Der SC Paderborn trennt sich sofort von Ex-Manager Przondziono
Ende ohne Frist

Paderborn (WB). In der schönen, heilen Welt rund um den SC Paderborn gibt es zumindest einen tiefen Riss: Das Schlusslicht der Fußball-Bundesliga hat seinen seit dem 20. April freigestellten Manager Martin Przondziono fristlos gekündigt. Das bestätigte Präsident Elmar Volkmann dem WESTFALEN-BLATT. Zu den Gründen wollte sich der 73-Jährige, der auch Vorsitzender des Wirtschaftsrates ist, nicht äußern. Er sagte lediglich: „An unserer Handlung kann man erkennen, dass es einen Grund geben muss.“

Freitag, 29.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 07:02 Uhr
Paderborns seit dem 20. April freigestellter Manager Martin Przondziono bekam jetzt die fristlose Kündigung. Foto: Thomas F. Starke
Paderborns seit dem 20. April freigestellter Manager Martin Przondziono bekam jetzt die fristlose Kündigung. Foto: Thomas F. Starke

Nach Informationen dieser Zeitung soll sich Martin Przondziono einen Tag nach seinem Rausschmiss von der Mannschaft auch mit diesem Satz verabschiedet haben: „Ihr musstet auf einen Teil eurer Gehälter verzichten, um den neuen Manager zu bezahlen.“ Zum Hintergrund: Wegen der Corona-Krise hatte Przondziono Ende März mit dem Spielerrat des Erstligisten einen zehnprozentigen Gehaltsverzicht für drei Monate (April bis Juni) ausgehandelt.

Die SCP-Führungsspitze reagierte daraufhin auf zwei Ebenen: Aus Przondzionos Freistellung wurde eine sofortige Kündigung, am 29. April gab der Klub dann noch eine Pressemitteilung heraus, die wohl zur Schadensbegrenzung dienen sollte. Hier wird Volkmann zum Thema „Gehaltsverzicht“ unter anderem so zitiert: „Es ist beeindruckend, wie solidarisch sich unsere Spieler mit dem Verein zeigen.“

Przondziono soll schlecht verhandelt haben

Die Gründe, die überhaupt zur Freistellung von Przondziono führten, waren aber andere. Nach Recherchen dieser Zeitung wird dem 50-Jährigen, der am 1. Juli 2018 von seinem Vorgänger Markus Krösche zunächst als „Leiter Sport Lizenzbereich“ eingestellt worden war und noch bis zum 30. Juni 2021 unter Vertrag stand, auch vorgeworfen, schlecht verhandelt zu haben.

So soll der Transfer von Cauly Souza in der Winterpause zum bulgarischen Erstligisten Ludogorez Rasgard nicht den finanziellen Erwartungen von einem Großteil der Vereinsspitze entsprochen haben. Im Gegenzug sollen einigen Mitgliedern des Wirtschaftsrates die Kosten für die Transfers von Hamid Sabiri (Huddersfield Town), Gerrit Holtmann (ausgeliehen von Mainz 05) oder die Rückholaktion von Dennis Srbeny (Norwich City) in Summe zu hoch gewesen sein.

Außerdem habe Przondziono wiederholt wichtige Termine nicht eingehalten. Eine Bestätigung gab es dafür von Vereinseite bislang nicht. Volkmann äußerte sich gegenüber dem TV-Sender Sky nur einmal direkt nach der Trennung vom Geschäftsführer Sport: „Das war kein Schnellschuss. Unsere Entscheidung stand am Ende eines langen Prozesses.“ In der inhaltlich dürren Pressemitteilung ließ sich der SCP-Chef am 20. April so zitieren: „In der jüngeren Vergangenheit hat es unterschiedliche Auffassungen in der sportlichen Weiterentwicklung gegeben.“

Stellungnahme bleibt aus

Auch Przondziono wollte gegenüber dem WESTFALEN-BLATT zur Sache keine Stellung beziehen. Auf Nachfrage antwortete er lediglich: „Bei so einem Thema schweigt man besser, deshalb gibt es von mir dazu kein Wort.“ Ob er in naher Zukunft auf die Vorwürfe reagieren wird, ließ er offen: „Irgendwann wird es ein Statement geben. Aber dann nicht von mir, sondern von meinem Berater oder von meinem Anwalt.“

Wobei Letzteres wahrscheinlicher ist. Beim SCP wird man nun zunächst abwarten müssen, wie Przondziono auf seine Kündigung reagieren wird. Da es um viel Geld geht, ist es sehr wahrscheinlich, dass Przondziono die fristlose Trennung nicht anerkennen wird und dagegen juristisch vorgeht. Ob sich beide Seiten dann doch noch außergerichtlich einigen, bleibt abzuwarten. Ansonsten werden sich die Partien vor dem Arbeitsgericht auseinandersetzen müssen.

Przondzionos Nachfolger als Geschäftsführer Sport ist bekanntlich Fabian Wohlgemuth. Der 41-Jährige war bis Oktober 2019 für die sportliche Entwicklung beim Zweitligisten Holstein Kiel verantwortlich und ist seit 1. Mai offiziell beim SC Paderborn im Amt.

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