SC Paderborn will Saison dennoch schuldenfrei abschließen
Das Finanzloch wird größer

Paderborn (WB). Am Montag wird die Deutsche Fußball Liga (DFL) zu einer weiteren außerordentlichen Mitgliederversammlung der 36 Vereine der 1. und 2. Liga zusammenkommen. Im Mittelpunkt steht erneut das Thema Finanzen. So sollen im TV-Bereich für die neue Saison mehr als 150 Millionen Euro weniger für die Übertragung ausgezahlt werden. Bereits in dieser Spielzeit wurden die Gelder an die Klubs um 60 Millionen Euro gekürzt.

Dienstag, 16.06.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 16.06.2020, 06:36 Uhr
Jedes Heimspiel ohne Zuschauer kostet den SC Paderborn zwischen 300.000 und 350.000 Euro. Foto: Jörn Hannemann
Jedes Heimspiel ohne Zuschauer kostet den SC Paderborn zwischen 300.000 und 350.000 Euro. Foto: Jörn Hannemann

Die Zahlen im Fußballmagazin „Kicker“ wollte Paderborns Geschäftsführer Martin Hornberger gestern gegenüber dem WESTFALEN-BLATT nicht bestätigen, er sagte aber: „Dass weniger Geld ausgezahlt wird, hatte sich in den vergangenen Wochen bereits angedeutet. Das überrascht uns nicht und die Auswirkungen haben wir auch in unseren Planungen berücksichtigt.“ Der 58-Jährige bleibt trotz des größer werdenden Finanzlochs aber bei seiner Einschätzung: „Wir werden die Saison schuldenfrei beenden.“ Zur Erinnerung: Vor Beginn der Saison 2019/2020 lag das Minus noch bei sechs Millionen Euro.

Nach Informationen dieser Zeitung wird der SC Paderborn bei den TV-Einnahmen bereits in dieser Saison auf knapp drei Millionen Euro verzichten müssen. Das wären zehn Prozent, denn insgesamt wird der Verein etwa 30 Millionen Euro aus dem TV-Topf kassieren und damit so viel wie noch nie in der Vereinsgeschichte.

Das wird sich erheblich verändern. In der 2. Liga sinken die Zahlungen an den SCP auf etwa zwölf Millionen Euro. Wegen der erwarteten Mindereinnahmen bei den nationalen Vermarktungserlösen (unter anderem hatte Eurosport den Vertrag gekündigt) wird die DFL am Montag den Paderbornern wohl auch mitteilen, dass davon mindestens weitere 350.000 Euro abgezogen werden müssen.

Dazu kommen die Verluste durch die Heimspiele ohne Zuschauer. Dem SCP gehen so zwischen 300.000 und 350.000 Euro pro Partie verlorenen. Nach einem Bericht des DFL-Wirtschaftsreports 2020 kassierten die 18 Erstligisten in der vergangenen Saison durch direkte Spieleinnahmen (hauptsächlich Tickets) 520 Millionen Euro. Das waren knapp 13 Prozent des Gesamtumsatzes. Wann es auch im Zuschauerbereich Lockerungen gibt, ist ungewiss.

Zurzeit gehen die Klubs der 1. und 2. Liga von einem Start der Saison 2020/2021 nicht vor Mitte September aus. Spätestens bis Ende Juli will die Paderborner Stadiongesellschaft (PSG) entscheiden, ob ein Teil der Stehplätze (Block D1 und D2) in der Benteler-Arena in Sitzplätze umgewandelt wird. „Das würde vielleicht Sinn machen, denn es ist davon auszugehen, dass bei einer schrittweisen Öffnung der Stadien die Blöcke mit Sitzplätzen im Vorteil sind“, sagte Hornberger. Etwa 800 Sitze könnten so relativ kurzfristig installiert werden. Einen umfangreichen Ausbau (Kosten: 1,5 Millionen Euro) hatte der SCP ohnehin geplant, wegen der Corona-Pandemie aber zurückgestellt.

Weitere 1,5 Millionen Euro soll der bis zum 30. Juni ausgehandelte Gehaltsverzicht mit den Profis und Mitarbeitern bringen, noch einmal 500.000 Euro spart der Verein ein, weil die Flutlichtanlage für die 2. Liga nicht ausgebaut werden muss. Zufrieden zeigt sich Hornberger mit den Reaktionen der Sponsoren und Dauerkartenkunden. „Sehr viele unserer Werbepartner haben den Kompensationslösungen zugestimmt“, sagte Hornberger. So seien Kunden jetzt bei den Übertragungen der Geisterspiele auf der LED-Bande im TV-Bereich zu sehen, andere habe man auf der Homepage des Vereins platziert.

Etwa 65 Prozent der Dauerkarten-Inhaber hätten bislang auf einen Gutschein für die vier verpassten Heimspiele verzichtet. Hornberger: „Eine große Mehrheit wollte sich gar nichts gutschreiben lassen. Für diese großartige Solidarität und beispiellose Unterstützung sind wir sehr dankbar.“

Wie sich die Einsparungen auf den neuen Etat auswirken, wollte Hornberger noch nicht beziffern: „Viel hängt auch davon ab, wie hoch die Transfererlöse im Sommer sein werden.“ Zum Vergleich: In der Aufstiegssaison 2018/2019 standen Ex-Manager Markus Krösche sieben Millionen Euro für die Profis zur Verfügung. Vor Beginn dieser Serie wurde das Budget verdreifacht.

Kommentare

Klaus Müller  schrieb: 16.06.2020 10:34
Planung für nächste Saison
Es muss für nächste Saison komplett ohne Zuschauereinnahmen gerechnet werden, alles andere wäre fahrlässig und Augenwischerei. Unterm Strich war der Aufstieg das beste was dem SCP passieren konnte. Jetzt muss aber wieder knallhart kalkuliert werden. Der Verein ist gut aufgestellt, fehlende Zuschauereinnahmen und Sponsorengelder sowie die reduzierten Fernsehgelder dürften jedoch eine Herausforderung sein. Wenn wir auf ein Gesamtbudget mit Transfererlösen von 20 Millionen kommen, können wir uns freuen.

Dennoch sollte allen klar sein, dass der Verkauf von Klement vermutlich ursächlich für den Abstieg war, zumal es durch den damaligen Aufstieg zu dem Zeitpunkt keine finanzielle Notwendigkeit gab. Solche "Milchmädchen-Rechnungen" sollten nicht mehr aufgemacht werden.
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