Punkt geholt, aber zufrieden ist der SC Paderborn mit dem 0:0 in Düsseldorf nicht
„Gemischte Gefühle“

Düsseldorf (WB). Es läuft die 87. Minute in der Düsseldorfer Arena. Gastgeber Fortuna ist der Verzweiflung nah, hätte nach drei Aluminiumtreffern von Valon Berisha (2) und Steven Skrzybski sowie einer weiteren Großchance von Kapitän Kaan Ayhan (Außennetz) längst führen müssen. Dann macht sich der eingewechselte Paderborner Gerrit Holtmann auf der linken Seite auf die Reise, flankt punktgenau in die Mitte, wo Christopher Antwi-Adjei den Ball nur noch zum Sieg einschieben muss. Doch „Jimmy“ setzt die Kugel über den Kasten von Keeper Kastenmeier. So steht am Ende kein Dreier, sondern die erste Paderborner Nullnummer in dieser Saison . Immerhin war es das erste Remis nach zuvor vier Niederlagen am Stück.

Montag, 18.05.2020, 08:03 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 08:10 Uhr
Männer mit Maske: Die beiden Trainer Steffen Baumgart (links) und Uwe Rösler im Austausch. Foto: dpa
Männer mit Maske: Die beiden Trainer Steffen Baumgart (links) und Uwe Rösler im Austausch. Foto: dpa

„Das war ein Riese, viel näher kommst du nicht vors Tor. So einer darf dann auch mal reingehen. Ich habe gedacht, was für eine Sch...“, kommentierte Steffen Baumgart die Szene kurz vor dem Abpfiff. Doch Paderborns Trainer ist fair genug, die Bewertung eines Spiels nicht auf einen Moment zu beschränken: „Natürlich hatten wir zum Schluss die Möglichkeit, noch zu gewinnen, aber insgesamt müssen wir mit dem Punkt leben, auch wenn wir nicht zufrieden sein können und gerne mehr mitgenommen hätten. Es war kein Leckerbissen, wir haben fußballerisch noch viel Luft nach oben. Aber das ist nach mehr als zwei Monaten Wettkampfpause und nicht einmal zwei Wochen Mannschaftstraining normal.“

Erstliga-Tauglichkeit schuldig geblieben

Beide Trainer waren stolz auf ihre Teams, Düsseldorfs Uwe Rösler war aufgrund der Umstände nur froh, „dass wir diesen Tag durchgezogen haben. Es war ein erster Schritt zurück zur Normalität“. Mohamed Dräger erlebte das erste Geisterspiel in der SCP-Geschichte so: „Es war gewöhnungsbedürftig und ich hoffe, es ist nicht von allzulanger Dauer.“ Baumgart indes geht davon aus, „dass alle einen sehr guten Job machen müssen, um erst einmal diese Saison zu Ende zu bringen“.

Danach könnte die 1. Liga für den Tabellenletzten schon wieder Geschichte sein. Denn an dem Tag, an dem eigentlich die Saison beendet worden wäre und genau ein Jahr nach der Bundesliga-Rückkehr blieb der SC Paderborn seine Erstliga-Tauglichkeit einmal mehr schuldig. Vor allem die Durchschlagskraft im Spiel nach vorne ging den Ostwestfalen in der Landeshauptstadt völlig ab. Ein Zeichen der Harmlosigkeit: Paderborn bekam während der gesamten Partie keine einzige Ecke. Daran änderte auch die erstmalige Nominierung von Winter-Neuzugang Dennis Jastrzembski in der Startelf nichts.

Hinten stand die Null

Gegenüber dem letzten Pflichtspiel am 6. März gegen Köln gab es bei den vier personellen Änderungen neben Jastrzembski zwei weitere Überraschungen. Bereits erwähnter Dräger rückte anstelle von Laurent Jans rechts in die Viererkette und Uwe Hünemeier löste Christian Strohdiek gleich doppelt ab: in der Innenverteidigung als Partner von Sebastian Schonlau und als Kapitän. Hinten stand die Null, damit waren die defensiven Maßnahmen des Trainer durchaus erfolgreich. „Mo hätte schon beim ersten Spiel in Düsseldorf gespielt. Für Hüne habe ich mich entschieden, weil er die Mannschaft pusht und das ist gerade in einem Spiel ohne Zuschauer, in dem die Emotionen von außen fehlen, wichtig“, sagte Baumgart.

Am Ende blieben nicht nur bei Dräger „gemischte Gefühle. Wir haben nichts gewonnen und nichts verloren.“ Nach einer Woche in Hotel-Quarantäne gab es zwei freie Tage, am Dienstag beginnt die Vorbereitung auf das Gastspiel der TSG Hoffenheim am Samstag. Dann muss mehr kommen, wenn das Ziel Klassenerhalt weiter realistisch bleiben soll.

Körperbetont statt körperlos: Paderborns Jamilu Collins (links) im Duell mit Alfredo Morales

Körperbetont statt körperlos: Paderborns Jamilu Collins (links) im Duell mit Alfredo Morales Foto: imago

Kommentare

Klaus Müller  schrieb: 18.05.2020 10:15
Durchsichtiges Spiel des SCP
Der SCP macht nahtlos da weiter, wo er vor Monaten aufgehört hat. Die Gegner haben leichtes Spiel, wenn sie nicht selbst Unvermögen an den Tag legen wie Düsseldorf.

Die SCP-Spieler werden ab dem Mittelfeld mindestens gedoppelt und verlieren oftmals den Ball. Die offensiven Spieler agieren zu einfallslos und laufen sich kaum frei. Das Spiel ist extrem statisch und durchsichtig, jeder verharrt auf seiner Position, ohne sich frei zu laufen und mal anzubieten. Dann kommen entweder die langen Bälle, die fast immer beim Gegner landen oder ein ungenaues Passspiel beim dem der Mitspieler offensichtlich noch immer nicht die Laufwege des eigenen Kollegen kennt.
Dieses Spiel ist nicht der Corona-Krise geschuldet, denn es haargenau so schon vorher gewesen. Offensichtlich hat sich das Team auch schon mental in die 2. Liga verabschiedet. Da fehlt es mittlerweile an Kampfgeist und einer professionellen Einstellung von Beginn an. Das hat nichts mit Kondition zu tun. Vielleicht haben einige Spieler auch schon gedanklich den Verein verlassen und bereits woanders zugesagt, es greifen halt jetzt die Mechanismen im Abstieg.

Die Mannschaft hat jedenfalls seit dem Beginn der Saison eine Metamorphose durchgemacht, welche NICHT positiv ist. Lieber offensiv spielen und begeistern, als so rumzustolpern und zu verlieren.
Ich habe die Befürchtung, dass dies einer der letzten Punkte war, den der SCP in Liga 1 mitgenommen hat und es war ein extrem glücklicher Punkt, gegen einen ebenfalls unfähigen Gegner.
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