SC Paderborn zahlt Dauerkartenkunden zunächst kein Bargeld aus
Gutscheine oder Hilfe

Paderborn (WB). An diesem Donnerstag beginnt der SC Paderborn mit der Rückabwicklung seiner knapp 7000 Dauerkarten. Anders als bei den Tagestickets gibt es diesmal aber kein Bargeld, die Auszahlung erfolgt grundsätzlich nur in Form eines Gutscheins. Dieser gilt auch nur für den Erwerb von Tages- oder Dauerkarten und kann nicht für den Kauf von Fanartikeln genutzt werden.

Donnerstag, 21.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 21.05.2020, 05:02 Uhr
Volles Haus in der Benteler-Arena: Das gibt es zumindest in dieser Erstliga-Saison nicht mehr. Foto: Jörn Hannemann
Volles Haus in der Benteler-Arena: Das gibt es zumindest in dieser Erstliga-Saison nicht mehr. Foto: Jörn Hannemann

„Diese Möglichkeit gibt uns der Gesetzgeber, und davon machen wir nun Gebrauch“, begründete Geschäftsführer Martin Hornberger und setzt dabei fraglos auch auf die emotionale Bindung der Fans an den SCP. Wer das nicht möchte, muss sich bis zum 1. Januar 2022 gedulden, erst dann können Gutscheine auch in Bargeld umgewandelt werden.

SCP eröffnet mehrere Möglichkeiten

Allerdings bietet das Schlusslicht der Fußball-Bundesliga im Rahmen der Rückabwicklung wieder mehrere Möglichkeiten an. Die Dauerkarten-Inhaber können auf den gesamten Betrag verzichten, auf die Hälfte oder eine vollständige Erstattung in Anspruch nehmen.

Wer sich für einen Verzicht oder einen Teilverzicht entscheidet, hat die Option auf eine Dankeschön-Prämie. „Die Fans würden dann nicht nur ihrem SCP helfen, sondern unterstützen auch wohltätige Zwecke. Denn einen Teil der eingesparten Gelder leiten wir an soziale Einrichtungen in der Stadt und Region Paderborn weiter“, verspricht Hornberger.

Mirko Vogt wird Chefscout in Uerdingen

Am Tag, als Paderborns Ex-Trainer Stefan Effenberg den KFC Uerdingen als Manager verließ, wurde Mirko Vogt bei dem Fußball-Drittligisten als Chefscout vorgestellt: Der 48-Jährige war seit 2018 in gleicher Funktion beim SCP tätig, wollte dort aber seinen zum 30. Juni 2020 auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern. „Ich wollte noch einmal etwas anderes machen“, begründete Vogt gegenüber dieser Zeitung den Schritt und schloss sich nun dem Ligaelften an. „Mirko Vogt hat seine Qualitäten bereits auf dem höchsten Niveau nachgewiesen”, teilte KFC-Präsident Mikhail Ponomarev in einer Pressemitteilung mit und betonte: „Wir sind uns sicher, dass wir mit seiner Hilfe ein schlagkräftiges Team zusammenstellen werden.” Vogt selbst sieht sich beim DFB-Pokalsieger von 1985 eher am Anfang: „Ich freue mich, bei diesem Traditionsklub eine professionelle Scouting-Struktur aufzubauen.”

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Sechs Einrichtungen (Caritasverband, Ambulanter Kinder- und Jugendhospiz, Kreisverband Deutsches Rotes Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Paulinenschule und die Tafel) sollen unterstützt werden, auf eine Höhe („Alle sechs werden gleichbehandelt“) wollte sich Hornberger aber noch nicht final festlegen.

Sie dürfte aber nicht unerheblich sein. Denn allein im Dauerkarten-Bereich würde der SCP etwa weitere 750.000 Euro verlieren, wenn alle SCP-Anhänger eine vollständige Erstattung in Anspruch nehmen würden. Neben der Partie am Samstag gegen die TSG Hoffenheim muss der SCP auch seine Heimspiele gegen Borussia Dortmund, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach als Geisterspiele und damit ohne Zuschauer durchführen.

Rückabwicklung nur über die Homepage möglich

In einer Pressemitteilung des Vereins befürwortet der Fanbeirat ausdrücklich die Entscheidung des SCP, auf eine Bargeld-Rückerstattung bei den Dauerkarten zu verzichten: „Gerade jetzt können wir unsere enge Bindung zum SCP zum Ausdruck bringen. Mit der Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen unterstreicht der Verein erneut seine regionalen Wurzeln und sein soziales Engagement. Auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten für uns alle“, sagte Jannik Woste.

Die Rückabwicklung beginnt um 10 Uhr und erfolgt ausschließlich über die Homepage des Vereins. Alle Ansprüche sollen bis zum 30. Juni angemeldet werden.

Bei der seit dem 3. April laufenden Erstattung von Tagestickets nutzten bislang nur etwa 60 Prozent der Käufer die Angebote, der Rest meldete sich noch gar nicht. Hornberger: „Egal ob Dauerkarte oder Tagesticket, auch bei einem vollständigen Verzicht ist es notwendig, das online bereitgestellte Formular auszufüllen und damit den Verzicht proaktiv zu hinterlegen.“

Bislang zeigten sich die SCP-Fans aber spendabel: Mehr als 60 Prozent der Karteninhaber verzichteten auf eine Rückerstattung des Tagespreises für das Hoffenheim-Spiel. „Davon wollten knapp 90 Prozent gar keine Erstattung“ freute sich Hornberger über die Solidarität. Denn auch für die Ostwestfalen gilt: Jeder einzelne Verzicht ist ein Beitrag zur Stabilisierung der Liquidität und sichert das Überleben des Klubs.

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