So sieht Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner den SC Paderborn
„Unbekümmert, mutig, frech“

Paderborn (WB). Die Hinrunde lief beim SC Paderborn nicht wie erhofft, gute Erinnerungen hat der SCP aber an den VfL Wolfsburg. Im Hinspiel sammelte der Aufsteiger beim 1:1 den ersten Saisonpunkt , am Sonntag (18 Uhr, Benteler-Arena) soll es noch mehr werden.

Freitag, 31.01.2020, 05:00 Uhr
Nach zwei Niederlagen zum Rückrundenstart steht VfL-Trainer Oliver Glasner unter Druck. Foto: dpa
Nach zwei Niederlagen zum Rückrundenstart steht VfL-Trainer Oliver Glasner unter Druck. Foto: dpa

Die Vorzeichen stehen nicht schlecht. Die Gäste leisteten sich mit zwei Niederlagen einen krassen Fehlstart in die Rückrunde und verloren sieben der vergangenen zehn Punktspiele. Matthias Reichstein sprach mit Wolfsburgs Chefcoach Oliver Glasner über die Krise beim VfL, den SC Paderborn und dessen gemeinsame Zeit mit dem Ex-Paderborner Roger Schmidt.

Herr Glasner, für den SC Paderborn hatte das Hinspiel etwas Historisches: Das 1:1 war der erste Bundesligapunkt der Saison. Wie haben Sie das Remis in Erinnerung?

Oliver Glasner: Paderborn spielte mit wahnsinnig viel Tempo in der Offensive, war bei Kontern brandgefährlich und marschierte über 90 Minuten mit einer unglaublichen Intensität. Das Negativste am Spiel für uns war die schwere Verletzung von Xaver Schlager, der sich nach zehn Minuten den Knöchel brach. Einen Tag später gab’s die nächste schlechte Nachricht: Unser Torhüter Koen Casteels hatte sich auch noch einen Haarriss im rechten Wadenbein zugezogen. Auch er fiel mehrere Wochen aus.

Beim SCP sind mit Jamiliu Collins und Klaus Gjasula zwei Stammkräfte gesperrt, Luca Kilian ist verletzt. Was erwarten Sie für ein Spiel?

Glasner: Paderborn lag daheim gegen die Bayern 1:3 zurück, gegen Leipzig und Leverkusen sogar 0:3 – diese Mannschaft gibt in ihrem engen Stadion aber nie auf und versucht immer zurückzukommen. Die Spieler geben nicht nur alles, sie spielen auch immer nach vorne – egal wie der aktuelle Spielstand ist. Genauso erwarte ich den SCP am Sonntag, völlig unabhängig von den Ausfällen.

SCP an Jastrzembski interessiert

Nach Khiry Shelton, Cauly Souza, Michael Ratajczak und Marcel Hilßner verlässt auch Babacar Gueye den SC Paderborn. Der Stürmer (drei Saisoneinsätze) unterschrieb bis 2021 beim Zweitligisten Karlsruher SC. Bis das Transferfenster am Freitag um 18 Uhr schließt, könnte sich personell noch mehr tun. Geschäftsführer Sport Martin Przondziono bestätigte am Donnerstag das Interesse an Dennis Jastrzembski, 19-jähriges Mittelfeldtalent von Hertha BSC. „Wir beschäftigen uns mit ihm, haben aber auch noch zwei, drei andere Kandidaten auf dem Zettel“, sagte er und fügte hinzu: „Aber wenn sich nichts mehr tut, sind wir schon jetzt sehr gut aufgestellt, auch für die nächste Saison.“ Ein vierter Neuer könnte noch kommen, Johannes Dörfler den Verein als Sechster verlassen. Er ist laut Przondziono in Gesprächen mit mehreren Klubs. (pk)

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Wird der kleine Aufsteiger SC Paderborn jetzt anders wahrgenommen?

Glasner: Nein. Vom ersten Tag an spielen sie diesen unbekümmerten, mutigen, manchmal risikoreichen und immer frechen Offensivfußball. So wie ein Aufsteiger in der 1. Liga auftreten muss, so spielt der SC Paderborn.

Der Start ins Fußballjahr 2020 ging mit dem 1:3 in Köln und dem 1:2 gegen Hertha für den VfL Wolfsburg total daneben. Wie beurteilen Sie die Situation?

Glasner: Den Start haben wir uns völlig anders vorgestellt. Zumal wir in unseren letzten Spielen vor der Winterpause gegen Gladbach, Schalke und München durchweg gute Leistungen gezeigt hatten. Wir werden im Moment aber gerade bei Standards mit drei Gegentoren in den vergangenen beiden Spielen bitter bestraft.

Nur 20 Treffer nach 19 Spieltagen, Wout Weghorst ist seit 519 Minuten ohne Tor – liegt das Kernproblem in der Offensive?

Glasner: Ich möchte unsere Probleme im Abschluss nicht an Wout Weghorst festmachen. Er hat siebenmal getroffen und damit genauso viele Tore erzielt als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison, deshalb ist er noch gut dabei. Wir brauchen aber auch andere, die Tore erzielen, haben in jedem Spiel auch klare

Chancen, aber wir verwerten zu wenige davon.

Vorne fehlt die Leichtigkeit, hinten die Lufthoheit?

Glasner: Wir brauchen hinten mehr Stabilität und müssen uns vorne noch mehr Möglichkeiten erarbeiten und effizienter werden. Wir müssen aber aufpassen, dass wir angesichts der Lage nicht in Aktionismus verfallen. Wir haben in der gesamten Hinrunde nur ein Kopfballgegentor hinnehmen müssen, in den zwei Spielen der Rückrunde waren es schon vier. Das ist aber nur eine Momentaufnahme, kein Problem, das uns schon seit Herbst beschäftigt.

Rumort es schon im Klub? Ihr Sportchef Jörg Schmadtke hat in der Winterpause gesagt, dass der VfL in der Rückrunde 30 Punkte plus X holen müsse, um sich wieder für die Europa League zu qualizieren.

Glasner: Fakt ist, dass unsere Erwartungshaltung eine völlig andere war. Die Niederlagen machen uns alle unzufrieden, vom Sportvorstand bis zum Zeugwart. Besonders bitter war das 1:2 gegen Hertha. Die Berliner hatten wir komplett im Griff und schenken dann noch die Punkte her.

Mit welchem Ziel sind Sie in die Rückrunde gestartet?

Glasner: Nach dem Auftakt wäre es falsch, wenn wir jetzt über Ziele reden, die im Mai realisiert werden. Unser kurzfristiges Ziel ist es, in Paderborn zu gewinnen. Das ist keine einfache Aufgabe, aber der ordnen wir alles unter.

Ihr Kollege Friedhelm Funkel wurde am Mittwoch in Düsseldorf entlassen. Zuckt man bei der Meldung kurz zusammen?

Glasner: Ich war zumindest sehr überrascht, zumal er erst vor wenigen Wochen seinen Vertrag verlängert hat. Friedhelm Funkel hat bei der Fortuna Großartiges geleistet. Er war mit Düsseldorf aufgestiegen, hat nach einer überragenden Rückrunde vor einem Jahr den Klassenerhalt geschafft und oft begeisternden Fußball spielen lassen. Diese Entlassung zeigt aber wieder sehr deutlich, wie schnelllebig der Fußball ist.

Sie waren in Salzburg Co-Trainer von Roger Schmidt. Der kam damals gerade aus Paderborn. Wie war die Zeit?

Glasner: Super, wobei der Start schwierig war. Wir verloren direkt in der Champions-League-Quali gegen Luxemburgs Meister Düdelingen. Das war damals eine Riesenblamage und fast wäre deshalb nach nur einer Woche schon alles wieder zu Ende gewesen. Das zweite Jahr war dann mit dem Double-Gewinn überragend. Wir waren Mitte März schon Meister und kamen bis in Achtelfinale der Europa League. Da gab es nur noch schöne Momente.

Sie sind damals aber nicht mit nach Leverkusen gewechselt. Warum nicht?

Glasner: Ich schätze Roger als Trainer und besonders als Mensch. Deshalb gab es bei mir tatsächlich die Überlegung, mit nach Leverkusen zu gehen. Aber am Ende habe ich mich entschieden, als Cheftrainer zu arbeiten und bin zum SV Ried zurückgekehrt.

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