punkte).

Noch hat Paderborn lediglich einen Zähler vorzuweisen, aber auch wenn der Aufsteiger durch taktische Anpassungen der Konkurrenz gerade um das Charakteristische seiner Form des Fußballs beraubt zu werden scheint, gibt sich der vermeintlich designierte erste Absteiger doch noch lange nicht geschlagen. »Es kann sein, dass uns nach einem einzigen Punkt aus acht Spielen die Überzeugung fehlt. Aber ich kann versprechen, dass unsere Köpfe nach dem ersten Sieg nach oben gehen und oben bleiben werden. Es ist nur dieser verflixte erste Sieg, der uns fehlt, der den Knoten löst, den Mut zurückbringt«, sagt Gjasula.

Der albanische Nationalspieler hat nach seinen ersten acht Bundesligaeinsätzen nicht viel mehr Erstliga-, aber mit seinen 29 Jahren viel mehr Lebenserfahrung als ein Großteil der Teamkameraden und einen klaren Plan für die Trainingswoche vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (Samstag, 15.30 Uhr): »Wir werden eine Menge sprechen und uns gegenseitig eintrichtern, dass wir den Glauben nicht verlieren dürfen. Ist der verloren, hast du ein Problem, aber solange du glaubst, kannst du alles erreichen.«

Gjasula glaubt, aber Gjasula fordert auch. Die Zeit des »ein Sieg wäre jetzt mal schön« ist für ihn vorbei. Vor dem dritten und letzten Teil der rheinischen Wochen des SCP fordert der gebürtige Freiburger: »Wir müssen gegen Düsseldorf gewinnen. Wir spielen zuhause und das sind nicht die Bayern oder sonstwer. Das ist machbar – wenn jeder 100 Prozent gibt und Gras frisst.« Es muss gar nicht furios sein – siegreich wäre allemal genug.

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