Aber auch die Strategie und Arbeitsweise des Paderborner Trainers werden analysiert
Neuanfang mit Baumgart

Paderborn (WB/MR). Der Abstieg traf den SC Paderborn am Dienstagabend nicht wie ein Keulenschlag. Dass das sportliche Ziel klar verfehlt wird, war den Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten schließlich schon seit einiger Zeit klar. Dennoch wollen weder Manager Fabian Wohlgemuth noch Trainer Steffen Baumgart zur Tagesordnung übergehen.

Donnerstag, 18.06.2020, 06:03 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 06:20 Uhr
Einer, der nie aufgibt: Paderborns Trainer Steffen Baumgart war auch in Berlin Paderborns Antreiber am Rasenrand. Foto: dpa
Einer, der nie aufgibt: Paderborns Trainer Steffen Baumgart war auch in Berlin Paderborns Antreiber am Rasenrand. Foto: dpa

Die sportlich Verantwortlichen beim SCP werden sich spätestens nach dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach treffen und eine erste Analyse der Spielzeit vornehmen. „Es geht um ein ganz grundsätzliches und sachliches Hinterfragen, besonders auf Schlüsselpositionen. Es geht dabei aber um Strategie, Arbeitsweise und das Ergebnis, nicht um die Person. Das wird uns helfen, uns für die neue Saison noch stärker aufzustellen“, sagt Wohlgemuth. Ziel sei dabei nicht der Austausch, sondern eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Wohlgemuth wörtlich: „Alles andere wäre unverantwortlich.“

Das Ergebnis des Gesprächs ist offen, ob Wohlgemuth und Baumgart gemeinsam den Neuanfang starten, ist daher noch nicht entschieden. Auch wenn Wohlgemuth das klare Ziel hat, mit Baumgart den Neuaufbau zu starten: „Ohne unserer Analyse vorweg zu greifen, ist genau das zunächst einmal mein Wunsch. Aber dazu gehören immer zwei. So gesehen ist es eine Frage des Respekts, hier auch Steffen Baumgart nach seinen Vorstellungen über die Zukunft zu fragen.”

Baumgart braucht Bedenkzeit

Baumgart selbst will zunächst mal alles sacken lassen, Luft holen und dann besprechen, was in dieser Saison gut gelaufen ist – und was gar nicht gepasst hat. Auch er sagt: „Wir müssen uns hinterfragen und dann entsprechend neu aufstellen. Denn eines sollte klar sein: Wir stehen vor einer ganz schweren Zweitligasaison. Das zeigen Beispiele wie Hannover 96 oder 1. FC Nürnberg.“

Wer Baumgart kennt, der weiß, dass er gerne in Paderborn arbeitet und nicht an einen Abschied nach dem Abstieg denkt. Eine Hintertür lässt aber auch er sich offen: „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich nicht der Richtige bin oder weg will. Aber wir werden sehen.“

Präsident hält an Trainer fest

Für Präsident Elmar Volkmann stellt sich die Frage erst gar nicht: „Ich sehe die Notwendigkeit nicht. Wenn auch Herr Baumgart bei uns bleiben will, wird sich bei dieser Personalie auch nichts ändern.“

Der 73-Jährige sieht den Verein auch besser aufgestellt, als nach dem Abstieg 2015: „Kein Spieler kann uns ablösefrei verlassen, unsere Schulden sind getilgt – das stimmt mich sehr optimistisch. Wenn sich durch die Corona-Pandemie nicht noch alle Rahmenbedingungen ändern, werden wir eine gute Mannschaft aufbauen.“

Kapitän und Paderborner Urgestein Christian Strohdiek erinnert im Moment des Abstiegs an Positives: „Die Enttäuschung ist da, aber wir dürfen auch nicht vergessen, was dieser Verein in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt hat. Da können wir alle stolz sein.“

Wie er zum Coach steht, machte er ganz nebenbei auch deutlich: „Steffen Baumgart gibt nie auf, das überträgt er auf das gesamte Team und das hat uns in den vergangenen Jahren ausgezeichnet.“ Helfen kann er seiner Mannschaft aber nicht mehr: Strohdiek zog sich in Berlin einen Muskelfaserriss zu und fällt für den Rest der Saison aus.

Ziel: Klassenerhalt

Vizepräsident Carsten Linnemann sieht den SCP perspektivisch „unter den Top sechs bis acht der 2. Liga“ und betont: „Das muss unser Anspruch sein.“ Kurzfristig zählt für den Bundestagsabgeordneten aber nur eins: „Der Klassenerhalt.“

Für absolut „zukunftssicher“ hält auch Geschäftsführer Martin Hornberger den kommenden Zweitligisten: „Wir haben unsere Schulden getilgt, die Infrastruktur weiter ausgebaut und uns in vielen Bereichen auch personell verstärkt. Sportlich haben wir unser Ziel nur deshalb nicht erreicht, weil wir im Bundesligavergleich in allen Bereichen am Ende der Nahrungskette stehen.“

Kommentare

Strohmerblau  schrieb: 18.06.2020 20:01
Finger weg
Hallo Zusammen,
Finger weg vom Trainer und dem gesamten Team.
Alle „Kumpels“ können stolz sein und bleiben.
Viele Grüße und Finger weg
Sbr_07  schrieb: 18.06.2020 11:52
Baumgart muss bleiben
Der Neuanfang hat vor 3 Jahren stattgefunden, unter Markus Krösche. Diesen Weg wollte man konsequent und strategisch weitergehen, auch bei Rückschlägen. Der „Rückschlag“, wenn man es denn überhaupt so bezeichnen kann, ist nun da. Denn eigentlich war es ja eher ein mittleres Wunder, dass man so schnell und mit den Mitteln in der Bundesliga gespielt hat. Ist das alles vergessen?
Dass man Dinge aufarbeitet und analysiert, ist nicht nur normal sondern auch wichtig, denn ich glaube auch, dass die nächste Saison nicht leicht wird. Aber statt gerade jetzt komplett zueinander zu stehen, wurden wieder einmal Fässer aufgemacht, wo wir am besten aufgestellt sind – das ist so typisch SCP! Ich hatte echt gehofft, dass wir das hinter uns haben.... Wenn Baumgart sich nun gegen Paderborn entscheidet, wissen wir, bei wem wir uns zu bedanken haben – denn noch vor ein paar Tagen hat er gar nicht in Frage gestellt, bleiben zu wollen. Ich denke, dass Rückhalt für ihn ein ganz wichtiger Faktor ist.
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