Seit sieben Jahren kennt der SC Paderborn nur Platz zwei oder 18
Hopp oder top

Paderborn (WB). Aufstieg oder Abstieg, Platz zwei oder 18: In den vergangenen Jahren ging es für den SC Paderborn nur rauf oder runter. Wie in einer Achterbahn. Drei Aufstiegen stehen vier (sportliche) Abstiege gegenüber. Einmal ging es sogar gleich dreimal in Folge abwärts. Konkrete Saisonziele formuliert bei den Ostwestfalen diesmal zwar niemand, Trainer Steffen Baumgart sagt aber auch: „Wir wollen weiter zu den besten 30 Mannschaften in Deutschland gehören und den SCP in der 2. Liga etablieren.“

Donnerstag, 17.09.2020, 03:30 Uhr
Diesen Torjubel wird es im SCP-Trikot nicht mehr geben: Ben Zolinski (r.) ist schon weg, Hamid Sabiri soll gehen. Foto: Hannemann
Diesen Torjubel wird es im SCP-Trikot nicht mehr geben: Ben Zolinski (r.) ist schon weg, Hamid Sabiri soll gehen. Foto: Hannemann

Im Vorfeld wurde der Kader kräftig umgebaut. Mit Luca Kilian, Klaus Gjasula, Laurent Jans, Mohamed Dräger, Ben Zolinski, Gerrit Holtmann und Marlon Ritter gingen sieben Spieler, die in der 1. Liga zum Einsatz kamen. Mit Abdelhamid Sabiri könnte bis zum Transferschluss am 5. Oktober noch ein weiterer Abgang mit Erstliga-Erfahrung folgen. Der ebenfalls wechselwillige Streli Mamba ist verletzt und wird wohl bleiben müssen.

Auf der anderen Seite setzt der SCP wieder weitestgehend auf junge Spieler, die gut ausgebildet sind, aus unteren Ligen kommen und noch keinen großen Namen im Profifußball haben. Chima Okoroji, Frederic Ananou, Maximilian Thalhammer, Chris Führich, Julian Justvan oder auch Ron Schallenberg werden im Kampf um die Stammplätze eingreifen können. Moritz Schulze und Pascal Steinwender gehören dagegen in die Kategorie „Perspektivspieler“ und spielen wohl zunächst in der U21. Wobei das in Zeiten der Corona-Pandemie nicht so einfach sein wird. Wer in der Oberliga antritt, muss anschließend vier Tage in Quarantäne und kann dann praktisch gar nicht mehr mit den Profis gemeinsam trainieren.

Vier Kracher zu Beginn

Den Weg als Ausbildungsverein verließ Paderborn bei der Kaderzusammensetzung nur einmal:  Marcel Correia zählt mit seinen 31 Jahren zu den erfahrenen Profis und dürfte daher sehr schnell zu den Leitwölfen aufsteigen. Insgesamt geht der SCP mit einem ausgeglichen besetzten Kader in die kommende Spielzeit. „Ich würde uns nicht zum Favoritenkreis zählen, aber ich will uns auch nicht kleiner reden, als wir sind“, zieht Baumgart diese Bilanz.

Entscheidend wird sein, wie seine Elf in die Saison startet. Mit Holstein Kiel, Hamburger SV, 1. FC Heidenheim und Hannover 96 hat der SCP gleich vier Kracher zum Start. Und nicht nur Baumgart glaubt: „Diesmal wird man schon sehr früh in der Saison sehen, wohin unsere Reise geht.“

Wobei das aktuelle Aufgebot eine gute Mischung aus hoffnungsvollen Talenten, erfahrenen Jungprofis und Führungsspielern ist. Leopold Zingerle absolvierte, wie auch sein Konkurrent Jannik Huth, eine ordentliche Vorbereitung. Der Münchner ist aber bereits seit 2017 die Nummer 1 beim SCP und wird das nach Huths Verletzung (Kahnbeinbruch) auch bleiben. Das Abwehrzentrum ist mit dem neuen Kapitän Sebastian Schonlau, Marcel Correia, Uwe Hünemeier und Christian Strohdiek gut besetzt, ebenso die linke Abwehrseite mit Jamilu Collins und Chima Okoroji. Rechts muss es Frederic Ananou richten.

Pokalsieg als guter Start in die Saison

Im defensiven Mittelfeld sind Sebastian Vasiliadis und Maximilian Thalhammer gesetzt. Die beiden spielen. Sollte der von Arminia Bielefeld umworbene Vasiliadis doch noch gehen, darf sich Ron Schallenberg große Hoffnungen machen. Samúel Fridjónsson ist im Moment raus, der Isländer stand zuletzt nicht einmal im Kader. Die Außenbahnen besetzen Christopher Antwi-Adjei und Kai Pröger. Chris Führich und Antony Evans sind zweite Wahl, Dennis Jastrzembski muss um einen Platz im Kader kämpfen. Julian Justvan könnte einmal zentrale Aufgaben im Offensivbereich übernehmen. Als Doppelspitze soll das Duo Sven Michel und Dennis Srbeny eine scharfe Klinge führen. Es ist Potenzial da, die Frage ist nur, ob es Baumgart und seinem Trainerteam wieder gelingt, diese Klasse auch auf den Rasen zu bringen. Der 5:0-Sieg im Pokal gegen den SC Wiedenbrück war auf jeden Fall ein guter Start in die Saison.

Den großen Favoriten gibt es in der 2. Liga nicht mehr, das Fußball-Unterhaus ist in den vergangenen Jahren immer mehr in die Breite gegangen. Wobei es wirtschaftlich noch immer eine große Spanne zwischen den Klubs gibt. Auch die Ostwestfalen gehören als Erstliga-Absteiger von der Finanzkraft her höchstens ins Mittelfeld der 2. Liga. Der SCP nutzte das vergangene Jahr zwar, sich trotz der Corona-Krise zu entschulden – um noch mehr Stammkräfte zu halten oder Verträge mit Leihspielern zu verlängern, reichte es trotzdem nicht.

Vielleicht gelingt das ja mit dem Trainer. Baumgart passt zu Paderborn und umgekehrt. Im vierten Jahr seiner Amtszeit sind auch noch keine Spuren von Abnutzung erkennbar. Sein Vertrag läuft aber 2021 aus. Der Rostocker will sich mit diesem Thema dennoch nicht beschäftigen und zunächst die weitere sportliche Entwicklung des Vereins beobachten. Denn auch er weiß: In diesem Geschäft könnte es auch mal eine Achterbahnfahrt geben, an deren Ende der Platz des Trainers kräftig durchgeschüttelt wird.

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