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Do., 12.03.2020

Trainer Baumgart fehlt im Umgang mit dem Coronavirus die Linie Keine klare Kante

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Paderborns Trainer Steffen Baumgart vermisst im Umgang mit dem Coronavirus eine klare politische Führung. „Wir tanzen hier seit Wochen um das Feuer herum, aber keiner trifft eine Entscheidung.“

Auf den Sport bezogen kann der 48-Jährige nicht verstehen, warum in Italien der Spielbetrieb im Fußball ruht, die Deutsche Eishockey-Liga die Saison abbricht, RB Leipzig in der Champions League vor Zuschauern antritt, Borussia Dortmund wiederum in Paris in einem leeren Stadion spielt. „Ich würde mir hier mal eine einheitliche Sprache wünschen. Mein persönlicher Eindruck ist, dass wir hier alle nur rumeiern. Eine Linie erkenne ich nicht.“

Erwartung an die Politik

Die Fußball-EM erst 2021 auszutragen, die Bundesligasaison im Gegenzug sofort zu unterbrechen und dann bis in den freien Juni zu verlängern, wäre eine Möglichkeit. Baumgart will sich an der Suche nach Lösungen, die zumindest im Fußball für etwas Klarheit sorgen könnten, aber nicht beteiligen: „Ich bin Trainer und für meine Mannschaft verantwortlich. Ich möchte mir nicht anmaßen, hier Entscheidungen zu treffen. Aber ich will jetzt von den Leuten etwas hören, die sich alle vier Jahre zur Wahl stellen und an den entscheidenden Hebeln sitzen. Die sollen keine parteipolitischen Spielchen spielen, sondern Kante zeigen.“

Ziemlich klar ist, wie es speziell beim SC Paderborn weitergeht. Wenn sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) am Montag nicht doch noch zu einer kompletten Absage von Bundesligaspieltagen durchringt, müssen die Ostwestfalen die kommenden vier Punktspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolvieren. Die sogenannten Geisterspiele gegen Fortuna Düsseldorf, TSG Hoffenheim, FC Augsburg und Borussia Dortmund hält Baumgart aus „nachvollziehbaren Gründen“ für nötig. Was das für seine Spieler und auch die Fans bedeutet, sagt er aber auch: „In der Bundesliga freuen sich alle auf volle Stadien und eine tolle Atmosphäre. Das alles macht den Fußball aus und genau das wird es wochenlang nicht mehr geben.“

Finanzielle Entschädigung der Fans vorgesehen

Zumindest finanziell sollen die Anhänger entschädigt werden. Wann die Rückabwicklung bereits gekaufter Tickets beginnt, steht noch nicht fest. Geschäftsführer Martin Hornberger hat Kontakt zur Fortuna und dem FC Augsburg aufgenommen, hier soll in der kommenden Woche der Modus bekannt gegeben werden. „Wir wollen das Prozedere so einfach wie möglich gestalten“, sagte Hornberger. Gleiches gilt für die Heimspieltickets gegen Hoffenheim und den BVB, auch hier sollen alle Besucher entschädigt werden. Wobei Hornberger erst die DFL-Tagung abwarten will: „Ich möchte eine Verlegung kompletter Bundesliga-Spieltage noch immer nicht ausschließen.“ Bis dahin bittet der Geschäftsführer von Anrufen beim SCP abzusehen: „Wir werden seit Dienstagnachmittag förmlich überrannt. Sobald alles feststeht, wird umgehend informiert.“

Wenn am Freitagabend (20.30 Uhr, Dazn) der SCP in Düsseldorf aufläuft, ist Baumgart selbst gespannt, wie sein Team reagiert. „Das kann ich überhaupt nicht einschätzen“, meinte der Coach. Wobei einige seiner Profis wie Christian Strohdiek, Sebastian Schonlau oder Ben Zolinski ein bisschen „Erfahrung“ haben:  Im Januar 2017 bestritt der SCP an gleicher Stätte bereits 90 Minuten, ebenfalls ohne Publikum. Das war aber nur ein Test. Der endete 2:2. Ein Ergebnis, das aktuell niemandem helfen würde.

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