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Sa., 14.03.2020

Paderborns Verteidiger Kilian positiv getestet – Entwarnung bei Trainer Baumgart Erster Corona-Fall in der Bundesliga

Innenverteidiger Luca Kilian ist infiziert.

Innenverteidiger Luca Kilian ist infiziert. Foto: Starke

Von Matthias Reichstein

Düsseldorf/Paderborn (WB). Jetzt hat auch die 1. Liga ihren ersten Corona-Infizierten. Wie der SC Paderborn am späten Freitagabend in einer Pressemitteilung bekannt gab, ist Innenverteidiger Luca Kilian positiv auf das Virus getestet worden. Der 20-jährige Senkrechtstarter beim Bundesliga-Schlusslicht hatte sich Ende Januar einen Sehnenanriss im rechten Oberschenkel zugezogen und war erst am 3. März wieder ins Teamtraining eingestiegen. Ob die gesamte Mannschaft nun für 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden muss, wird sich am Wochenende entscheiden.

Als erste Reaktion kündigte der Verein an, er werde „in enger Abstimmung mit den Behörden vor Ort umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus einleiten“. Konkret geht der SCP nun so vor: Am Samstag werden sich die Spieler und alle Mitglieder des Funktionsteams einem Test unterziehen. „Die Gesundheit unserer Spieler und Mitarbeiter hat weiterhin absoluten Vorrang. Wir werden alles tun, um die Erkrankung im Rahmen zu halten und unseren Spielern und Mitarbeitern die bestmögliche medizinische Versorgung und Betreuung zukommen lassen“, wird Manager Martin Przondziono auf der Homepage des Klubs zitiert. Die Maßnahme hatte der SCP übrigens schon vor der Kilian-Diagnose beschlossen. „Wir möchten die Spieler mit einem guten Gewissen in die nun folgende spielfreie Zeit schicken“, hatte Baumgart das Vorgehen da noch so erklärt.

Dieser Freitag der 13. wird in die Geschichte des SC Paderborn eingehen. Am Nachmittag twitterte der SCP um genau 15.20 Uhr noch: „Wunderbare Nachricht von unserem Coach: Steffen ist negativ getestet.“ Bis dahin hatte bereits der 48-jährige Baumgart mit Verdacht auf das Coronavirus fast fünf Stunden alleine in seinem Zimmer im Düsseldorfer Hilton verbracht, „Diese Ungewissheit packt einen. Das wünsche ich keinem“, sagte Baumgart. Wenig später verlegte die Deutsche Fußball Liga (DFL) auch den 26. Spieltag und setzte damit die Paderborner Partie am Abend bei der Fortuna ab. Der gesamte Spielbetrieb ruht zunächst bis zum 2. April.

Bereits bei der Teamsitzung am Donnerstagabend hatte Steffen Baumgart Corona-typische Symptome gezeigt. „Meine Spieler meinten da schon, ich würde nicht gut klingen“, sagte Paderborns Trainer am Freitag dem WESTFALEN-BLATT. Baumgart: „Mir ist selbst erst mal gar nichts aufgefallen. Ich bin auch kein Grippetyp, bin dann aber doch sehr früh ins Bett gegangen“.

Am Freitagmorgen hatte sich sein Gesundheitszustand nicht gebessert, deshalb nahm der SCP in Person von Teammanager Ole Siegel sehr schnell Kontakt zu den Fortunen auf. Die medizinische Abteilung des Liga-Konkurrenten half dann auch sofort und nahm im Hotelzimmer den Abstrich vor. Parallel dazu wurde Baumgarts Tochter Fiona als erste Vorsichtsmaßnahme in Berlin aus der Schule genommen. Danach begann für Baumgart die lange Zeit des Wartens: „Bin ich der Wirt? Bin ich Opfer? Bin ich schuld? Wie viele Leute habe ich vielleicht schon angesteckt? In diesen Stunden kreisen die Gedanken um alles, nur nicht um Fußball.“

Doch nicht nur Paderborns Fußballlehrer zeigte Symptome, auch Kilian wurde getestet. Das Ergebnis ist seit Freitagabend bekannt. Bereits am Donnerstag war schon Uwe Hünemeier untersucht worden, auch er soll über Corona-typische Symptome geklagt haben, auch hier war das Ergebnis negativ. Der Befund lautete „viraler Infekt“.

Das Präsidium der DFL hatte zunächst am Freitagvormittag eine Aussetzung des Spielbetriebs in der Bundesliga und der 2. Liga ab Dienstag vorgeschlagen. Am Nachmittag folgte dann die Komplett-Absage auch für dieses Wochenende. Manager Martin Przondziono hatte dafür schon im Vorfeld plädiert: „Unsere Spieler haben Zukunftsangst. Die beschäftigen sich mit ganz vielen Dingen, aber bestimmt nicht damit, wer heute Abend die Ecken schießt.”

Dass sich die DFL so lange so schwer mit einer sofortigen Absage tat, stieß bei den SCP-Offiziellen nur auf wenig Verständnis: „Es geht natürlich um ganz viel Geld. Aber an allerster Stelle sollte die Gesundheit stehen“ sagte Przondziono. Geschäftsführer Martin Hornberger meinte: „Die DFL will Zeit gewinnen. Alle Entscheidungen, die wir am Montag treffen, werden daher mit Sicherheit nicht die letzten sein.”

Nach Informationen dieser Zeitung verliert die DFL mit ihren 36 Klubs in der 1. und 2. Liga nach ersten Berechnungen zwischen 60 und 80 Millionen Euro pro Spieltag. Baumgart hält die Absage dennoch für richtig: „Wir müssen endlich Fakten schaffen und damit Ruhe reinbringen“, sagte er und ergänzte mit Blick auf den aktuellen Spieltag: „Wir standen im ständigen Austausch mit der Fortuna und es wäre für beide Mannschaften äußerst schwierig geworden, auch nur etwas einigermaßen Vernünftiges hinzukriegen.“

Wie geht es jetzt weiter? „Auf diese Frage müssen wir ab Montag Antworten finden“, sagte Hornberger und verwies damit auf die außerordentliche DFL-Tagung in Frankfurt/Main. Eine mögliche Variante wäre, die EM 2020 abzusagen und den Spielbetrieb der Bundesliga bis Ende Juni laufen zu lassen. „Viele Stadien sind allerdings im Sommer für Open-Air-Konzerte gebucht worden“, gibt Hornberger zu Bedenken. Probleme gäbe es auch in Paderborn: Im Juni soll der große Arena-Umbau fortgesetzt werden.

Der SCP hatte bereits die Geschäftsstelle und den Fan-Shop geschlossen. Außerdem stellte das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Vereins den Spielbetrieb für alle Mannschaften ein.

 

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