Paderborns Trainer Steffen Baumgart über seine Spieler, seine Ziele und die Bayern
„Nur junge Leute reichen nicht“

Paderborn (WB). Nach acht Tagen Trainingslager ist der SC Paderborn am Freitag aus Villach in Kärnten zurückgekehrt. Im Gespräch mit Matthias Reichstein zog Paderborns Trainer Steffen Baumgart eine erste Bilanz, bezog zu einigen Personalien Stellung und wagte einen Ausblick auf die kommende Saison.

Samstag, 22.08.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 22.08.2020, 08:18 Uhr
Der Abstieg ist abgehakt, Steffen Baumgart blickt optimistisch nach vorne: „Wir wollen den SCP in der 2. Liga etablieren.“ Foto: Oliver Schwabe
Der Abstieg ist abgehakt, Steffen Baumgart blickt optimistisch nach vorne: „Wir wollen den SCP in der 2. Liga etablieren.“ Foto: Oliver Schwabe

 

Herr Baumgart, seit April 2017 sind Sie in Paderborn, im August 2020 haben Sie das erste Trainingslager mit dem SCP erlebt. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Steffen Baumgart: Das Trainingslager war super organisiert. Wir konnten alles umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten, und bis auf kleinere Blessuren sind wir wieder gesund in Paderborn angekommen. Das ist das Wichtigste, und deshalb ziehe ich ein durchweg positives Fazit.

 

Zunächst gab es andere Überlegungen, der SCP wollte eigentlich erneut in Paderborn bleiben. Warum haben Sie die Pläne geändert?

Baumgart: Den Vorschlag hat unser Geschäftsführer Sport Fabian Wohlgemuth gemacht. Nach dem Abstieg wollte er einen neuen Reiz setzen und hat dann auch dafür gesorgt, dass dieses Trainingslager für uns finanziell machbar war. Aber um eines klarzustellen: Wir waren nicht in Kärnten, um einen guten Teamgeist zu finden, den hat meine Mannschaft. Wir waren jetzt eine Woche lang zusammen, haben die Zeit für ein gutes Miteinander genutzt und dafür gesorgt, dass neben den harten Einheiten auch Zeit für ein bisschen Spaß blieb.

 

Wie sehen die kommenden drei Wochen bis zur ersten Pokalrunde aus? Machen Sie noch mal eine Pause?

Baumgart: Am Sonntag und Montag hat die Mannschaft frei, am Freitag spielen wir gegen Borussia Dortmund. Als letzten Test planen wir eine Partie gegen einen Zweitliga-Konkurrenten, auf den wir in nächster Zeit nicht in der Liga treffen. Ort und Zeitpunkt stehen noch nicht fest. Hier warten wir ab, gegen wen wir wann im DFB-Pokal spielen.

 

Ihr Kapitän ist Christian Strohdiek. Bleibt es dabei?

Baumgart: Die Frage hat sich für mich noch nicht gestellt. Ich will zunächst beobachten, wie sich unser Kader weiterentwickelt. Außerdem sind es bis zum Ligastart noch vier Wochen.

 

Wenn jetzt keiner mehr gehen würde, verpflichten Sie dann nur noch einen Spieler für die rechte Abwehrseite?

Baumgart: Aktuell haben wir die größte Lücke auf dieser Position. Bis zum Ende der Transferperiode am 5. Oktober bleiben wir aktiv, und bis dahin werden sich noch einige Dinge im Kader verschieben. Da bin ich mir sicher.

 

Hamid Sabiri wurde freigestellt und soll sich einen neuen Verein suchen.  Schlagzeilen schrieb zuletzt aber eher Streli Mamba. Sportlich wäre er zweifellos ein Verlust, ist er auch als Teamplayer beim SCP angekommen?

Baumgart: Streli ist für uns ein sehr wichtiger Spieler. Mit Dennis Srbeny, Sven Michel und Streli haben wir drei grundverschiedene Stürmertypen, die schon bewiesen haben, dass sie in der 2. Liga treffen. Das ist entscheidend.

 

Bei Sebastian Schonlau, Jamilu Collins, Kai Pröger oder Sebastian Vasiliadis wurde auch viel spekuliert, bleiben die vier dem SCP erhalten?

Baumgart: Die Frage ist gar nicht, ob wir sie halten wollen. Wenn es Angebote gibt, werden wir uns mit den Jungs unterhalten. Wir sind in der guten Lage, dass kein Spieler den SC Paderborn zum Nulltarif verlassen kann. Am Ende müssen wir dann sehen, was gut für den Verein ist. Der steht über allem.

 

Mit Luca Kilian ging einer zum Erstligisten Mainz 05, der sehr lange verletzt war. Mal abgesehen vom finanziellen Erfolg für beide Seiten – hätten Sie ihm als Trainer noch zu einem Jahr 2. Liga beim SCP geraten?

Baumgart: Ich schätze Luca sehr, und aus rein persönlicher Sicht hätte ich ihn gerne behalten. Aber er hat jetzt die Chance, weiter in der Bundesliga zu spielen. Ich traue Luca den nächsten Schritt zu. Ich glaube auch, dass er sich in Mainz durchsetzt und Karriere macht. Ob das genau zu diesem Zeitpunkt der richtige Wechsel war, wird die Zukunft zeigen.

 

Johannes Dörfler soll noch gehen. Viel diskutiert wurde auch über die Wintereinkäufe Samúel Kári Friðjónsson und Antony Evans. Können sie hier Klarheit schaffen?

Baumgart: Jo macht es im Moment gut in seiner aktuellen Rolle als Rechtsverteidiger. Fakt ist aber: Wir haben ihm vor Trainingsstart nahe gelegt zu gehen, und daran hat sich nichts geändert. Bei Samúel Friðjónsson müssen wir abwarten, was sich noch ergibt. Den größten Schritt machte Antony Evans, er hat sich richtig gut entwickelt.

 

Mit Innenverteidiger Marcel Correia haben Sie einen sehr erfahrenen Spieler verpflichtet. Rückt der SCP damit von seiner Philosophie als Ausbildungsverein ab?

Baumgart: Unsere Philosophie ist nicht die Mischung der Mannschaft, sondern der Fußball, den wir spielen wollen. Natürlich wollen wir Spieler entwickeln, aber dazu brauchen wir auch erfahrene Leute. Unsere Neuen wie Thalhammer, Okoroji, Führich oder Schallenberg sind entwicklungsfähige Spieler, aber sie alle brauchen an ihrer Seite auch Jungs, die sie führen. Mit Ben Zolinski und Klaus Gjasula haben wir zwei verloren, deshalb mussten wir reagieren. Mit jungen Leuten allein wird man in der 2. Liga nichts erreichen. Außerdem kann sich auch ein 31-Jähriger noch jederzeit weiterentwickeln.

 

Erst am Freitag sind Sie aus dem Trainingslager zurückgekehrt, am Samstag steht bereits das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach an. Guter Test zum schlechten Zeitpunkt?

Baumgart: Nein. Unsere Testspielgegner verlangen uns alle sehr viel ab. So werden wir in jeder Partie gefordert, und das finde ich gut. Am Samstag haben wir erneut die Chance, gegen ein sehr gutes Team unser Spiel durchzusetzen. Darauf freue ich mich.

 

Ihr Vertrag läuft in zehn Monaten aus. Wann verlängern Sie?

Baumgart: Das ist jetzt überhaupt nicht unser Thema. Wir gehen jetzt in die Saison und schauen, wie es funktioniert. Ich will damit sagen, dass wir zunächst ganz viele andere Fragen beantworten müssen, bevor wir über den Trainer diskutieren.

 

Ein konkretes Saisonziel vermeiden Sie. Wer sind denn Ihre Aufstiegsfavoriten?

Baumgart: Hamburger SV, Hannover 96, 1. FC Nürnberg, Fortuna Düsseldorf oder auch der 1. FC Heidenheim – auf diese Mannschaften bin ich sehr gespannt. Uns würde ich nicht zum Favoritenkreis zählen, aber ich will uns auch nicht kleiner reden als wir sind. Wir wollen weiter zu den 30 besten Mannschaften in Deutschland gehören und den SCP in der 2. Liga etablieren. Das ist unser Ziel. Diesmal wird man vielleicht schon nach fünf Spieltagen sehen können, wohin unsere Reise geht. Da haben wir mit Kiel, HSV, Heidenheim, Hannover und Sandhausen einige Kracher vor der Brust.

 

Und wer gewinnt am Sonntag die Champions League?

Baumgart: Was die Bayern im Moment spielen, ist schon sehr nah dran an Perfektion. Vieles, was die machen, geht gar nicht besser. Die Bayern haben alles, was man braucht, um so ein Finale zu gewinnen. Deshalb werden sie am Sonntag siegen.

Kommentare

chefplaner  schrieb: 22.08.2020 11:50
Nur mit alten Spielern geht es nicht.
Die Aussage "Nur mit jungen Spielern geht es nicht" ist genauso phrasenhaft wie "Nur mit alten Spielern geht es nicht". Das hat auch nie jemand gefordert. Im Gegenteil: vor Wochen wurde schon eine Achse mit Spielern wie Zingerle, Strohdiek, Schonlau bis hin zu Michel gefordert.

Aber genau den selben Satz "nur mit jungen geht es nicht" habe ich aus 2015 in Erinnerung. Damit wurden Ndjeng, Kirch etc. begründet.

Übrigens: eine U-Mannschaft hat aktuell die gesamte 3. Liga dominiert. Da standen drei (!) erfahrenen Führungsspieler und insgesamt ein Durchschnittsalter von gut 21 Jahren zu Buche. Es geht also doch mit fast ausschließlich "Jungen".

Dagegen haben wir erlebt, dass "Alte" vor dem Karriereende nur noch einmal "Kasse" machen wollten, sich nicht mehr voll rein hängten, das Gehaltsgefüge beschädigten und an Marktwert nur noch verloren.

Gerade in der IV hatten wir null Bedarf an Ü-30-Spielern!
1 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7545966?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
Bundespräsident macht Bevölkerung Mut
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier setzt sich einen Mund-Nasen-Schutz auf.
Nachrichten-Ticker