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Do., 21.11.2019

Paderborns Trainer Steffen Baumgart hält Stadionbesuch für zu teuer »Ich weiß nicht, ob Fans diese Entwicklung auf Dauer mitmachen«

Der Profifußball und seine Fans: Paderborns Trainer Steffen Baumgart beobachtet eine zunehmende Entfremdung.

Der Profifußball und seine Fans: Paderborns Trainer Steffen Baumgart beobachtet eine zunehmende Entfremdung. Foto: Oliver Schwabe

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Entfernt sich der Profi-Fußball immer mehr von den eigenen Fans? Paderborns Trainer Steffen Baumgart nimmt seit Jahren eine zunehmende Entfremdung wahr. Aktuell kritisiert der 47-Jährige die aus seiner Sicht zu hohen Kartenpreise.

»50 Euro sind leider schon zum normalen Kartenpreis geworden«, sagte Baumgart in einem Interview dem Internetportal »t-online.de« und beklagte, dass einer vierköpfigen Familie ein Stadionbesuch plus Verpflegung mal eben 250 Euro kosten könne: »Für Normalsterbliche wird der Stadionbesuch langsam zu teuer. Ich weiß nicht, ob die Fans diese Entwicklung auf Dauer noch mitmachen.«

Auch SCP ist nicht zimperlich

Seinen eigenen Arbeitgeber nannte Baumgart nicht, wobei auch der SC Paderborn bei den Preisen für Sitzplatzkarten nicht gerade zimperlich ist. Das teuerste Sitzplatzticket kostet 49 Euro, wird ein Topzuschlag erhoben, wird die Karte sogar für 55 Euro angeboten. Günstig können Kinder sitzen, die 6- bis 14-Jährigen zahlen einen Zehner.

SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger fühlt sich bei der Diskussion auch nicht angesprochen und verweist auf die Preisabsprachen mit dem eigenen Fanbeirat, der seit drei Jahren dabei ist, wenn der SCP die Heimspiele kalkuliert: »Wir stimmen uns mit unseren Kunden ab. Das ist vorbildlich.«

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An der Preisschraube darf nicht noch weiter gedreht werden.

Uwe Hünemeier, mitglied des Spielerrats

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Uwe Hünemeier, der beim Bundesligisten zum Spielerrat zählt, spricht von einem »nicht einfachen Thema«, stimmt aber grundsätzlich seinem Trainer zu: »Wir sind am Limit. An der Preisschraube darf nicht noch weiter gedreht werden.« Hünemeier schlägt vor, dass das TV-Geld anders verteilt wird. So könne man nicht nur die Ticketpreise konstant halten, sondern die Vereine aus dem mittleren und unteren Drittel der Liga konkurrenzfähiger machen: »Ansonsten sind die potenziellen Abstiegskandidaten irgendwann gegen die Topklubs der Liga völlig chancenlos.«

Zuschauerzahl sinkt

Fakt ist aber auch, dass der Zuschauerschnitt in der Fußball-Bundesliga seit Jahren sinkt. In der vergangenen Spielzeit um 2,6 Prozent auf 42.738 Besucher pro Partie, auch die Anzahl der ausverkauften Spiele nimmt ab. Von 146 Partien in der Saison 2016/17 auf 123 im Jahr darauf. In der vergangenen Saison waren es laut ran-Datenbank noch genau 100.

Eine Tendenz, die auch beim SC Paderborn zu beobachten ist. Im ersten Bundesligajahr 2014/15 kamen bei zehn ausverkauften Spielen 14.859 Besucher im Schnitt in die Benteler-Arena. Wobei der Heimbereich durch die Dauerkartenkunden schon vor Saisonstart voll besetzt war. Aktuell zählt der Aufsteiger 14.415 Zuschauer pro Spiel.

VIP-Plätze entstehen

Vor dieser Serie stoppte der SCP nach 7000 abgesetzten Dauerkarten allerdings auch den Vorverkauf. Abzüglich der Tickets für die Gäste (1700) sind damit vor jedem Spiel noch etwa 6000 Karten (500 Sitz- und 5500 Stehplätze) zu haben. Ausverkauft war die Arena allerdings erst zweimal (gegen Schalke 04 und Bayern München), Hornberger führt das aber nur bedingt auf die Preise und die sportliche Situation beim Schlusslicht zurück: »Die Sitzplatzkarten sind bei uns nach wenigen Minuten weg, Stehplatzkarten gibt es dagegen oft noch an der Tageskasse.«

Das zeigt im Umkehrschluss: Die Paderborner wollen Qualität. Nicht nur beim Gegner, auch bei der Wahl der Plätze. Der Verein will darauf reagieren. Bereits in der Winterpause werden 300 weitere VIP-Plätze entstehen. Im Mai sollen etwa 3000 weitere Sitzplätze dazukommen.

Verpflichtend ist der Ausbau nur, wenn dem SCP der Klassenerhalt gelingt. Da aber die Nachfrage nach mehr Komfort groß ist, laufen die Planungen unabhängig von der sportlichen Zukunft.

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