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Sa., 26.10.2019

Friedhelm Funkel über seine lange Trainerkarriere und den Gegner SC Paderborn »Düsseldorf ist die Krönung«

Er kann sich lässig zurücklehnen: Friedhelm Funkel sitzt seit 28 Jahren in der Bundesliga auf der Trainerbank.

Er kann sich lässig zurücklehnen: Friedhelm Funkel sitzt seit 28 Jahren in der Bundesliga auf der Trainerbank. Foto: dpa

Paderborn (WB). Mit einer 1:2-Niederlage gegen Hertha BSC begann 1991 bei Bayer Uerdingen die Trainerkarriere von Friedhelm Funkel. Wenn er am Samstag (15.30 Uhr) mit Fortuna Düsseldorf auf den SC Paderborn trifft, sitzt er zum 500. Mal als Erstligacoach auf der Bank. Über das stolze Jubiläum, die Bundesliga und den SCP sprach Matthias Reichstein mit dem 65-Jährigen.

Herr Funkel, in Paderborn machen Sie die 500 voll. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?

Friedhelm Funkel: Sie ist bemerkenswert und zeigt, dass ich schon seit ein paar Jahrzehnten dabei bin. Und das noch immer mit Lust und Leidenschaft. Das wird sich, so lange ich arbeite, auch nicht ändern.

 

Wenn die Saison normal verläuft, kommen Sie noch auf 525 Einsätze, überholen damit Udo Lattek sowie Thomas Schaaf und liegen dann hinter Otto Rehhagel, Jupp Heynckes und Erich Ribbeck auf Platz vier.

Funkel: In der Tat, ich könnte diese tollen Trainer in der Liste auch noch überholen, und das zeigt, dass ich in meiner Karriere vieles richtig gemacht habe. Aber soweit denke ich gar nicht, bis dahin sind es noch ein paar Monate.

 

Sind das für Sie nur Zahlen und Namen, oder erfüllt Sie so eine Statistik auch mit Stolz?

Funkel: Natürlich. Wenn man so viele Spiele als Trainer in der 1. Liga gemacht hat, ist das natürlich eine Anerkennung der Arbeit. Und wenn man als Trainer nicht überall dort, wo man war, auch ein bisschen Erfolg gehabt hätte, wäre man nicht so lange dabei geblieben und diese Zahl nicht möglich gewesen. Das alles hätte ich zu Beginn meiner Karriere niemals erwartet und daran hätte ich auch nie geglaubt. So gesehen erfüllt mich das alles auch ein klein wenig mit Stolz.

 

Zwischen dem ersten Spiel mit Uerdingen und der Nummer 500 Paderborn liegen 28 Jahre. Der Fußball hat sich in der Zeit fast komplett verändert. Gibt es etwas, das Sie sich in der langen Zeit bewahrt haben?

Funkel: Respektvoll mit Menschen umzugehen und dabei immer bodenständig und authentisch zu bleiben – das habe ich nie aus den Augen verloren. Das ist mit das Wichtigste, was man sich im Leben erhalten sollte, das habe ich als Trainer auch gelebt.

 

Was geht Ihnen heute besonders auf den Nerv. Die vielen Tätowierungen der Spieler, die....

Funkel: Nein, nein, so etwas geht mir nicht auf die Nerven. Das bringt die Zeit mit sich. Ich finde das nicht gut, aber das muss ich auch nicht. Als ich Jungprofi war, haben unsere Trainer auch nicht alles toll gefunden, was wir so gemacht haben. Mich nerven Unpünktlichkeit oder Mitmenschen, die unordentlich sind. Ganz besonders ärgert es mich, wenn man respektlos miteinander umgeht.

 

Sie sind ewig dabei, genießen hohes Ansehen bei vielen Kollegen und Ex-Spielern, Sie waren aber nie ganz oben. Warum waren Sie bei den Topklubs nie gefragt?

Funkel: Das weiß ich nicht. Ich bin total zufrieden mit den Klubs, die ich gehabt habe. Da waren viele Traditionsvereine dabei, bei denen ich gelernt habe, mit Menschen und ihrer Geschichte umzugehen. Das hat mir außerordentlich viel Freude gemacht und deshalb bin ich da total zufrieden.

 

Gibt es einen Verein, zu dem Sie gerne gegangen wären?

Funkel: Nein, Fortuna Düsseldorf ist für mich zum Abschluss sogar die Krönung. Ich fühle mich in Düsseldorf und bei der Fortuna total wohl, wir haben bislang dreieinhalb sehr erfolgreiche Jahre hinter uns und deshalb kann ich auch ganz offen und ehrlich sagen, dass das mein letzter Klub als Trainer ist.

 

Sie sagen, die sechs Teams, die aktuell unten stehen, machen den Bundesliga-Abstieg unter sich aus. Darunter sind vier Aufsteiger aus den vergangenen beiden Jahren. Zeigt das nicht auch, dass die Schere in der 1. Liga immer weiter auseinandergeht?

Funkel: Natürlich. Es wird immer schwerer, mit den Vereinen mitzuhalten, die seit zehn oder 15 Jahren in der Bundesliga dabei sind. Das kann man finanziell eigentlich gar nicht mehr aufholen. Da muss man schon einige Jahre drin bleiben, um da wenigstens etwas ranzurücken. Als Aufsteiger brauchst du deshalb viel Glück mit den Transfers: Man muss einerseits Spieler entwickeln, die man für viel Geld verkaufen kann. Andererseits muss man für relativ kleines Geld richtig Gute holen. Deshalb bleibe ich dabei: Augsburg, Mainz, Union, Köln, Paderborn und wir – alle können es schaffen, es kann aber auch jeden treffen.

 

Ein krasses Beispiel ist auch Ihr aktueller Gegner SC Paderborn. Der hatte 2015 noch am letzten Spieltag die Möglichkeit, die Liga zu erhalten. Vier Jahre später könnte realistisch gesehen schon im Winter alles vorbei sein.

Funkel: So darf man aber nicht denken. Vor einem Jahr waren wir Letzter, hatten auch eine hohe Anzahl an Gegentoren kassiert, haben erst am 10. Spieltag das zweite Spiel gewonnen und sind am Ende drin geblieben. Die aktuelle Tabelle hat deshalb noch keine Aussagekraft. Was Steffen Baumgart in den vergangenen Jahren in Paderborn aufgebaut hat, kann man gar nicht hoch genug bewerten und loben. Das ist der Wahnsinn.  Als Trainer ist er so wie damals als Spieler: hohes Tempo, große Leidenschaft, niemals aufgeben. Dass es dennoch sehr schwer werden würde, wussten alle. Der SC Paderborn hat aber schon gezeigt, dass er Spiele gewinnen kann. Der Klub war ein paar mal dicht dran, hatte nur nicht das Glück des Tüchtigen. Das kann sich irgendwann drehen, ich hoffe nicht am Samstag.

 

Mainz und auch Köln standen gegen Paderborn zuletzt sehr viel tiefer, haben dem Aufsteiger den Ball überlassen und damit das Spiel machen lassen. Nimmt man so dem Neuling die Wucht nach vorne?

Funkel: Jede Mannschaft, vielleicht bis auf die Bayern, hat Probleme, wenn der Gegner tiefer steht. Da muss man geduldig bleiben und Lösungen erarbeiten. Natürlich ist es leichter, wenn man viel Platz, viel Raum und schnelle Spieler hat und gleichzeitig, bei Ballgewinn des Gegners, wieder kompakt steht. Aber das wissen alle Trainer, mal sehen, wie es am Samstag läuft.

 

Mit Bernard Tekpetey steht ein SCP-Aufsteiger in Ihrem Kader. Wie zufrieden sind Sie, was fehlt ihm noch?

Funkel: Er muss unseren Fußball noch verinnerlichen und lernen, nach hinten zu arbeiten, die tiefen Läufe besser hinbekommen, an seinem Selbstbewusstsein arbeiten und torgefährlicher werden. Das alles ist in der 1. Liga schwerer, das merkt er im Moment. Aber daran arbeiten wir sehr intensiv und Bernard ist ein Profi, der sehr willig ist.

 

Die Fortuna ist in Ihrer langen Laufbahn die letzte Trainerstation, das haben Sie angekündigt. Ist dann endgültig Schluss mit dem Profifußball oder werden Sie danach als Sportdirektor ­ – wo auch immer – noch ein Fußball-Funktionär?

Funkel: Das weiß ich nicht. Ob ich noch als Berater, als Bindeglied zwischen verschiedenen Abteilungen oder als Sportdirektor arbeite, lasse ich mir offen. Das hatte ich in der Vergangenheit immer ausgeschlossen, aber da wollte ich auch nur Trainer sein. Diese Zeit ist irgendwann zu Ende.

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