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Do., 26.03.2020

Paderborner Profis verhandeln mit Geschäftsführung Gehaltsverzicht signalisiert

Die Geschäftsführer Martin Przondziono und Martin Hornberger wollen auch auf einen Teil ihrer Bezüge verzichten.

Die Geschäftsführer Martin Przondziono und Martin Hornberger wollen auch auf einen Teil ihrer Bezüge verzichten. Foto: Thomas F. Starke

Von Matthias Reichstein

Paderborn (WB). Führung und Spieler des Fußball-Bundesligisten SC Paderborn sind angesichts der Corona-Krise zu einem Gehaltsverzicht bereit. Gespräche mit der Geschäftsleitung und dem Mannschaftsrat des SCP laufen. „Wir werden keine Schnellschüsse machen, sondern alles in Ruhe diskutieren“, sagte Manager Martin Przondziono.

Der SCP hatte im Verlauf der Jahreshauptversammlung für die aktuelle Spielzeit einen Umsatz in Höhe von 50 Millionen Euro angepeilt. Die Personalkosten sollen bei 25 Millionen Euro liegen.

Drei Monate Laufzeit im Gespräch

Über die Höhe oder die Laufzeit der Gehaltskürzung wollte Przondziono nichts sagen: „Ich will keinem Verein zu nahe treten, aber bei uns verdient kein Spieler 15 Millionen Euro im Jahr. Wir können auch niemanden zum Verzicht zwingen. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir eine ordentliche Lösung hinbekommen.“ Neben den Spielern sollen auch Trainerstab und Staff ihre Bereitschaft signalisiert haben, reduzierte Bezüge zu akzeptieren, ebenso das Geschäftsführer-Trio mit Przondziono, Martin Hornberger und Ralf Huschen.

Nach Informationen dieser Zeitung wird die mit dem Spielerrat zu verhandelnde Laufzeit drei Monate (April bis Juni) betragen. Die Vertretung der Profis, zu der Kapitän Christian Strohdiek, Stellvertreter Uwe Hünemeier, Leopold Zingerle, Sebastian Schonlau und Klaus Gjasula zählen, ist bereit, auf zehn Prozent des Grundgehalts zu verzichten. Eine Bestätigung gab es dafür nicht. Was das in Summe ausmachen würde, ist nicht so genau zu ermitteln.

Noch nicht das Ende der Fahnenstange

Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle und des Nachwuchsleistungszentrums werden von dieser Regelung ausgeklammert. Sollte der Spielbetrieb noch länger ausgesetzt werden und auch Geschäftsstelle sowie Fanshop geschlossen bleiben, könnte hier allerdings Kurzarbeit drohen.

Die Bundesligisten kommen in finanzielle Schwierigkeiten, weil bis mindestens Ende April kein Spiel stattfindet und obendrein noch niemand weiß, ob die am 13. März unterbrochene Saison überhaupt fortgesetzt werden kann. „Die von der DFL empfohlene Pause wird noch nicht das Ende der Fahnenstange sein“, glaubt Hornberger. Der 58-Jährige rechnet mit einem sehr kompakten Spielplan von Mitte Mai bis Ende Juni, ausschließlich Englischen Wochen und ist sicher: „Mit Zuschauern wird es in dieser Saison keine Bundesliga-Partie geben.“

Hornberger erwartet Antworten am 31. März

Dem SCP gehen bei vier noch ausstehenden Heimspielen knapp 1,5 Millionen Euro an Eintrittsgeldern verloren. Sollte der Ball gar nicht mehr rollen, rechnet beim SCP auch kaum noch jemand damit, dass die letzte TV-Rate (Paderborn bekommt noch acht Millionen Euro) ausgezahlt wird. „Ich kenne die Verträge nicht, aber wenn ein Partner keine Leistung bringt, dann muss der andere auch nicht zahlen“, sagt Hornberger, der aber eine andere Idee ins Spiel bringt: „Vielleicht kommt die letzte Rate als Vorgriff auf die neue Saison.“ Am 31. März soll die nächste Mitgliederversammlung der 36 Profiklubs stattfinden, Hornberger erwartet dort Antworten: „Die DFL wird uns ein vernünftiges Paket präsentieren.“

In der zweiten Aprilwoche wird der SCP auch seinen Sponsoren, Dauer- und Tageskartenkunden Angebote unterbreiten. Ziel ist es, dass die Werbepartner ihre zugesagten Gelder nicht wegen der Geisterspiele reduzieren. Der Verein will ebenfalls, dass möglichst viele Karten-Kunden ihr Geld für die gekauften Tickets nicht zurückfordern. Hornberger verspricht im Gegenzug: „Wir werden unseren Kunden ein rundes Angebot liefern.“

Kommentare

10 % Gehaltverzicht

Die Spieler beim SC Paderborn verdienen nun wirklich keine Millionen aber dennoch ausreichend viel um auch einen größeren Beitrag leisten zu können. Wenn man von den Fans, Dauerkartenbesitzern, Sponsoren und Co. erwartet, dass man das ganze Geld beim SCP belässt und selbst nur auf drei Monate befristet 10 % Verzicht zu üben bereit ist, passt dies einfach nicht zusammen. Mancher Arbeitnehmer mit 60 % Netto in Kurzarbeit aber vorhandener Dauerkarte dürfte hier einfach nur mit dem Kopf schütteln. Es zeigt aber gewissermaßen auch, welche Anspruchshaltung teilweise einfach zu existieren scheint. Ich könnte jedenfalls verstehen, wenn dann einige auf ihr Geld zurück bestehen.

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