Nach dem ersten Erstligaabstieg ging es für den SC Paderborn 07 ganz weit runter
Nach Abstieg durchgereicht

Paderborn (WB/MR). Abstieg nach nur einer Saison in der 1. Liga: Das gab es vor fünf Jahren schon einmal. Nur da endete die folgende Zweitligasaison in einem kompletten Desaster: Der SC Paderborn 07 wurde noch einmal Ligaletzter und damit innerhalb von nur zwölf Monaten von der 1. bis in die 3. Liga durchgereicht.

Donnerstag, 17.09.2020, 13:03 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 18:50 Uhr
Paderborner Fußballgeschichte: Das Duo Stefan Effenberg (links, Trainer) und Michael Born (Manager) wurde noch vor dem Zweitligaabstieg gefeuert. Foto: Oliver Schwabe
Paderborner Fußballgeschichte: Das Duo Stefan Effenberg (links, Trainer) und Michael Born (Manager) wurde noch vor dem Zweitligaabstieg gefeuert. Foto: Oliver Schwabe

Der doppelte Abstieg, dem zwölf Monate später auch noch der sportliche Absturz in die Regionalliga folgen sollte, war das Ergebnis einer beispiellosen Summe an Fehleinschätzungen. Die begann bei der Kaderplanung. Durch die 18 (!) Abgänge wurde 2015 das Mannschaftsgefüge zerstört. Es fehlte auch der Leader im Team. Marvin Bakalorz war mit dem Kapitänsamt überfordert. Mit Rafa Lopez, Moritz Stoppelkamp und Süleyman Koc blieben zudem die „Falschen“. Die Drei akzeptierten den Abstieg in Liga zwei nie oder erst sehr spät und wollten weg. Ebenso fehlte der Teamgeist. Einige Profis waren gedanklich bei neuen Klubs, andere fühlten sich unterbezahlt – auch, weil teure Nachverpflichtungen wie Jakub Sylvestr oder Nicklas Helenius das Gehaltsgefüge durcheinanderwirbelten. Den Rausschmiss von Daniel Brückner, Mahir Saglik und Srdjan Lakic empfand die Elf außerdem als Willkür. Trainer Stefan Effenberg und Manager Michael Born wurden nach Beschluss des Präsidiums vor vollendete Tatsachen gestellt. Beide wehrten sich aber auch nicht.

Hollywood in Ostwestfalen

Stichwort Born: Das glückliche Händchen bei den Transfers hatte er nicht mehr. Born holte zwar gute Spieler wie Daniel Heuer Fernandes, Hauke Wahl, Dominik Wydra oder später Tim Sebastian. Die Flops wie Oliver Kirch, Marcel Ndjeng, Niklas Hoheneder, Kevin Stöger, Florian Ruck sowie die Wintereinkäufe Helenius und Sylvestr überwogen aber deutlich.

Stichwort Effenberg: Mit dieser Verpflichtung war der SC Paderborn völlig überfordert. Kein Führerschein, keine Trainerlizenz und letztlich auch kein Erfolg: Der SCP wurde innerhalb weniger Wochen zum SC Effenberg, weil sich medial alles nur noch um den Traineranfänger aus München drehte. Hollywood in Ostwestfalen – diese Mischung passte gar nicht. Die Konsequenzen zog Klubboss Wilfried Finke erst im März und damit drei Monate zu spät.

Gellhaus, Effenberg, Müller

Doch weder Effenbergs Vorgänger Markus Gellhaus noch sein Nachfolger René Müller bekamen die Mannschaft auf Kurs. Gellhaus (Ndjeng, Kirch, Wahl oder Stöger) und Effenberg (Sylvestr, Helenius, Robin Krauße, Sebastian) konnten personell zwar noch nachrüsten, das nutzte aber auch nichts. Müller musste mit dem Kader klarkommen und holte am Ende sogar noch die meisten Zähler pro Spiel. Seine 0,9 Pünktchen pro Partie hätten über 34 Spieltage aber ebenfalls nicht für den Ligaverbleib gereicht.

Auch die Euphorie aus der 1. Liga, als die Anhänger den SCP trotz des Abstiegs noch feierten, wurde überhaupt nicht in die 2. Liga transportiert. Der Anfang vom Ende war die Preispolitik. Statt die Treuesten der Treuen für die beeindruckende Unterstützung im Abstiegsjahr mit attraktiven Preisen zu belohnen, wurden die Ticketkosten allenfalls gering gesenkt. Ein völlig falsches Zeichen, das die Anhängerschaft am Ende sogar spaltete.

Aus diesen Fehlern scheint der SC Paderborn aber gelernt zu haben. Bislang verließen mit Marlon Ritter, Luca Kilian, Mo Dräger, Laurent Jans, Klaus Gjasula, Gerrit Holtmann, Marlon Ritter und Ben Zolinski erst acht Spieler den Verein, die auch in der Bundesliga mehr als ein Mal zum Einsatz kamen.

Neuaufbau mit Baumgart

Und ganz wichtig: Mit Steffen Baumgart blieb der Trainer. Der 48-Jährige hatte den SCP bis in die 1. Liga geführt, dem Ex-Profi traut man im Klub nun auch einen Neuaufbau zu, ohne erneut in Abstiegsgefahr zu geraten.

Übrigens: Bereits die Erstliga-Saison 2014/15 nutzte der SCP, um sich zu entschulden. Das war auch damals verständlich. Der Bau des Trainingszentrums war ebenfalls richtig. Letztlich verhob sich der Klub allerdings. Bauen, sparen und 1. oder 2. Liga spielen – das konnte nicht gut gehen.

Da hat es der Verein jetzt besser. Arena und Trainingszentrum stehen und sind durch die Paderborner Stadionsgesellschaft solide finanziert. Wobei ein Fragezeichen bleibt: Die Folgen der Corona-Pandemie sind auch ein halbes Jahr nach dem ersten Lockdown noch nicht absehbar.

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