Paderborns Innenverteidiger Luca Kilian war mit dem Coronavirus infiziert
„Ich hatte Angst“

Paderborn (WB). Er ist erst 20 Jahre alt, hat aber schon ein Kapitel Bundesliga-Geschichte geschrieben, auf das er gerne verzichtet hätte: Luca Kilian wurde als erster Profi aus der Fußball-Bundesliga positiv auf Sars-CoV-2 getestet . Mit dem Innenverteidiger des SC Paderborn sprach Matthias Reichstein über die Krankheit, die Bundesliga und Olympia in Tokio. Der U21-Nationalspieler nutzte die Gelegenheit auch zu einem sehr eindringlichen Appell.

Sonntag, 22.03.2020, 15:00 Uhr
Paderborn Luca Kilian (rechts), hier im Duell mit Leipzigs Timo Werner. Foto: Thomas F. Starke
Paderborn Luca Kilian (rechts), hier im Duell mit Leipzigs Timo Werner. Foto: Thomas F. Starke

Herr Kilian, die wichtigste Frage zu Beginn: Wie geht es Ihnen?

Kilian: Mittlerweile bin ich auf dem Weg der deutlichen Besserung. Das Virus klingt gerade ab, ich denke am Montag bin ich wieder topfit.

Wie muss man sich so einen Krankheitsverlauf vorstellen?

Kilian: Es fing am 10. März mit einem ganz leichten Kratzen im Hals an, da hatte ich noch nicht einmal Husten. Einen Tag später bekam ich Kopfschmerzen, habe aber weiter trainiert. Am 12. März bekam ich die ersten Hitzeattacken, bin dann direkt zu unserem Mannschaftsarzt Dr. Hans Walter Hemmen gefahren der umgehend einen Test anordnete. Noch einen Tag später wurde es dann richtig heftig. Ich bekam Fieber, Schüttelfrost und Zitterattacken. In dieser Phase hatte ich dann auch zum ersten Mal Angst. Erst weitere vier Tage später ging endlich das Fieber runter und von da an ging es mir jeden Tag besser.

Wurden Sie im Krankenhaus behandelt?

Kilian: Ich bin am 12. März noch nach Dortmund zu meinem Eltern gefahren und habe mich in meinem alten Kinderzimmer einquartiert. Da hatte ich aber noch nicht das Testergebnis, sondern nur diese eigentlich typischen Grippesymptome. Dann kam am Freitag die Diagnose. Meine Mutter ist Krankenschwester, hat mich dann so gut es geht isoliert und bei Beachtung der Hygienevorschriften um mich gekümmert. Wenn ich alleine in Paderborn geblieben wäre, wäre ich ins Krankenhaus gegangen.

Was schießt einem durch den Kopf, wenn man positiv auf das Corona-Virus getestet wird?

Kilian: Dieser heftige Verlauf deutete schon ein bisschen darauf hin, dass ich keine normale Grippe habe. Deshalb hatte ich ein wenig Zeit, mich gedanklich darauf vorzubereiten. Wenn dann der Ernstfall eintritt und man ist davon betroffen, bekommt man so ein Angstgefühl, das ich auch in den nächsten Tagen mit mir rumgeschleppt habe. Denn da ging es mir täglich immer schlechter. Erst als ich spürte, dass mein Körper gut gegen dieses Virus arbeitet, wurde es besser.

Wer gibt in so einer schweren Phase die Kraft?

Kilian: An erster Stelle natürlich die Familie und die Freunde. Aber auch der Zuspruch über die sozialen Netzwerke war riesig. Meine Teamkollegen haben sich über Facetime gemeldet, das alles hat mich persönlich gefreut und war eine prima Unterstützung.

Jetzt sind Sie gesund und haben als erster positiv getesteter Bundesliga-Profi Geschichte geschrieben.

Kilian: Das braucht man nicht und dieses Virus wünsche ich keinem. Da möchte ich auch an alle appellieren: Nehmt die Anweisungen der Politiker und Ärzte ernst. Haltet Abstand, haltet die Hygienevorschriften ein und geht nicht auf Corona-Partys, das ist völliger Schwachsinn. Bleibt jetzt einfach mal für ein paar Wochen mit dem Hintern zu Hause und kauft auch nur das Nötigste ein. Sonst werden wir keine Chance haben, das Virus einzudämmen. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Ich bin Sportler und fit, hatte aber sehr schwer mit dem Virus zu kämpfen. Für Menschen mit Vorerkrankungen kann das deshalb lebensbedrohlich sein.

Sie haben jetzt zehn Tage gegen das Virus gekämpft. Glauben Sie nach dieser Erfahrung, dass die Bundesliga-Saison noch zuende gespielt wird?

Kilian: Mit dieser Krankheit ist nicht zu spaßen und wir sollten erst wieder spielen, wenn die Gefahr gebannt ist. Aber selbst dann kann ich mir nur vorstellen, dass wir ohne Zuschauer die letzten Spieltage durchführen.

Wobei Sie sich auch bei ihrem Gegner oder Mitspieler anstecken können.

Kilian: Die 100-prozentige Sicherheit habe ich nicht, aber solange das Virus nicht mutiert, bin ich immun. Da bin ich froh, denn noch einmal möchte ich das nicht durchstehen. Die Entscheidung, ob noch gespielt wird, sollte man daher sehr überlegt fällen. Denn das Gefährliche ist, dass viele Überträger sind, ohne zu wissen, dass sie das Virus in sich tragen.

Die EM ist abgesagt, die Olympischen Spiele noch nicht. Als Stammspieler Olympiaauswahl – wie groß ist die Hoffnung auf die Spiele in Tokio?

Kilian: Auch ein ganz schwieriges Thema. Die Spiele beginnen erst am 24. Juli, vielleicht haben wir es bis dahin geschafft, das Virus weltweit einzudämmen. Die große Hoffnung habe ich, denn die Olympischen Spiele sind ein großer Traum von mir.

Mit Sorge betrachten ganz viele Menschen auch die wirtschaftlichen Folgen für unser Land. Wie nehmen Sie das wahr?

Kilian: Fast hautnah. Meine Mutter hat einen kleinen Antiquitäten-Laden und musste nun ebenfalls schließen. Da bin ich mal sehr gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

Müssen auch die Profis einen finanziellen Beitrag zu den Folgen der Coronakrise leisten und auf Teile ihres Gehalts verzichten?

Kilian: Ich bitte um Verständnis, aber das war für mich in den vergangenen Tagen nicht das Thema, das ganz oben stand. Aber grundsätzlich finde ich schon mal die Aktion von Joshua Kimmich und Leon Goretzka gut, die eine Spendeninitiative gegründet haben, um während der Corona-Krise soziale und karitative Einrichtungen zu unterstützen.

Luca Kilian war der Senkrechtstarter 2019, 2020 waren sie erst verletzt und dann schwer krank. Wir beurteilen Sie die ersten drei Monate?

Kilian (lacht): Holprig.

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