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So., 27.10.2019

Beim SCP hoffen sie auf eine Fortsetzung – Dienstag im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen »Wie eine Befreiung«: Paderborn feiert endlich ersten Saisonsieg

Arme hoch, Sieg bejubeln: Am Samstag durften Trainer Steffen Baumgart (links) und Geschäftsführer Martin Przondziono (Mitte) sowie die Paderborner Ersatzbank endlich den ersten Saisonsieg feiern.

Arme hoch, Sieg bejubeln: Am Samstag durften Trainer Steffen Baumgart (links) und Geschäftsführer Martin Przondziono (Mitte) sowie die Paderborner Ersatzbank endlich den ersten Saisonsieg feiern. Foto: Oliver Schwabe

Paderborn (WB/dpa). In einer Hinsicht ist der SC Paderborn sogar Bundesliga-Spitze. In keinem anderen Stadion werden mehr volksfesttaugliche Schlager gespielt. Beim 2:0 (1:0) gegen Fortuna Düsseldorf kam das große Repertoire endlich einmal zur vollen Geltung.

Denn die Zuschauer schmetterten so laut »Hermann Löns, die Heide brennt«, als sei das eigens für diesen Anlass komponiert worden: Für den Samstagnachmittag, an dem der Aufsteiger und Außenseiter im neunten Anlauf den ersten Saisonsieg feierte.

»Das war enorm wichtig heute«, sagte Paderborns Vize-Kapitän Klaus Gjasula. »Wir waren vorher acht Spiele ohne Sieg. Irgendwann verliert man dann vielleicht den Glauben und den Mut. Jetzt haben wir gezeigt, dass wir auch Spiele gewinnen können. Wir sind zurück!«

Punkte Rückstand auf Relegationsrang

Zurück heißt in diesem Fall: Der Tabellenletzte hat nur noch drei Punkte Rückstand auf den Relegationsrang. Und das in einem Tabellenumfeld, in dem es mittlerweile fast genauso eng zugeht wie auf den Plätzen eins bis zehn der Fußball-Bundesliga. Der erfahrene Düsseldorfer Trainer Friedhelm Funkel hat das sofort eingestreut in seine Analyse, als er sagte: »Es wird in dieser Saison ein Auf und Ab – für viele Mannschaften, die unten im Keller sind.«

Noch vor einer Woche gewann seine Fortuna gegen Mainz und Köln gegen Paderborn. An diesem Spieltag schlug dann Mainz die Kölner und Paderborn eben seine Fortuna. Jeder kann jeden schlagen auf diesen letzten sechs Plätzen, und für den Außenseiter aus Ostwestfalen bedeutet dies: Es dauerte zwar bis zum letzten Wochenende im Oktober, bis der erste Saisonsieg endlich geschafft war. Aber trotzdem ist Paderborn in diesem Abstiegskampf längst nicht abgeschlagen.

»Dieser Sieg wirkt wie eine Befreiung«, sagte Torwart Leopold Zingerle. »Ich hoffe, wir können das so fortsetzen.« Zwei der nächsten drei Heimspiel-Gegner gehören wieder zur direkten Konkurrenz: der FC Augsburg und Union Berlin. Aber erst einmal geht es schon am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen weiter und dann in der Bundesliga zu 1899 Hoffenheim.

»Über den Kampf«

Was den Paderbornern helfen könnte, ist ihr Lernprozess. Mittlerweile hat sich jeder in der Liga auf ihren Sturm- und Drang-Fußball eingestellt. Auch Düsseldorf überließ ihnen am Samstag zunächst den Ball und wartete nur auf Fehler. Damit kam der Aufsteiger in den vorangegangenen Spielen überhaupt nicht klar.

Neu war diesmal: »Wir kommen jetzt mehr über den Kampf«, wie Torschütze Abdelhamid Sabiri hinterher sagte. »Das hat uns der Trainer in der Woche vorgelebt.« Sabiri traf in der 43. Minute mit einem Distanzschuss, Verteidiger Sebastian Schonlau nach der Pause mit dem Kopf (64.). »Paderborn hat gut gestanden und nicht so wild gespielt wie in den ersten Wochen«, stellte auch Funkel fest.

Eine Prise Pragmatismus mag sich SC-Coach Steffen Baumgart auch bei seinem früheren Chef abgeschaut haben. Funkel trainierte Baumgart in den Jahren 2000 und 2001, als der noch Spieler bei Hansa Rostock war. Noch am Samstag sprach Baumgart Funkel respektvoll mit »Trainer« an. Und der revanchierte sich mit den Worten: »Ich möchte Steffen ganz herzlich zum ersten Bundesliga-Sieg gratulieren. Das musste zwar nicht unbedingt gegen uns sein. Aber er war längst überfällig.«

Kommentare

Ich freue mich besonders für die Trainer. In den letzten Wochen wurde zu oft über Taktik, Aufstellung und Transfers diskutiert.

Jeder wusste, dass wir schon alleine von unseren Mitteln der krasse Außenseiter der Liga sind. Wir können individuelle Defizite nur durch mannschaftliche Geschlossenheit und Einsatz ausgleichen. Und auch dann bleiben wir von Kleinigkeiten abhängig.

Trotzdem und gerade deswegen ist es extrem schwierig, das Risiko sportlich und ökonomisch so passend wie möglich zu wählen.

Man kann nur Wahrscheinlichkeiten beeinflussen. Und trotzdem gibt es immer eine kleine Möglichkeit, dass Bayern absteigt oder Paderborn Meister wird. So ist das im Sport. Daher ist es hinterher leicht zu sagen, dass falsch geplant wurde.

Momentan kann ich nicht erkennen, dass Trainer und sportliche Leitung etwas falsch gemacht haben.

Wer nicht den Weg von Aachen oder Essen gehen will, muss sich langfristig gesund aufstellen. Das heißt

- Fixkosten so gering wie möglich halten (Pachten, Zinsen, Tilgung, Instandhaltung, Energie, langfristige Verträge - also Infrastruktur)
- Jugend fördern
- keine Schulden
- starke Mitgliederbasis (Beiträge in einnahmefreier Zeit)
- starke Sponsorenbasis (regional)
- starke Zuschauerbindung
- Rücklage bilden
- Eigenkapital aufbauen

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