Neuzugang Thalhammer: Ingolstadts Pech ist Paderborns Glück
Ein Aufstieg über Umwege

Paderborn (WB). Es ist eine dieser verrückten Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Gleich zweimal innerhalb von nur zwei Wochen verpasste der FC Ingolstadt in diesem Sommer in allerletzter Sekunde die Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga. Erst entriss ein Elfmetertor des Ex-Paderborners Sebastian Schuppan für die Würzburger Kickers gegen Hallescher FC am letzten Spieltag der abgelaufenen Drittligasaison den Ingolstädtern den zweiten Tabellenplatz. Dann versetzte Fabian Schleusener im Relegations-Rückspiel die Schanzer in Schockstarre und bescherte dem 1. FC Nürnberg doch noch den Klassenerhalt. Und der Nutznießer des Ganzen heißt: SC Paderborn.

Montag, 17.08.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 17.08.2020, 05:02 Uhr
Nach dem verpassten Aufstieg mit dem FC Ingolstadt schaffte Maximilian Thalhammer dank seines Wechsels zum SC Paderborn doch noch den Sprung in die 2. Liga. Foto: Oliver Schwabe
Nach dem verpassten Aufstieg mit dem FC Ingolstadt schaffte Maximilian Thalhammer dank seines Wechsels zum SC Paderborn doch noch den Sprung in die 2. Liga. Foto: Oliver Schwabe

„Wenn wir aufgestiegen wären, hätte ich in Ingolstadt verlängert. Das war schon klar“, erklärt Maximilian Thalhammer. Dann blickt der Neuzugang des SCP (Vertrag bis 2022 plus Option) noch einmal auf die vielleicht schwärzesten Stunden seiner Karriere zurück: „Darauf hätte ich gerne verzichtet. Es war extrem hart, wir haben uns um den Lohn einer ganzen Saison betrogen gefühlt und waren emotional total am Boden.“

Ablösefrei auf dem Markt

Durch den verpassten Aufstieg kam er auf den Markt. Ablösefrei. Seit 2014 stand der gebürtige Freisinger in Ingolstadt unter Vertrag, war zwischendurch (in der Saison 2018/2019) an Regensburg ausgeliehen. Der Jahn wollte ihn jetzt unbedingt zurück, doch der 23-Jährige entschied sich gegen seine bayrische Heimat und für Ostwestfalen. Zum einen tat ihm der räumliche Abstand vielleicht ganz gut, um den Albtraum Abstieg zu verarbeiten. „Ich habe es abgehakt und schau nach vorne. Man kann aus solchen Tiefschlägen auch stärker hervorgehen“, sagt er heute.

Zum anderen hat sich der SCP nach den ersten zwei Wochen der Vorbereitung als die gute Wahl herausgestellt, die Thalhammer erwartet hatte und in der er von seinem Ingolstädter Mannschaftskollegen und Ex-Paderborner Robin Krauße bestärkt worden war. „Als das mit Paderborn konkret wurde, habe ich mit Robbi telefoniert und danach hatte ich ein noch besseres Gefühl, dass dieser Wechsel für mich der richtige ist. Das sportliche Konzept und die Spielweise haben mich von Anfang an überzeugt und nach zwei Wochen Training muss ich sagen, dass mein Eindruck durchweg positiv ist. Die Einheiten haben ein hohes Niveau, der Trainer ist sehr akribisch und möchte jeden Spieler besser machen. Da bist du sehr gefordert, aber es macht großen Spaß. Was mir besonders gefällt: Alle Übrungen finden mit Ball statt.“ Dass er zu einem Absteiger kommt, stört ihn nicht: „Das ist hier kein Thema mehr. Alle sind heiß und wollen sich beweisen. Und außerdem hat der SCP in der 1. Liga viele gute Spiele gemacht. Das war sehr unterhaltsam und nie langweilig.“

„Er passt genau in unser Beuteschema“

Apropos Trainer, Steffen Baumgart kommentierte die Verpflichtung des ehemaligen U20-Nationalspielers so: „Er passt genau in unser Beuteschema und kann uns sofort helfen.“ Auch der Geschäftsführer Sport Fabian Wohlgemuth lobt den Neuen in der defensiven Schaltzentrale: „Dass Maxi in der 2. Bundesliga bestehen kann, hat er bereits bewiesen. Er hat sich hier sehr gut eingelebt im Team und wird eine absolute Verstärkung für uns sein.“ Thalhammer selbst sieht seine Stärken in der „Übersicht, Passsicherheit und im Dribbling“. Gerade als Sechser gehört der Zweikampf natürlich auch dazu, doch 17 Gelbe Karten wie sein Vorgänger Klaus Gjasula (jetzt Hamburger SV) sind für Thalhammer kein nachzuahmender Wert. „Das würde ich wohl auch gar nicht schaffen“, sagt er mit einem Lächeln. In der abgelaufenen Drittliga-Saison kassierte er sechs Verwarnungen.

Thalhammer und Paderborn: Das scheint zu passen. Am 1. Oktober bezieht er mit Freundin Annika eine Wohnung in seiner neuen sportlichen Heimat und nach und nach fällt ihm die Eingewöhnung leichter. „Ein bisschen umstellen musste ich mich schon“, gibt er zu. Statt Servus heißt es jetzt Hallo. Auch die bayrische Küche vermisst er ein wenig. Aber über allem steht eins: erfolgreich sein mit dem SC Paderborn. Dafür soll auch das Trainingslager in Österreich helfen. „Ich wäre auch nicht traurig gewesen, wenn wir zuhause geblieben wären, aber es gibt auch viele Vorteile. Gerade als Neuer lernst du deine Mitspieler besser kennen“, sagt Thalhammer. Auch in Kärnten geht es darum, die schwarzen Tage aus dem Juli 2020 endgültig zu vergessen.

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