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Sa., 16.05.2020

Paderborns Kapitän Strohdiek über den Re-Start und die wichtigste Partie der Saison „Wir spielen nicht gegen das Virus“

Bereit zum großen Wurf: Christian Strohdiek will mit Paderborn noch den Klassenerhalt schaffen. Am Samstag gastiert er mit dem SCP in Düsseldorf.

Bereit zum großen Wurf: Christian Strohdiek will mit Paderborn noch den Klassenerhalt schaffen. Am Samstag gastiert er mit dem SCP in Düsseldorf. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB). Seit der Jugend spielt Christian Strohdiek fast ausnahmslos für den SC Paderborn. Der Kapitän hat alle Höhen und Tiefen erlebt, kein anderer seiner Mitspieler kennt den Klub daher so gut wie der 32-Jährige. Am Samstag (15.30 Uhr, Sky) ist der Innenverteidiger mit dem SCP in Düsseldorf zu Gast. Für Strohdiek, der auch ein Jahr das Trikot der Fortunen trug, sind es aber nicht nur deshalb ganz besondere 90 Minuten, wie er Matthias Reichstein verriet.

Herr Strohdiek, vor acht Wochen waren Sie auch in Düsseldorf. Damals lag Trainer Steffen Baumgart krank im Bett und Luca Kilian hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Wie groß war die Angst?

Christian Strohdiek: Angst? Das ist ein großes Wort. Ich würde es rückblickend eher als mulmiges Gefühl beschreiben. Das lag sicher auch daran, dass die Pandemie für uns an diesem beschriebenen 13. März erst anfing und wir noch gar nicht einschätzen konnten, was da für eine Welle auf uns zurollt.

 

Jetzt versucht die Liga den Re-Start. Haben Sie keine Angst, sich zu infizieren?

Strohdiek: Es wird im Umfeld alles dafür getan, um uns Spieler nicht zu gefährden. Wir müssen mit den Umständen umgehen, das tun wir seit einigen Wochen sehr gewissenhaft und die getroffenen Maßnahmen zeigen auch ihre Wirkung. Aber eins ist auch klar: Die 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.

 

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Der Verein tut alles und die Vorsichtsmaßnahmen sind aus meiner Sicht so gut, dass ich im Moment mehr gefährdet wäre, wenn ich einkaufen gehen würde.

Christian Strohdiek

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Hätten Sie sich gewünscht, dass auch die Spieler ein Mitspracherecht gehabt hätten? Schließlich könnte schon eine Infizierung für Leistungssportler das Ende der Karriere bedeuten.

Strohdiek: Das ist ein schwieriges Thema. Je mehr mitreden, desto mehr Meinungen prallen aufeinander. Wir sind als Spieler Angestellte des Vereins und dem SC Paderborn vertrauen wir. Der Verein tut alles und die Vorsichtsmaßnahmen sind aus meiner Sicht so gut, dass ich im Moment mehr gefährdet wäre, wenn ich einkaufen gehen würde.

 

Luca Kilian hat sehr offen über seine Erkrankung gesprochen. Hat das geholfen?

Strohdiek: Seine Aussagen haben zusätzlich sensibilisiert, zumal der Verlauf einer Infektion sehr individuell ist. Manche sind infiziert und spüren nichts von dem Virus, andere werden schwer krank. Lucas Geschichte hat allen Beteiligten bewusst gemacht, wie ernst man dieses Virus nehmen muss.

 

Die Kritik am Neustart der Bundesliga fällt zum Teil sehr harsch aus. Die Gewerkschaft der Polizei sprach von „neuen Infektionsherden“ und einer „Gefahr für die Einsatzkräfte“.

Strohdiek: Diese Pandemie wird nach wie vor von vielen Fragezeichen begleitet, entsprechend hoch ist bei vielen Menschen die Verunsicherung. Dass dann der weltweit erste Start einer Profiliga zusätzlich polarisiert, kommt für mich nicht überraschend. Wir sind froh, dass wir unseren Job wieder ausüben dürfen, darauf konzentrieren wir uns. Die Entscheidung, dass die Liga fortgesetzt werden darf, hat die Politik getroffen. Und bislang hat uns unsere Regierung aus meiner Sicht auch gut durch die Krise geführt.

 

Sie haben jetzt eine Woche Quarantäne hinter sich. Wie gut vorbereitet fühlen Sie sich?

Strohdiek: Für uns war es wichtig, endlich ein Ziel zu haben, auf das wir hinarbeiten konnten: 16. Mai, Anstoß um 15.30 Uhr in Düsseldorf – das ist unser Fixpunkt. Vorher wusste niemand, wohin die Reise geht, jetzt haben wir gezielt darauf hingearbeitet und werden topfit ins Spiel gehen.

 

Was erwarten Sie für ein Spiel? Weniger aggressive Zweikämpfe? Weniger Körperkontakt?

Strohdiek: Wir spielen nicht gegen das Virus, wir spielen gegen Fortuna Düsseldorf. Deshalb wird es von der ersten Minute an voll zur Sache gehen. Wir kämpfen endlich wieder um drei Punkte, darauf haben wir alle gewartet und deshalb treten wir an.

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Diese 90 Minuten sind für uns natürlich wichtig für die gesamte Rest-Saison.

Christian Strohdiek

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Geld schießt Tore – das ist bekannt. Aber kommt es jetzt nicht auch darauf an, welche Mannschaft die neue Situation mit den Geisterspielen am besten annimmt?

Strohdiek: Ganz klar. Die Fans, die sonst mitgeholfen haben, unser Spiel in die richtige Richtung zu lenken, dürfen nicht kommen. Wir sind deshalb auf uns allein gestellt. Wer bisher auch ein Stück von den Fans getragen wurde, der muss ganz schnell umdenken. Sich darauf einzustellen, ist schwierig, aber wir packen das. Dafür muss allerdings jeder seinem Mitspieler noch mehr zur Seite stehen.

 

Ein Blick auf die Tabelle reicht, um die Bedeutung der 90 Minuten zu erkennen. Ist dieser Neustart bei Ihrem Ex-Klub ein Schlüsselspiel?

Strohdiek: Diese 90 Minuten sind für uns natürlich wichtig für die gesamte Rest-Saison. Fortuna Düsseldorf ist ein direkter Konkurrent, den wir mit einem Sieg näher ranholen können. Aber es gibt danach noch acht weitere Spiele, in denen wir punkten können.

 

Ausgelassenen Torjubel sollen sich die Spieler in den kommenden Wochen verkneifen. Müssen Sie als Kapitän dann der Spielverderber sein?

Strohdiek: Das lasse ich mal alles auf mich zukommen. So etwas kann man auch nicht planen. Die Empfehlung der DFL habe ich gelesen. Die Praxis wird zeigen, wie sich das alles umsetzen lässt.

 

Am 30. Juni soll Saisonschluss sein. Reicht die Zeit?

Strohdiek: Ich gehe davon aus, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Darauf bereite ich mich seit Wochen vor. Ich beschäftige mich aber nicht damit, wann das sein wird.

 

Und der SC Paderborn steht am Ende der Saison auf Rang...?

Strohdiek: ...auf jeden Fall über dem Strich. Wenn ich die Garantie hätte, dass wir die Relegation erfolgreich überstehen, dann würde ich auch Rang 16 nehmen.

 

Das klingt optimistisch. Wie sicher sind Sie denn, dass Sie auch Ihre Laufbahn beim SCP beenden werden?

Strohdiek: Wie sieht der Fußball künftig aus? Wann dürfen die Zuschauer wieder ins Stadion? Welche Vereine überstehen die Krise? Die Corona-Pandemie stellt im Moment viele Fragen und gibt nur wenige Antworten. Meine Zukunft ist zunächst bis zum 30. Juni 2021 gesichert, darüber bin ich sehr froh. Danach möchte ich noch weiter Fußball spielen – und das sehr gerne in Paderborn.

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