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Mo., 16.03.2020

Teil des Teams unter Quarantäne gestellt – Luca Kilian geht es besser Der SC Paderborn schottet sich ab

Das Trainingszentrum des SC Paderborn bleibt für mindestens zwei Wochen geschlossen.

Das Trainingszentrum des SC Paderborn bleibt für mindestens zwei Wochen geschlossen. Foto: Besim Mazhiqi

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Der leere Parkplatz vor dem Trainingsgelände des SC Paderborn war am Sonntag nur das äußere Zeichen: Der Fußball-Bundesligist schottet sich total ab. Der Trainingsbetrieb ruht für die kommenden zwei Wochen, die zentralen Anlaufstellen wie Geschäftsstelle und Fanshop wurden auf unbestimmte Zeit geschlossen. „Wir müssen unsere Spieler, Mitarbeiter, Mitglieder und Fans schützen”, begründete Geschäftsführer Martin Hornberger die Maßnahmen. Das Coronavirus bestimmt nun den Alltag beim Liga-Schlusslicht.

Bereits in der Nacht zum Samstag hatte der Klub erste Schritte zur Bekämpfung des Virus eingeleitet. Die Mannschaft war nach der Absage des Bundesligaspiels bei Fortuna Düsseldorf gerade auf der Rückreise, als die Nachricht vom positiv getesteten Innenverteidiger Luca Kilian den Verein erreichte. „Der ganze Tag glich irgendwie einem Thriller. Erst stand unser Trainer unter Verdacht, dann die Angst der Spieler, vielleicht zwei Wochen in einem Düsseldorfer Hotel unter Quarantäne bleiben zu müssen, irgendwann folgte die Nachricht, dass Steffen Baumgart fit ist und schließlich folgte die Spielabsage – das war surreal“, fasste Manager Martin Przondziono gestern noch einmal den für Paderborn so folgenschweren 13. März zusammen.

Noch in der Nacht bildete der SCP einen Krisenstab, besprach sich mit dem Gesundheitsamt und versuchte eine Liste der Personen zusammenzustellen, mit denen Kilian in den vergangenen zehn Tagen Kontakt hatte. Am Samstagvormittag machte Mannschaftsarzt Dr. Hans Walter Hemmen 45 Tests und nahm dabei einen Rachen- und Nasenabstrich vor, um mögliche Infizierte zu ermitteln. Mit ersten Ergebnissen rechnet der Mediziner aber frühestens am Mittwoch: „Unsere Labore sind restlos überlastet. Was Material und Personal angeht, arbeiten sie an der Kapazitätsgrenze.” Außerdem werden zurzeit Abstufungen vorgenommen. Da stehen Bundesliga-Profis ausnahmsweise nicht ganz oben, sondern richtigerweise Patienten auf Intensivstationen.

Der komplette Kader, der Trainerstab, der gesamte Staff (Koch, Physios, Zeugwart usw.) wurden von Dr. Hemmen untersucht. „Wir wollten absolut auf Nummer sicher gehen”, begründete er und veranlasste sofort erste Konsequenzen: Für 20 Personen, die seit dem 5. März mit dem seit Ende Januar verletzten Kilian (Sehnenanriss im hinteren rechten Oberschenkel) in engem Kontakt standen, gilt ab sofort eine zweiwöchige häusliche Quarantäne. Das heißt: ein Verbleib in der Wohnung und die Einhaltung eines Mindestabstandes von zwei Metern zu anderen Personen. Auch wenn keine weitere Erkrankung festgestellt werden kann, gilt die Maßnahme, da das Virus nach aktuellem Wissensstand innerhalb von 14 Tagen ausbrechen und somit womöglich auch erst später nachgewiesen werden kann. Bei allen potenziell Corona-Infizierten wird der SCP außerdem einen zweiten Test durchführen lassen.

Für die kommenden zwei Wochen wird zudem auch mit dem Training ausgesetzt. Den Profis wurden Spinning-Bikes nach Hause geliefert, dazu neue Übungspläne. „Bislang zeigt aber keiner meiner Spieler irgendwelche Symptome“, versicherte Trainer Steffen Baumgart, der auch fast täglich mit Kilian in Kontakt steht: „Er hatte Schüttelfrost und hohes Fieber, ist aber auf dem Weg der Besserung.”

Und wie gehen die übrigen Profis des SC Paderborn mit der Situation um? Außenstürmer Christopher Antwi-Adjei verfolgte das gesamte Geschehen zunächst aus der Ferne und war dann doch mittendrin. Der 26-Jährige hatte sich bei der 1:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln eine Zerrung im rechten Oberschenkel zugezogen und zählte deshalb am Freitag nicht zum Kader, stand aber mit seinen Kollegen in ständigem Kontakt und wurde am Samstag auch getestet. „Diese Ungewissheit ist besonders schlimm. Nicht zu wissen, ob und wann du wieder nach Hause darf, das belastete meine Mitspieler schon sehr.”

Der Linksaußen zählt auch nicht zu den Profis, die unter Quarantäne stehen, die momentan ungeklärte Situation nervt den Nationalspieler Ghanas aber auch: „Mehr als zuhause rumhängen, spazieren gehen und ein bisschen trainieren geht nicht. Deshalb bin ich froh, wenn am Mittwoch endlich das Ergebnis vom Test da ist.”

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