Paderborns Abstieg und die Folgen: Neuaufbau mit weniger Geld
Tiefer Schnitt

Paderborn (WB). Nach nur einem Jahr ist die 1. Liga wieder Geschichte – das trifft den SC Paderborn nicht unvorbereitet, der Abstieg kündigte sich schließlich schon seit Wochen an. Die Auswirkungen sind dennoch gravierend. Zumal noch niemand weiß, wie sich der Profifußball in Zeiten der Corona-Krise weiterentwickelt. Das WESTFALEN-BLATT hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Donnerstag, 18.06.2020, 03:36 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 23:30 Uhr
Tiefe Trauer: Kay Pröger brauchte nach dem Abstieg erst einmal eine paar Minuten, um das zu verarbeiten. Foto: dpa
Tiefe Trauer: Kay Pröger brauchte nach dem Abstieg erst einmal eine paar Minuten, um das zu verarbeiten. Foto: dpa

Wie geht es weiter?

Die 1. und 2. Liga werden wohl gemeinsam erst am 12./13. September starten, einen genauen Termin gibt es noch nicht. Sollte es in der neuen Saison weitere Geisterspiele geben, wäre auch in Paderborn ein späterer Anpfiff möglich. Bislang erlischt die Betriebsgenehmigung für die Benteler-Arena aus Lärmschutzgründen um 22 Uhr. Bei Spielen ohne Zuschauer wäre zum Beispiel auch ein Anstoß um 20.30 Uhr möglich.

Wie läuft die Vorbereitung?

Der SCP bezieht erneut kein Trainingslager. Diese Entscheidung wurde unabhängig vom sportlichen Misserfolg bereits im Mai getroffen. Für Teammanager Ole Siegel ist es dennoch schwierig, mit der Planung der Vorbereitung zu beginnen. Klarheit erhofft er sich von der außerordentlichen Mitgliederversammlung der DFL am kommenden Montag. Da soll der Rahmenterminplan für die neue Saison besprochen und bestenfalls auch beschlossen werden.

Der grobe Zeitplan sieht im Moment so aus: Im Juli machen Mannschaft und Trainerteam Urlaub, danach beginnt eine sechswöchige Vorbereitungszeit, an deren Ende der Ligastart steht. Bislang ist es den Profiklubs noch verboten, Testspiele auszutragen. Da rechnen die Vereine aber mit einer Lockerung. Wobei auch die Vorbereitung ohne Zuschauer stattfinden muss. Wann, wo und gegen wen der SCP testen wird – normalerweise steht der Plan schon längst, in diesen Zeiten muss aber auch Siegel zugeben: „Wir tappen völlig im Dunkeln.“

Wer geht?

„Sicherlich wird es einen größeren Umbruch geben“, kündigte Trainer Steffen Baumgart an. Die Leihspieler Laurent Jans (FC Metz), Mohamed Dräger (SC Freiburg) und Gerrit Holtmann (FSV Mainz 05) werden zum 30. Juni den Verein verlassen. Ersatztorhüter Jannik Huth (nur sechs Einsätze) will weg.

Sebastian Schonlau, Jamilu Collins, Sebastian Vasiliadis und Luca Kilian sollen Anfragen aus der 1. Liga vorliegen haben. Hamid Sabiri, Dennis Srbney und Streli Mamba werden ebenfalls Wechselabsichten nachgesagt. Die Verträge von Uwe Hünemeier, Klaus Gjasula, Ben Zolinski und Leon Brüggemeier laufen aus. Rifet Kapic soll gehen. Der eigentliche Klement-Ersatz wurde von Baumgart in der Bundesliga kein Mal eingesetzt.

Wer kommt?

Mit der Verpflichtung von Pascal Steinwender (VfB Oldenburg) hat der SCP seinen Weg fortgesetzt und einen weiteren Spieler aus der vierten Liga geholt. Der 23-Jährige traf für den VfB Oldenburg in 19 Pflichtspielen siebenmal, acht weitere Treffer bereitete er vor.

Der an den Regionalligisten SC Verl ausgeliehene Mittelfeldspieler Ron Schallenberg kehrt zurück. Dazu wurde mit dem 19-jährigen Moritz Schulze ein Torwart-Talent von RB Leipzig geholt. Mit Marcel Hilßner, Felix Drinkuth (beide Hallescher FC), Johannes Dörfler (FSV Zwickau) und Sergio Gucciardo (SV Lippstadt) hat der Verein noch ein Quartett ausgeliehen. Sie waren im Frühjahr 2019 als Ergänzungsspieler für die 2. Liga verpflichtet worden, gehören ab 1. Juli wieder zum Kader, spielen in den Planungen aber keine Rolle.

Wie hoch ist das TV-Geld?

Wurden in dieser Saison etwa 30 Millionen Euro an den SCP überwiesen, so werden es in der kommenden Spielzeit 2020/21 nur noch etwa zwölf Millionen Euro sein. Wobei damit zu rechnen ist, dass das TV-Geld in Zeiten der Corona-Pandemie künftig anteilsmäßig nach jedem Spieltag ausgezahlt wird. Vor der Krise waren vier Raten üblich.

Fest steht auch schon, dass durch die Mindereinnahmen bei der Vermarktung (zum Beispiel der Ausstieg von Eurosport) weitere Kürzungen folgen werden. Dem SCP werden nach ersten Berechnungen bereits etwa 350.000 Euro abgezogen.

Wie hoch ist der Etat?

Standen für die Profis in der abgelaufenen Saison noch 22 Millionen Euro zur Verfügung, so wird der Etat für die 2. Liga auf etwa sieben Millionen Euro sinken. Sollte der Verein noch erhebliche Transfererlöse erwirtschaften, könnte das Budget von Manager Fabian Wohlgemuth wieder steigen.

Zum Vergleich: In der Aufstiegssaison 2018/19 standen 6,5 Millionen Euro im Haushalt. 2014 kostete dem SCP der erste Aufstieg in die 1. Liga 6,2 Millionen Euro, der Erstliga-Etat lag bei 18 Millionen Euro.

Was wird aus der Arena?

Ursprünglich sollte die Benteler-Arena für etwa vier Millionen Euro umgebaut werden, allerdings ohne die Gesamtkapazität von 15.000 Plätzen zu erhöhen. Wegen der Corona-Pandemie wird zurzeit aber nur für 2,5 Millionen Euro der erste Bauabschnitt (270 Vip-Plätze, fünf Logen für weitere 60 Besucher) verwirklicht.

Im zweiten Bauabschnitt (neuer Oberrang auf der Ost-Tribüne, Stehplatzblöcke D1, D2 und ein Teil von Block C werden Sitzplätze) wollte der SCP für 1,5 Millionen Euro seine Sitzplatzkapazität von 6000 auf 8000 erhöhen und damit eine DFL-Forderung (für die 1. Liga) erfüllen. Dieser Ausbau, der vor vier Wochen beginnen sollte, wurde verschoben, allerdings stellte der Klub noch fristgerecht den Bauantrag.

Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass die Stehplatzblöcke D1, D2 in Sitzplätze umwandelt werden. So könnten, bei einer schrittweisen Öffnung der Stadien für die Fans, mehr Zuschauer in die Arena. Denn die geforderten Abstandsregeln wären nur im Sitzplatzbereich einzuhalten. Allerdings würde der SCP dann die Mindestkapazität von 15.000 Plätzen unterschreiten. Eine Ausnahmegenehmigung gilt aber als sicher.

Videobeweis/Torlinientechnik

Der Videobeweis wird bleiben. Diese technische Hilfe wurde mit Beginn der gerade abgelaufenen Serie auch in der 2. Liga eingeführt und kostet in der 1. Liga jährlich 200.000 Euro. In der 2. Liga liegt der Preis bei etwa 170.000 Euro. Die Torlinientechnik gibt es dagegen in der 2. Liga nicht. Ist auch nicht nötig, der Videobeweis ersetzt das Hawk-Eye.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7455000?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
Ein Stück aus dem Tollhaus
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker