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Fr., 22.11.2019

Nach 3:0 nur 3:3 – Schlusslicht Paderborn kann Dortmund nicht schlagen Wahnsinn in Westfalen

Paderborns Laurent Jans (rechts) nach dem Tor zum 3:3.

Paderborns Laurent Jans (rechts) nach dem Tor zum 3:3. Foto: David Inderlied/dpa

Von Matthias Reichstein

Dortmund (WB). Wieder kein Auswärtssieg für den SC Paderborn: Nach klarer 3:0-Führung des SCP zur Pause kam Gastgeber Borussia Dortmund zurück und erkämpfte sich noch ein 3:3. Der BVB bleibt damit nun auch 27 Freitagspiele in Folge ungeschlagen. Was für ein Wahnsinn in Westfalen.

Paderborns Trainer Steffen Baumgart stellte seine Elf im Vergleich zum 0:1 gegen den FC Augsburg nur auf einer Position um: Für Abdelhamid Sabiri kam Ben Zolinski ins Team. Allerdings mit taktischen Konsequenzen: Der SCP spielte wieder im aufstiegserprobten 4-4-2. Die Doppelspitze bildete Streli Mamba und Ben Zolinski, die Mittelfeldreiche bildete Kai Pröger, Sebastian Vasiliadis, Klaus Gjasula und Gerrit Holtmann.

Gefährliche Konter

Auf der anderen Seite nahm Dortmunds Coach Lucien Favre gleich fünf Änderungen vor: Mahmoud Dahoud startet neben Axel Witsel auf der Doppelsechs, Julian Weigl rückte in die Innenverteidigung, Manuel Akanji musste auf die Bank. Rechts in der Viererkette verteidigte Lukasz Piszczek für Mouh Hakimi, in der Offensive agierten Marco Reus, Raphael Guerreiro und Paco Alcacer anstelle von Thorgan Hazard, Mario Götze und Julian Brandt.

»In diesem Stadion zu spielen, da geht für viele meiner Spieler ein Traum in Erfüllung«, hatte Baumgart vor der Partie noch die Gefühlslage in seinem Team so beschrieben. Traumhaft war auch der Start: Nach einer Ecke für den BVB und der Faustabwehr von Leopold Zingerle konterte Paderborn, Pröger überlief im Sprint Nationalspieler Nico Schulz, bediente maßgerecht Mamba und der schob zum 1:0 (5.) ein. Da wurden Erinnerungen an Paderborns Pokalspiel im Oktober 2015 wach. Damals führte der SCP in Dortmund auch mit 1:0 (Srdan Lakic/21.), ging dann aber 1:7 unter.

Davon waren die Aufsteiger am Freitagabend weit entfernt. Immer wieder nutzten sie die Räume und setzten gefährliche Konter. Einer führte zum 2:0 (37.). Diesmal schickte Zolinski Paderborns Mamba auf die Reise und der ließ Roman Bürki im Tor der Schwarz-Gelben wieder keine Chance. Aber damit nicht genug. Der Liga-Letzte schlug vor der Pause noch einmal zu. Nach Pass von Jamilu Collins tunnelte Gerrit Holtmann (43.) diesmal Bürki und erhöhte auf 3:0. Was für eine erste Hälfte!

Reus in der Nachspielzeit

Und der selbsternannte Bayern-Jäger? Einzig Guerreiro (16./25.) hatte zwei gute Szenen. »Die Jungs machen einen fantastischen Job, haben mehr Luft nach vorne und dann sieht man, dass wir auch Tore schießen können«, lobte Paderborns Manager Martin Przondziono zur Pause.

Nach dem Wechsel machten die mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedeten Borussen endlich Dampf und konnte nur 120 Sekunden nach Wiederanpfiff verkürzen: Joker Hakimi legte für Jadon Sancho auf und der traf.

Nun waren die Dortmunder im Spiel. Reus (48.), Hummels (56.), Witsel (73.), Hazard (76.) und Brandt (77.) sorgten phasenweise für Einbahnstraßenfußball. Doch der SCP blieb gefährlich. Mamba (64.) hätte sogar noch Treffer Nummer drei erzielen können, scheiterte aber knapp.

Axel Witsel (84.) verkürzte schließlich mit einem Kopfball auf 2:3 und sorgte damit für Hochspannung bis zum Schluss. Das bessere Ende buchten dann auch die Hausherren: Kapitän Marco Reus (90.+2.) machte es auch mit Köpfchen und traf zum am Ende sehr schmeichelhaften 3:3.

Stimmen

SCP-Trainer Steffen Baumgart: »Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, für unsere Verhältnisse können wir das nicht besser machen. Wir wussten, dass es schwierig werden würde nach dem Wechsel, alleine wenn man sieht, was Dortmund eingewechselt hat. Ich gehe mit einem weinenden Auge weg, aber verlasse das Stadion auch mit viel Stolz.«

BVB-Spieler Marco Reus: »Wir müssen uns bei allen Leuten für die Leistung entschuldigen. Ich habe keine Erklärung für die erste Halbzeit. Keine Ahnung, was wir da fabriziert haben. Man hat sich richtig geschämt. So dürfen wir nie, nie wieder auftreten. Das war absolute Scheiße. Darüber müssen wir sprechen, anders geht es nicht. Mit einem blauen Auge sind wir nicht davon gekommen, wir haben richtig einen mitbekommen. Der Trainer stellt uns super ein. Wir sind dafür verantwortlich unsere Leistung zu zeigen.«

SCP-Manager Martin Przondziono: »Wir müssen das Positive mitnehmen. Wir haben eine der besten Mannschaften in Europa einen Punkt geholt, das ist großartig und das kann man, auch wenn man eine 3:0-Führung hergegeben hat, nicht hoch genug bewerten.«

BVB-Trainer Lucien Favre: »Das war eine desaströse erste Hälfte von uns, das war unglaublich. Wir wollten es viel besser machen als in München, aber das einzig Positive war, dass wir nach dem 0:3 zurückgekommen sind. Aber der Punkt ist zu wenig für uns. Wir machen zu viele Fehler, so können wir nicht weitermachen.«

SCP-Spieler Klaus Gjasula: »Wir haben eine hervorragende erste Halbzeit gespielt und unsere Chancen eiskalt genutzt. In der Pause mussten wir uns erstmal kneifen, ich persönlich wusste wirklich gar nicht so richtig, was los ist. Am Ende muss man sagen, dass Dortmund zwar im zweiten Durchgang viel Druck gemacht hat, aber nach dem frühen 3:1 konnten wir den BVB lange einigermaßen von unserem Tor weghalten. Egal, ob Dortmund oder ein anderer Gegner: Ein 3:0 darfst du nicht mehr aus der Hand geben. Deshalb ist die Enttäuschung momentan größer als die Freude, auch wenn wir aus diesem Spiel sicher einiges mitnehmen können.«

SCP-Spieler Streli Mamba: »Die Leistung war heute überragend. Wir konnten heute unsere Schnelligkeit gut ausnutzen. Leider haben wir am Ende zwei Punkte verloren.«

Statistik

Dortmund: Bürki - Piszczek, Weigl, Hummels, N. Schulz (46. Hakimi) - Dahoud (46. T. Hazard), Witsel - Sancho, Reus, Guerreiro - Alcácer (45.+2 Brandt)

Paderborn: Zingerle - Jans, Kilian, Schonlau, Collins - Gjasula, Vasiliadis (40. Sabiri) - Pröger, Holtmann (62. Antwi-Adjej) - Zolinski (77. S. Michel), Mamba

Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle) - Zuschauer: 81365 (ausverkauft)

Tore: 0:1 Mamba (5.), 0:2 Mamba (37.), 0:3 Holtmann (43.), 1:3 Sancho (47.), 2:3 Witsel (84.), 3:3 Reus (90.+2)

Gelbe Karten: Hummels (3), Weigl (4), Hakimi (3) / Collins (2)

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