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Fr., 20.03.2020

SC Paderborn: keine weiteren Corona-Fälle – Geschäftsführer tagen Negativ ist positiv

Paderborns Manager Martin Przondziono (links) und Geschäftsführer Martin Hornberger.

Paderborns Manager Martin Przondziono (links) und Geschäftsführer Martin Hornberger. Foto: Thomas F. Starke

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Bange Tage liegen hinter dem Fußball-Bundesligisten SC Paderborn. Nach dem positiven Corona-Test bei Luca Kilian (20) hatte sich der Klub seit vergangenen Samstag komplett abgeschottet und den gesamten Kader plus Funktionsteam testen lassen. Die Analysen der 45 Proben ergaben keinen weiteren Befund. Alle Tests waren negativ.

„Die Erleichterung ist groß, weil die Anspannung auch entsprechend hoch war“, sagt Manager Martin Przondziono. Damit kann die Quarantäne aber nur zum Teil aufgehoben werden. Etwa 15 Betroffene, die mit Kilian direkten Kontakt hatten (gleiche Trainingsgruppe, gemeinsam gegessen oder Karten gespielt) und auch Mitglieder des Staffs, bei denen der lange verletzte Innenverteidiger (Sehnenanriss im rechten Oberschenkel) in Behandlung war, bleiben noch eine Woche isoliert. „Wir halten uns da sehr akribisch an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und des Gesundheitsamtes“, macht Mannschaftsarzt Dr. Hans Walter Hemmen deutlich.

Damit könnte der SCP nächste Woche das Mannschaftstraining zumindest zu einem Teil wieder aufnehmen, allerdings steht dem Liga-Letzten kein Trainingsplatz zur Verfügung. Die Stadt Paderborn hatte vergangene Woche wegen der Ausbreitung des Coronavirus alle öffentlichen und privaten Anlagen gesperrt, nun muss der SCP eine Sondererlaubnis beim Ordnungsamt beantragen. „Das ist eins der Themen unserer Tagung am Freitag“, sagt Przondziono. Der 50-Jährige trifft sich mit seinen Geschäftsführer-Kollegen Martin Hornberger sowie Ralf Huschen. Weitere Punkte des Meetings werden die vorläufige Liga-Pause bis zum 2. April sein und die finanzielle Situation. „Da gibt es keine Denkverbote“, sagt Przondziono. So wird auch das brisante Thema „Gehaltsverzicht” auf die Agenda kommen. Die Profis von Borussia Mönchengladbach gingen da gestern mit gutem Beispiel voran, andere Erstligisten werden folgen. Ob dazu auch der SCP gehört, lässt der Manager offen: „Das Beispiel Gladbach finde ich gut, aber jeder Verein ist anders strukturiert. Wir werden aber eine Analyse vornehmen.“

240 Mitarbeiter beim SCP

Wobei die Spieler eine Verantwortung gegenüber dem Gesamtverein tragen. Der SCP verfügt vom Profi bis zum Minijobber mittlerweile über knapp 240 Mitarbeiter. Kurzarbeit hat Hornberger angesichts der finanziellen Lage aber noch nicht beantragt: „Zurzeit werden bei uns Überstunden und Urlaub abgebaut. Ob wir noch zu anderen Maßnahmen greifen müssen, werden die nächsten Monate zeigen.“ Er geht aktuell davon aus, dass frühestens Ende April wieder der Ball in der Bundesliga rollt. Das würde aus seiner Sicht reichen, die Liga – wenn auch nur mit Geisterspielen – zu einem Abschluss zu führen. Hornberger: „Das muss unser Ziel sein. Das Wirtschaftsunternehmen Bundesliga beschäftigt direkt und im engen Umfeld 70.000 Mitarbeiter. Diese Jobs sind in Gefahr, wenn wir nicht mehr antreten.“ Die wirtschaftliche Notwendigkeit sieht auch Przondziono, ist aber skeptischer: „In den kommenden Tagen werden weitere Erstligisten infizierte Spieler melden. Dann geht bei denen alles erst noch los, was wir gerade hinter uns haben. Und wir verlieren immer mehr Zeit.“ Auch Cheftrainer Steffen Baumgart ist nur verhalten optimistisch: „Grundsätzlich hört sich alles ganz gut an. Aber noch wissen wir nicht einmal, wann wir wieder wo trainieren können. Da sollten wir noch nicht an die Fortsetzung der Bundesliga denken.“

Der 48-Jährige startete gestern übrigens mit einem Rundruf an seine Spieler: „Ich habe von einigen fast eine Woche lang nichts mehr gehört, mal sehen, was die Jungs so zu erzählen haben.“ Sie werden auf jeden Fall aufatmen und zumindest für einen Augenblick auch mal durchatmen.

 

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