Wie Paderborns Trainer Steffen Baumgart die prekäre Lage einschätzt
„Ich bin nicht blöd oder naiv“

Paderborn (WB/MR). Aufgeben gibt es nicht: Auch am Tag nach dem bitteren 0:0 beim FC Augsburg und dem damit dritten Remis in Serie dachte Steffen Baumgart nicht eine Sekunde daran, die weiße Fahne als Zeichen für den Verzicht auf künftige Gegenwehr zu hissen und die Saison damit vorzeitig für beendet zu erklären: „Wir müssen nicht vom Wunder reden, wir müssen bei uns bleiben. Aber wir werden das Ding bis zum Ende durchziehen. Egal, ob wir noch eine Chance haben, oder nicht.“

Freitag, 29.05.2020, 05:00 Uhr
Das passt zur Situation: Die Flugeinlage von Jamilu Colllins über Augsburgs Vargas endet mit einer Bauchlandung. Foto: dpa
Das passt zur Situation: Die Flugeinlage von Jamilu Colllins über Augsburgs Vargas endet mit einer Bauchlandung. Foto: dpa

Das klingt zunächst nach Durchhalteparolen, so hatte Paderborns Trainer das aber gar nicht gemeint: „Ich bin nicht naiv, auch nicht blöd. Ich kann auch die Tabelle lesen. Auch ich kann daher die aktuelle Situation schon sehr realistisch einschätzen.“

Die entscheidenden Fakten sind schnell aufgezählt. Der SCP ist seit dem Re-Start noch ungeschlagen, holte in den drei Spielen (0:0 gegen Düsseldorf und Augsburg, 1:1 gegen Hoffenheim) aber nur drei Punkte und hat nun schon acht Zähler Rückstand auf Relegationsplatz 16.

Vor der Corona-Pause waren es sechs. Dazu kommt, dass der SCP nur noch sechs Möglichkeiten hat, den Rückstand aufzuholen. Baumgart: „Diese Tabelle kann jetzt aber nicht Ausdruck unserer Arbeit sein. Wir werden weiter unser Gesicht zeigen und vernünftig Fußball spielen.“

Baumgart spricht von „Millimeterentscheidungen“

Wie am Mittwochabend in Augsburg. Da hatte der SCP über die gesamten 90 Minuten die besseren Chancen. Die klarsten Möglichkeiten vergaben Streli Mamba, Gerit Holtmann und Sven Michel. „Das waren Millimeterentscheidungen“, trauerte Baumgart den Gelegenheiten etwas hinterher, fügte dann noch hinzu: „Wir machen unsere Situation jetzt aber nicht von dem einen Spiel abhängig. Aber mehr, als das, was meine Jungs im Moment abliefern, kann ich nicht erwarten.“

Das sehen übrigens auch andere so. Augsburgs Kapitän Daniel Baier, der gegen den SCP sein 300. Bundesliga-Spiel absolvierte, lobte beispielsweise die taktische Einstellung: „Kompliment an Paderborn. Sie hatten nichts zu verlieren und haben bei uns mit ihren schnellen Leuten ihr gutes Umschaltspiel prima umgesetzt. Für uns war es deshalb wichtig, dass hinten die Null steht.“

Sky-Experte Didi Hamann sagte in seiner Spieltags-Analyse: „Auch die drei Punkte in den drei Spielen nach der Zwangspause bringen Paderborn jetzt nicht weiter. Man kann sie aber trotzdem nur dafür loben, dass sie Woche für Woche mit diesem Enthusiasmus und dieser Leidenschaft spielen. Leider fehlt vorne das letzte Quäntchen Qualität.“

Baumgart gefällt das. „Unsere Kritiker meinen es nicht nur gut, sondern auch ehrlich. Irgendwo habe ich über uns von einem “Absteiger der Herzen” gelesen“, erzählte der Coach. Das war eine besonders nett gemeinte Anspielung von Hamann auf die Vizemeisterschaft der Schalker im Jahr 2001.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7427979?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
Ein Ende und ein Anfang
Rheda-Wiedenbrück: Eine Luftaufnahme der Tönnies Holding. Foto: Guido Kirchner/dpa
Nachrichten-Ticker