Zu wenig Qualität: Der SC Paderborn ist allen Belangen Bundesliga-Letzter
„Ein Spiegelbild der Saison“

Paderborn (WB). Der sofortige Wiederabstieg des SC Paderborn war bereits seit dem vergangenen Dienstag besiegelt. Wer aber Steffen Baumgart am Samstag nach der 1:3 (0:1)-Niederlage im letzten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach erlebt hat, der hätte meinen können, das Bundesliga-Aus wäre ganz frisch.

Montag, 22.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 22.06.2020, 05:01 Uhr
Diese Blicke sagen alles: Die Paderborner Jamilu Collins, Abdelhamid Sabiri und Antony Evans (von links) nach dem Schlusspfiff. Foto: dpa
Diese Blicke sagen alles: Die Paderborner Jamilu Collins, Abdelhamid Sabiri und Antony Evans (von links) nach dem Schlusspfiff. Foto: dpa

„Das war ein Spiegelbild der Saison. Wir waren über die gesamte Dauer nicht gut genug und haben es nicht verdient, in der Liga zu bleiben. Wir haben die wenigsten Tore geschossen, die meisten bekommen und die wenigsten Punkte geholt. Deshalb bin ich noch ein wenig mehr enttäuscht als sonst“, sagte ein sichtlich geknickter Trainer. Baumgart ist immer gerade heraus, das macht ihn so sympathisch. Dazu passte auch dieser Nachsatz: „Eigentlich wollte ich das gar nicht so sagen.“

Elf Punkte weniger

Doch an den Fakten kommt man nun einmal nicht vorbei. Dazu gehört auch, dass der SC Paderborn einen Spieltag vor Saisonende satte elf Punkte weniger auf dem Konto hat als beim ersten Abstieg vor fünf Jahren. Warum das so ist, wurde im 14. Spiel in Folge ohne Sieg wieder einmal überdeutlich. „Die Idee ist gut, aber die qualitative Umsetzung nicht gegeben. Wir haben zu viele Fehler gemacht, daher geht der Gladbacher Sieg mehr als in Ordnung“, erklärte Baumgart.

In der Tat agierten die Gäste über die komplette Spielzeit dominant und gehen nach dem Patzer von Bayer Leverkusen bei Hertha BSC Berlin auf einem Champions-League-Platz ins Saisonfinale. Die Voraussetzung dafür schufen die Fohlen durch einen frühen Treffer von Patrick Herrmann (4.) sowie einen Doppelpack von Kapitän Lars Stindl (55., 74.), das zwischenzeitliche 1:1 von Sven Michel (54.) war am Ende nicht mehr als eine Ergebniskosmetik.

Zingerle war der beste Paderborner

Das Schlusslicht konnte sich bei seinem Schlussmann bedanken, dass es nicht noch höher ausging. Leopold Zingerle war mit Abstand bester Paderborner und verhinderte mit tollen Paraden weitere Gegentreffer. Der Frust war bei ihm aber nicht geringer, bezeichnend für die Situation des SCP war für ihn das 0:1: „Erst halte ich den Ball gegen Embolo und dann ist der Nachschuss drin.“ Ähnliches hatte Zingerle schon vor einer Woche gegen Werder Bremen erlebt, als er einen Elfmeter von Milot Rashica abwehrte und Davie Klaassen Sekunden später zum 0:1 traf. Gegen Gladbach war auch das schnelle 1:2 nach dem Ausgleich symbolisch. „Das passt zur Paderborner Geschichte“, urteilte Sky-Experte Didi Hamann.

Nach Bremen und Union Berlin war es für auf fünf Positionen veränderte Gastgeber die dritte Niederlage in Folge. Was bleibt, ist der Abschluss in Frankfurt, bei dem Baumgart die nächste personelle Lücke schließen muss. Uwe Hünemeier sah für sein Foul an Stindl, das zum Elfmeter führte, Gelb und kassierte zehn Minuten später die Ampelkarte. Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden hatte nach einem Trikotziehen an Breel Embolo zunächst Vorteil gelten lassen, reichte die Verwarnung dann aber nach.

25 Minuten in Unterzahl

So mussten die Gastgeber die letzten 25 Minuten in Unterzahl bestreiten. Die Paderborner wehrten sich mit ihren bescheidenen Mitteln und durften sich wenigstens über ein Comeback freuen. Luca Kilian wurde in der 75. Minute eingewechselt und debütierte nach fünfmonatiger Verletzungspause. Somit könnte er Hünemeier am kommenden Samstag vertreten.

Dann geht die Paderborner Abschiedstour zu Ende. Gladbachs Trainer Marco Rose vermisst den SCP jetzt schon: „Paderborn war eine absolute Bereicherung für die Bundesliga. Das war ambitionierter Fußball mit einer Idee. Es macht Spaß, gegen euch zu spielen und euch zuzusehen. Auch wenn das nicht jeder so sieht.“ Komplimente und keine Punkte: Auch das passt zu dieser Paderborner Saison.

Schiedsrichter Tobias Welz zeigt SCP-Kapitän Uwe Hünemeier die Gelb-Rote Karte.

Schiedsrichter Tobias Welz zeigt SCP-Kapitän Uwe Hünemeier die Gelb-Rote Karte. Foto: dpa

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7461635?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
Ein Stück aus dem Tollhaus
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker