In der ersten Halbzeit läuft es noch gut, später dreht der Favorit aber auf
Aua! Paderborn bekommt von Dortmund sechs Stück

Paderborn (WB/dpa). Eine Halbzeit lang hielt der SC Paderborn richtig gut mit, doch dann war das Bundesliga-Schlusslicht gegen Borussia Dortmund völlig chancenlos und wurde förmlich überrollt. Der BVB siegte mit 6:1 (0:0) und beendete damit die kleine Mini-Serie der Ostwestfalen nach dem Re-Start mit drei ungeschlagenen Spielen in Folge. Nach dieser Klatsche rückt der Abstieg für den Aufsteiger aus Ostwestfalen immer näher.

Sonntag, 31.05.2020, 20:12 Uhr aktualisiert: 31.05.2020, 21:56 Uhr
Paderborns Sebastian Vasiliadis (vorn) im Kampf um den Ball mit Dortmunds Raphael Guerreiro. Foto: Lars Baron/Getty Images Europe/Pool/dpa
Paderborns Sebastian Vasiliadis (vorn) im Kampf um den Ball mit Dortmunds Raphael Guerreiro. Foto: Lars Baron/Getty Images Europe/Pool/dpa

Strohdiek für Gjasula

Paderborns Trainer Steffen Baumgart änderte seine Elf im Vergleich zum 0:0 beim FC Augsburg auf zwei Positionen. Für den zum dritten Mal gelbgesperrten Klaus Gjasula kam Kapitän Christian Strohdiek ins Team. Auf der rechten Seite verteidigte wieder „Mo“ Dräger, Laurent Jans saß auf der Bank. Taktisch stellte Baumgart auf ein 4-2-3-1 um. Im defensiven Mittelfeld agierte Sebastian Schonlau neben Sebastian Vasiliadis. Davor sollten Christopher Antwi-Adjei, Dennis Srbeny und Gerrit Holtmann Druck machen, als einzige Spitze stürmte Streli Mamba.

Auch Lucien Favre nahm zwei Wechsel vor: Mahmoud Dahoud (Knieverletzung, Saison-Aus) und Erling Haaland (Knieblessur) wurden beim BVB von Emre Can und Jadon Sancho ersetzt.

Eine Statistik überraschte vor dem Anpfiff: Mit dem SCP und dem BVB, die sich im Hinspiel nach Paderborner 3:0-Führung noch 3:3 getrennt hatten, trafen die beiden Klubs mit den wenigsten Gegentoren aufeinander – seit dem Re-Start, versteht sich...

Guter Beginn

Paderborn begann zielstrebig, mutig und hatte zunächst sogar mehr Spielanteile. Und einige gute Möglichkeiten. Christopher Antwi-Adjei (11./13./41.) verfehlte aber in guter Position das BVB-Tor. Die Borussen sendeten erst im Minute 17 das erste Signal. Nach einem langen Pass von Lukasz Piszczek war es Thorgan Hazard, der aus spitzen Winkel an Leopold Zingerle im Tor der Paderborner scheiterte.

Raphael Guerreiro (26.) war der nächste Schwarz-Gelbe in guter Schussposition, Jamilu Collins konnte den Ball aber im letzten Moment ablenken. Nur drei Minuten später legte Strohdiek mit einer viel zu kurzen Rückgage auf Zingerle den Ball erneut für Guerreiro auf, auch hier konnte Paderborns Keeper retten. Sekunden vor der Pause hatte Julian Brandt freie Bahn, schloss aber überhastet ab und verzog.

Immer mehr Druck der Dortmunder

Im zweiten Abschnitt erhöhten die Gäste noch einmal den Druck. Mouh Hakimi (49.) eröffnete die Serie sehr guter Chancen. Er zwang Zingerle zu einer Fußabwehr. Auf Hakimi folgte sein Teamkollegen Thorgan Hazard (52.), der aus fünf Metern verfehlte. Doch dann brach der Bann und mit einem Doppelschlag entschieden die Borussen innerhalb von nur drei Minuten die Partie. Erst war es Hazard (54.), dem Zingerle nach einer Hereingabe von Emre Can den Ball genau vor die Füße faustete und Hazard nur noch einzuschieben brauchte. Dann war es Jadon Sancho (57.), der nach Brandt-Zuspiel zum 2:0 einschob. Das sah aus wie im Training.

Anschlusstreffer durch Hünemeiers Handelfmeter

Doch der SCP gab nicht auf und kam noch einmal heran. Nach einem Handspiel von Can (der den Ellbogen allerdings angelegt hatte) verwandelte Uwe Hünemeier den fälligen Strafstoß und verkürzte auf 1:2. Doch fast im Gegenzug stellten der BVB den zwei-Tore-Abstand wieder her. Diesmal legte Hazard auf und Sancho vollendete. Zingerle war noch am Ball, hatte aber keine Abwehrchance.

Für die endgültige Entscheidung sorgte schließlich Mouh Hakimi der in Minute 85 auf 4:1 erhöhte. Die Schlusspunkt setzten dann der ehemalige Kapitän Marcel Schmelzer (89.) und Sancho (90.+1.) mit seinem dritten Tor. Damit machte der BVB das halbe Dutzend voll.

Reaktionen

Steffen Baumgart (Trainer SC Paderborn): „Ich finde, wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt für unsere Verhältnisse. Bis zum 2:1, 3:1 waren wir noch gut dabei. Was ärgerlich ist, sind die letzte drei Tore. Das ist dann auch enttäuschend. Aber das ist so. Damit müssen wir umgehen und damit werden wir auch umgehen.

Am Ende hatten wir zu viele Löcher drin und dem BVB zu viele Umschaltsituationen gegeben.“

zum Referee: „Ich würde die Leistung der Schiedsrichters ähnlich einschätzen wie unsere: Erste Halbzeit gut, zweite Halbzeit nachlassend in beide Richtungen. Der Schiedsrichter hatte mit der Niederlage wenig zu tun.“

Lucien Favre (Trainer Borussia Dortmund): „Ich habe in der Halbzeit fast nichts gesagt. Nur, dass wir weiter spielen müssen. Wir wollten keine Konter kriegen und haben es weiter so gemacht, wie in der ersten Halbzeit.“

So geht es weiter

Am kommenden Samstag (Anstoß: 15.30 Uhr, Sky) geht es für den SCP mit einem Auswärtsspiel bei RB Leipzig weiter. Der BVB erwartet ebenfalls am Samstag (18.30 Uhr) die Berliner Hertha.

Die Statistik

SC Paderborn 07: Zingerle - Dräger, Hünemeier, Strohdiek, Collins - Antwi-Adjej (83. Jastrzembski), Vasiliadis (83. Sabiri), Schonlau, Holtmann (74. Pröger) - Mamba (66. Zolinski), Srbeny (66. S. Michel)

Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Hummels, Akanji - Hakimi (87. Morey), Delaney (68. Witsel), E. Can (87. Balerdi), Guerreiro (80. Schmelzer) - Sancho, Brandt (80. Reyna) - T. Hazard

Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)

Tore: 0:1 T. Hazard (54.), 0:2 Sancho (57.), 1:2 Hünemeier (72./Handelfmeter), 1:3 Sancho (74.), 1:4 Hakimi (85.), 1:5 Schmelzer (89.), 1:6 Sancho (90.+1)

 

Kommentare

chefplaner  schrieb: 01.06.2020 14:35
Nichts Bewährtes über Bord werfen
Auf jeden Fall hat uns UNSERE Philosophie zweimal den maximalen Erfolg gebracht. Geld verpulvern hat uns dagegen ruiniert.

Wir sind maximal ein "natürlicher" Zweitligist. Davon gibt es aber mindestens 20 Standorte im Land.

Demut sollte erstes Gebot sein. Bisher haben wir davon profitiert, dass Vereine wie Aachen oder Essen sich übernommen haben.

Mannheim und Co. kommen nach.

Wenn die anderen sich kaputt investieren, können wir erfolgreich bleiben.
SBr_07  schrieb: 01.06.2020 11:55
Nächsten Monate wegweisend
Endlich mal eine gesunde Ansicht der Gesamtsituation, der ich komplett zustimme. Wer jetzt dauernd nur mit der Tabelle wedelt, hat tatsächlich nichts dazu gelernt. Ob der Verein das getan hat, wird sich im Umgang mit dem Abstieg zeigen. Umso mehr gilt es nun, sich treu zu bleiben, aber sportlich nicht alles aus dem Fenster zu werfen; einen Teil des Gerüsts halten (den Trainer vorneweg) und darum dann eine neue Truppe aufbauen. Einige Verträge geben das jetzt schon her und wir brauchen jetzt maximale Kontinuität, soweit wir es uns leisten können. Dann kann das eine interessante Mannschaft für die 2. Liga werden.
chefplaner  schrieb: 01.06.2020 10:24
Trotzdem gute Saison
Wir haben - Gott sei Dank - aus dem Jahr 2014 gelernt und keine Millionen raus gepulvert, die in Transfers wie Stöger oder Ndjeng versickert sind.

Nicht nur, dass das damals dem Gefüge geschadet hat, es hat uns auch wirtschaftlich geschadet.

Gerade weil wir nun keinen Finke mehr haben, muss das finanzielle Risiko überschaubar bleiben.

Ein Abstieg kann immer passieren. Selbst wenn wir die Klasse gehalten hätten, wären wir nächste Saison wieder der Verein mit dem geringsten Erat.

Und was mit Mannschaften passiert, die den dritthöchstrn Etat der Liga haben, sieht man in Gelsenkirchen.

Der Unterschied ist, dass die näher an der Insolvenz sind als wir - Risiko eben. Sie brauchen die CL. Wir brauchen nicht die 1. BL. So einfach ist das.

Im Schnitt passieren alle drei Jahre unvorhergesehene Dinge, auf die man wirtschaftlich vorbereitet sein muss. Corona ist nur ein Beispiel (Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Flüchtlingskrise, Kriege, schwankende Öl- und Wechselkurse etc).

Das alles ist ökonomisch für alle schwierig - auch für Sport und Sponsoren sowie den Geldbeutel der Leute.

Wer keine Rücklage bildet, wird scheitern. Ich denke, nächste Saison gibt es nirgends sportliche Absteiger, weil die Zahl der Insolvenzen so hoch sein wird.
3 Kommentare
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