Paderborn: Warum Aufsteiger Ron Schallenberg jetzt beim Absteiger spielt
Der Rückkehrer

Paderborn (WB). Vom Aufsteiger zum Absteiger, um auf dem Weg zum Fußball-Profi wieder einen Schritt weiterzukommen – das hört sich zunächst einmal völlig schräg an. Ron Schallenberg geht aber genau diesen Weg, verließ deshalb den SC Verl und kehrte zum SC Paderborn zurück.

Dienstag, 18.08.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 18.08.2020, 05:04 Uhr
Unter strenger Beobachtung: Ron Schallenberg im Visier von Paderborns Trainer Steffen Baumgart. Foto: Oliver Schwabe
Unter strenger Beobachtung: Ron Schallenberg im Visier von Paderborns Trainer Steffen Baumgart. Foto: Oliver Schwabe

Ohne Aussicht auf Einsätze hatte sich Schallenberg vor zwei Jahren für die andere Richtung entschieden, ließ sich vom SCP ausleihen, um an der Poststraße in der Regionalliga spielen zu können . Sein Blick zurück: „Das hat viel Sinn gemacht.“ Die Verler stiegen mit dem Mittelfeldspieler in die 3. Liga auf, er selbst kam in den 24 Monaten auf die Einsatz-Bilanz eines Leistungsträgers: 57 Pflichtspiele, 11 Tore.

Verls Trainer sagt: „Ron war ein Musterschüler“

Sein größter Förderer in Verl war der Trainer. Rino Capretti, der auch mal Vertretungslehrer für Sport und katholische Religion war, verteilt zwar keine Schulnoten mehr, sein Urteil geht aber in die gleiche Richtung: „Ron war ein Musterschüler. Er hat sich mit unserer Idee vom Fußball voll identifiziert, war fleißig und sehr diszipliniert.“ Steffen Baumgart, der Schallenberg bei einigen Punktspielen in Verl persönlich beobachtete, beeindruckte Rons Ruhe auf dem Platz: „Er wirkt sehr kalt und ist nie nervös. Für einen Spieler in seinem Alter ist das erstaunlich.“

Das sagt einiges über den Charakter des bald 22-Jährigen aus, aber noch nicht viel über seine fußballerischen Qualitäten. Doch auch hier sind die beiden Trainer nicht weiter voneinander entfernt. Capretti lobt ganz besonders die Handlungsschnelligkeit seines ehemaligen Schützlings: „Er denkt oft schon zwei, drei Spielzüge im Voraus.“ Für Paderborns Chefcoach kann er deshalb zentral alle Rollen ausfüllen: „Ron ist ein kluger Spieler, mit gutem Abschluss und einem starken Kopfballspiel.“

Laufpensum zwischen 11 und 12 Kilometern pro Partie

Viel Lob, dass den (Wieder)-Einstieg in Paderborn leichter macht, die Komplimente sind aber keine Eintrittskarte für viele Einsatzzeiten in der 2. Liga. Das weiß auch Schallenberg: „Ich komme aus einer niedrigeren Klasse und muss deshalb noch mehr zeigen. Aber wenn ich mir das nicht zutrauen würde, wäre ich nicht zurückgekommen.“ Wobei sein Part ein spezieller ist: Ein zentraler Mittelfeldspieler macht in der Regel die meisten Meter. In Verl lag sein Laufpensum zwischen 11 und 12 Kilometern pro Partie. Davon sind viele Wege umsonst, doch das stört den Dauerläufer nicht: „Auf dieser Position ist man immer im Spiel und gefühlt bei jeder Aktion dabei. Egal ob defensiv oder offensiv.“

Bestärkt in den Überlegungen, beim SCP einen neuen Anlauf zu wagen, habe ihn neben Baumgart auch Manager Fabian Wohlgemuth. Auch er traut Schallenberg den nächsten Schritt zu. Das habe er in den Gesprächen deutlich signalisiert, wobei der Konkurrenzkampf im defensiven Mittelfeld groß ist. Mit Klaus Gjasula (Hamburger SV) ging zwar einer, Maximilian Thalhammer (FC Ingolstadt) wird hier aber neue Ansprüche anmelden, ebenso der Isländer Samuel Fridjonsson. Und eins dürfte ohnehin unstrittig sein: Sollte Sebastian Vasiliadis bleiben und zu alter Stärke zurückfinden, geht es bei dem genannten Trio nur darum, wer neben dem Deutsch-Griechen spielen darf.

Vom SV Marienloh gekommen

Diese Hackordnung steht, dahinter ist alles offen. Schallenberg, der vor mehr als zehn Jahren vom SV Marienloh kam von der U12 an alle Jugendmannschaften beim SCP durchlief, hat sich in Verl enorm entwickelt. Körperlich wirkt der Abiturient sehr viel robuster, sein starker rechter Fuß machte ihn in den Relegationsspielen gegen Lok Leipzig (2:2, 1:1) zum Aufstiegshelden. Doch die Bewährungsprobe folgt jetzt: Schallenberg muss zeigen, ob er sich auch in der 2. Liga durchsetzten kann. Dabei geht es nicht nur um einen Platz im Team, sondern auch um einen neuen Vertrag.

Wie es geht, hat Sebastian Schonlau vorgemacht. Auch er ging den kleinen Umweg über den SC Verl, kam zurück und ist nach einer für ihn persönlich sehr guten Erstliga-Saison zum Paderborner Abwehrchef aufgestiegen.

Weitere Personalien: Sabiri sucht weiter, Köln an Mamba interessiert

Während Abdelhamid Sabiri nach wie vor freigestellt ist, um sich einen anderen Verein zu suchen, geht Streli Mamba im Trainingslager in Kärnten seiner Arbeit beim SC Paderborn nach. Dennoch scheinen auch seine Tage beim Bundesliga-Absteiger gezählt. Zuletzt war der 26-Jährige mit Erlaubnis des SCP nach Italien gereist, um mit Zweitliga-Aufsteiger und Berlusconi-Klub AC Monza über einen Wechsel zu verhandeln. Ein Deal kam jedoch nicht zustande. Jetzt hat Erstligist 1. FC Köln die Fühler nach dem Deutsch-Kongolesen ausgetreckt. Das bestätigte Paderborns Geschäftsführer Sport, Fabian Wohlgemuth : „Wir haben uns mit den Kölner Verantwortlichen ausgetauscht, allerdings hat dies bislang zu keinen relevanten Ergebnissen geführt. Streli ist ein sehr wichtiger Spieler, ein Wechsel ist mit einem hohen sportlichen Risiko verbunden.“ Heißt: Es geht ums Geld. Wenn die Ablöse stimmt, würde der SCP den Angreifer, dessen Marktwert 1,6 Millionen Euro beträgt, wohl ziehen lassen. Mamba kam 2019 aus Cottbus zum SCP und erzielte in der abgelaufenen Saison fünf Treffer. Sein Vertrag läuft bis 2022. (pk)

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